Capri ist klein, aber berühmt: Ein römischer Kaiser regierte von hier aus sein Weltreich, die Blaue Grotte leuchtet wie von innen, und die Faraglioni-Felsen gehören zu den meistfotografierten Motiven Italiens. Wer die Insel abseits des Tagestrubels erlebt, entdeckt auch stille Wanderwege und Aussichtspunkte.

Capri in Kürze

Capri liegt im Golf von Neapel, nur rund fünf Kilometer vor der Spitze der Sorrentiner Halbinsel. Die Insel ist gut zehn Quadratkilometer groß, auf ihr leben etwa 13.000 Menschen in zwei Gemeinden: Capri im Osten und Anacapri im Westen. Die Landschaft ist felsig und steil, aber grün, mit Zitronengärten, Pinien und Macchia. Höchster Punkt ist der Monte Solaro mit 589 Metern.

Im Sommer kommen täglich Tausende Tagesgäste mit Fähren und Schnellbooten. Zwischen etwa 10 und 17 Uhr sind die Piazzetta, die Standseilbahn und die Busse voll. Frühmorgens und abends, wenn die Ausflügler abgereist sind, wird es deutlich ruhiger.

Kaiser Tiberius und die Villa Jovis

Schon Kaiser Augustus schätzte Capri. Sein Nachfolger Tiberius zog sich im Jahr 27 n. Chr. ganz auf die Insel zurück und regierte das Römische Reich bis zu seinem Tod im Jahr 37 von hier aus. Er ließ mehrere Villen bauen, die größte war die Villa Jovis auf dem Monte Tiberio im Osten der Insel. Von der Anlage sind Zisternen, Mauern und Terrassen erhalten, die Aussicht reicht über den ganzen Golf. Direkt daneben fällt der Fels mehr als 300 Meter senkrecht ab, der „Salto di Tiberio“. Antike Geschichtsschreiber wie Sueton behaupteten, der Kaiser habe hier Gegner in den Tod stürzen lassen. Ob das stimmt, ist ungewiss. Von der Piazzetta führt ein Fußweg in rund 45 Minuten hinauf.

Capri-Ort

Die meisten kommen im Hafen Marina Grande an. Von dort fährt die Standseilbahn (Funicolare) in wenigen Minuten hinauf zur Piazzetta, offiziell Piazza Umberto I, dem Treffpunkt der Insel mit Cafés, Glockenturm und Blick aufs Meer. Rundherum ziehen sich enge Gassen mit Boutiquen und weißen Häusern.

Wenige Gehminuten entfernt liegen die Giardini di Augusto, eine Gartenterrasse mit Blick auf die Faraglioni und auf die Via Krupp. Der in Serpentinen in den Fels gehauene Weg führt zur Marina Piccola hinunter, ist aber wegen Steinschlaggefahr häufig gesperrt. Gleich unterhalb der Gärten liegt die Certosa di San Giacomo, eine Kartause aus dem 14. Jahrhundert mit Kreuzgängen und einem Museum mit Bildern des Malers Karl Wilhelm Diefenbach.

Ein schöner Spaziergang führt von der Piazzetta über die Via Tragara zum Aussichtspunkt Belvedere di Tragara direkt über den Faraglioni. Ein anderer Weg führt zum Arco Naturale, einem mächtigen Felsbogen hoch über dem Meer. Von dort steigt man über Treppen zur Grotta di Matermania hinunter und kehrt über den Pizzolungo-Weg an der Küste zurück – ein Rundweg von etwa zwei Stunden.

Anacapri

Anacapri liegt höher und ist ruhiger als Capri-Ort. Die Villa San Michele ließ sich der schwedische Arzt und Schriftsteller Axel Munthe Ende des 19. Jahrhunderts bauen. Haus und Garten sind voller antiker Fundstücke, von der Pergola blickt man weit über den Golf. In der Kirche San Michele liegt ein Fußboden aus Majolikafliesen aus dem 18. Jahrhundert, der die Vertreibung aus dem Paradies zeigt – Besucher gehen auf Holzstegen darüber.

Vom Ortszentrum fährt ein Sessellift in rund zwölf Minuten auf den Monte Solaro. Oben sieht man die Faraglioni von oben, die Amalfiküste und bei klarer Sicht den Vesuv. Zurück geht es zu Fuß über die Einsiedelei Cetrella. Die Scala Fenicia, eine alte Treppe mit mehreren Hundert Stufen, war bis zum Bau der Straße die einzige Verbindung zwischen Anacapri und dem Hafen. An der Südwestspitze steht der Leuchtturm Punta Carena, ein beliebter Platz zum Baden in den Felsen und für den Sonnenuntergang.

Die Blaue Grotte

Die Grotta Azzurra an der Nordwestküste ist Capris bekannteste Sehenswürdigkeit. Der Eingang ist nur etwa einen Meter hoch, deshalb geht es in kleinen Ruderbooten hinein, und alle Gäste müssen sich flach ins Boot legen. Drinnen leuchtet das Wasser intensiv blau: Das Sonnenlicht fällt durch eine große Öffnung unter der Wasserlinie herein. Der Besuch in der Grotte selbst dauert nur wenige Minuten.

Anfahren kann man mit dem Motorboot ab Marina Grande oder mit dem Bus ab Anacapri bis zu einer Treppe über dem Eingang, von dort steigen Besucher in die Ruderboote um. Bei Wellengang oder starkem Wind bleibt die Grotte geschlossen. Um die Mittagszeit sind die Wartezeiten auf dem Wasser am längsten, am frühen Vormittag und am Nachmittag geht es meist schneller.

Inselrundfahrt

Eine Bootsfahrt um die Insel dauert etwa eine bis eineinhalb Stunden und zeigt, was man an Land nicht sieht: senkrechte Felswände, kleine Buchten, die Grotta Verde mit grünlich schimmerndem Wasser und die Grotta Bianca mit weißen Kalkformationen. Höhepunkt ist die Durchfahrt durch den Felsbogen im mittleren der drei Faraglioni. Die Boote starten in Marina Grande und Marina Piccola, manche Touren lassen sich mit der Blauen Grotte kombinieren.

Baden auf Capri

Sandstrände gibt es kaum. Gebadet wird in kleinen Kiesbuchten und in Badeanstalten auf den Felsen, mit Liegen, Leitern und Restaurant. Marina Piccola im Süden hat zwei kleine Buchten mit Blick auf die Faraglioni. Die Bagni di Tiberio westlich von Marina Grande liegen bei den Resten einer römischen Villa. Bei Punta Carena führen Stufen direkt ins tiefe, klare Wasser. Badeschuhe sind überall hilfreich.

Essen und Mitbringsel

Die Insalata Caprese, Tomaten mit Mozzarella und Basilikum, trägt den Namen der Insel. Ravioli capresi sind mit Caciotta-Käse und Majoran gefüllt, die Torta caprese ist ein Kuchen aus Mandeln und Schokolade ohne Mehl. Zum Abschluss gibt es Limoncello aus Zitronen der Region. In Capri-Ort fertigen Handwerker Ledersandalen nach Maß, oft innerhalb weniger Stunden.

Anreise und Unterwegs

Der nächste Flughafen ist Neapel-Capodichino. Vom Hafen in Neapel fahren Fähren und Schnellboote nach Capri, mit dem Schnellboot dauert es etwa 50 Minuten. Ab Sorrent sind es rund 20 bis 30 Minuten, im Sommer gibt es auch Verbindungen ab Positano und Amalfi. Autos von Nichtansässigen dürfen in der Saison nicht auf die Insel, man lässt den Wagen in Neapel oder Sorrent stehen. Auf Capri fahren kleine Busse und offene Taxis, die Wege sind kurz, viele Ziele erreicht man nur zu Fuß. Unterkünfte sind knapp und teuer, im Sommer sollte man früh buchen – wer sparen will, übernachtet in Sorrent und kommt für einen Tag.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Tagesausflug nach Capri?

Ja, für Piazzetta, Giardini di Augusto, Anacapri und eine Bootstour reicht ein Tag. Wer auch die Villa Jovis und den Monte Solaro sehen will, übernachtet besser.

Wann hat die Blaue Grotte geöffnet?

Tagsüber bei ruhiger See. Bei Wellengang ist sie geschlossen, das entscheidet sich oft erst am Morgen.

Kann man mit dem Auto nach Capri?

Nein, in der Saison dürfen nur Fahrzeuge von Einwohnern auf die Insel. Die Wege sind ohnehin kurz und gut mit Bus, Taxi und zu Fuß zu bewältigen.

Wann ist die beste Reisezeit für Capri?

Mai, Juni und September. Im Juli und August ist die Insel sehr voll, im Winter haben viele Hotels und Restaurants geschlossen.