Mallorca, Menorca, Ibiza, Formentera und Cabrera: Die Balearen sind weit mehr als Ballermann und Partystrand. Jede Insel hat ihren eigenen Charakter – von Bergdörfern in der Serra de Tramuntana über einsame Buchten auf Menorca bis zu den Salzfeldern von Formentera.

Die Balearen im Überblick

Die Balearen (katalanisch Illes Balears) bilden eine der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens. Hauptstadt ist Palma auf Mallorca, insgesamt leben rund 1,2 Millionen Menschen auf den Inseln, die große Mehrheit davon auf Mallorca. Der Archipel liegt je nach Insel etwa 80 bis 200 Kilometer vor der spanischen Ostküste.

Geografisch teilen sich die Balearen in zwei Gruppen:

  • Gymnesische Inseln: Mallorca (rund 3.640 km²), Menorca (rund 700 km²) und Cabrera
  • Pityusen: Ibiza (rund 570 km²) und Formentera (rund 83 km²)

Dazu kommen zahlreiche kleine, unbewohnte Eilande wie Dragonera vor der Westküste Mallorcas oder Es Vedrà vor Ibiza. Amtssprachen sind Katalanisch und Spanisch. Im Alltag hört man die Inselvarianten des Katalanischen: Mallorquí, Menorquí und Eivissenc. Deshalb stehen auf Schildern oft zwei Namen, etwa Eivissa für Ibiza oder Maó für Mahón.

Kurze Geschichte

Die ältesten Siedlungsspuren reichen mehrere Jahrtausende vor Christus zurück. Besonders sichtbar ist die Talayot-Kultur der Bronzezeit: Ihre steinernen Türme (Talayots) und die tischförmigen Taulas stehen bis heute vor allem auf Menorca. Phönizier und Karthager gründeten auf Ibiza eine Handelsstadt, danach folgten Römer und ab dem 10. Jahrhundert die Mauren. 1229 eroberte Jaume I. von Aragón Mallorca, die Inseln wurden katalanisch geprägt. Menorca stand im 18. Jahrhundert zeitweise unter britischer Herrschaft – daran erinnern in Maó noch Schiebefenster und der Gin.

Klima und Reisezeit

Das Klima ist mediterran: heiße, trockene Sommer, milde und manchmal regnerische Winter. Die Badesaison läuft von Juni bis Oktober, im August erreicht das Meer etwa 25 bis 26 °C. Juli und August sind die teuersten und vollsten Monate. Mai, Juni und September bieten warmes Wetter, weniger Andrang und günstigere Unterkünfte. Im Februar blühen auf Mallorca die Mandelbäume – eine gute Zeit für Wanderungen, auch wenn das Meer dann zu kalt zum Baden ist.

Welche Baleareninsel passt zu wem?

Mallorca: für alle, die Abwechslung suchen

Die größte Insel bietet fast alles auf engem Raum. Palma hat eine sehenswerte Altstadt mit der gotischen Kathedrale La Seu, dem Königspalast Almudaina und vielen Tapas-Bars. Im Nordwesten zieht sich die Serra de Tramuntana über rund 90 Kilometer, seit 2011 UNESCO-Welterbe. Dort liegen der Puig Major (1.445 m), Bergorte wie Valldemossa, Deià und Sóller sowie der Fernwanderweg GR 221, die „Trockensteinroute“.

Wer baden will, findet im Süden Naturstrände wie Es Trenc und die Buchten des Naturparks Mondragó. Die Partymeile an der Playa de Palma ist nur ein kleiner Ausschnitt der Insel. Mehr Ausflugsziele stehen in unserem Beitrag zu den Sehenswürdigkeiten auf Mallorca.

Menorca: für Familien, Wanderer und Ruhesuchende

Menorca ist seit 1993 UNESCO-Biosphärenreservat und deutlich weniger bebaut als Mallorca. Rund um die Insel führt der Camí de Cavalls, ein historischer Küstenweg von etwa 185 Kilometern in 20 Etappen. Im Süden liegen Buchten mit türkisfarbenem Wasser wie Cala Macarella, Cala Turqueta und Cala Mitjana, im Norden eine rauere, rötliche Felsküste. Die beiden Städte Maó mit seinem langen Naturhafen und Ciutadella mit seiner Altstadt aus hellem Sandstein lassen sich gut an einem Tag erkunden. Details bei den Sehenswürdigkeiten auf Menorca.

Ibiza: für Nachtschwärmer und Kulturinteressierte

Ibiza ist für seine Clubs bekannt, vor allem in Sant Antoni und an der Platja d’en Bossa. Doch die Insel hat noch eine andere Seite: Die befestigte Altstadt Dalt Vila, die phönizische Nekropole Puig des Molins und die Posidonia-Seegraswiesen zwischen Ibiza und Formentera sind seit 1999 UNESCO-Welterbe. Der Norden um Sant Joan de Labritja und Portinatx ist grün, hügelig und ruhig. Mittwochs lockt der Hippiemarkt Punta Arabí in Es Canar. Mehr dazu bei den Sehenswürdigkeiten auf Ibiza.

Formentera: für Strandliebhaber und Radfahrer

Formentera hat keinen Flughafen und ist nur per Fähre ab Ibiza-Stadt erreichbar (je nach Schiff etwa 30 bis 60 Minuten bis La Savina). Die Insel ist flach und klein, ideal für Fahrrad und Roller. Ein Netz ausgeschilderter Wege, die Circuits Verds, verbindet Dörfer, Leuchttürme und Strände. Die Landzunge Ses Illetes mit ihrem hellen Sand gehört zum Naturpark Ses Salines und zählt zu den bekanntesten Stränden Spaniens. In der Hochsaison wird die Zahl der Autos auf der Insel begrenzt.

Cabrera: für einen Tagesausflug in die Natur

Cabrera und die umliegenden Eilande südlich von Mallorca bilden seit 1991 einen Meeres- und Landnationalpark. Dauerhaft wohnen dort nur Parkpersonal und Wachleute. Ausflugsboote starten in Colònia de Sant Jordi. Die Tour führt meist zum kleinen Hafen, zur Burg aus dem 14. Jahrhundert mit Blick über die Bucht und zur Blauen Grotte (Sa Cova Blava). Die Besucherzahl ist begrenzt, Segler brauchen für das Ankern eine Genehmigung.

Anreise und Unterwegs

Flug und Fähre

Die Balearen haben drei Flughäfen: Palma (PMI), der zu den größten Spaniens gehört, Menorca bei Maó (MAH) und Ibiza (IBZ). Direktflüge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dauern etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Menorca und Ibiza werden im Winter deutlich seltener angeflogen als Mallorca.

Wer mit dem eigenen Auto reisen will, nimmt die Fähre. Baleària und Trasmed fahren ab Barcelona, Valencia und Dénia. Zwischen den Inseln gibt es feste Linien, etwa Alcúdia–Ciutadella, Palma–Ibiza und Ibiza–Formentera. Die Fahrpläne ändern sich mit der Saison.

Auf den Inseln

Auf Mallorca fährt eine Bahn von Palma nach Inca, Sa Pobla und Manacor, dazu die historische Holzbahn nach Sóller. Die TIB-Busse verbinden fast alle Orte mit Palma. Auf Menorca und Ibiza sind Busse in der Saison gut, abgelegene Buchten erreicht man aber leichter mit dem Mietwagen. In der Hauptsaison ist früh reservieren sinnvoll, weil Fahrzeuge knapp werden.

Kosten und Regeln

Für Übernachtungen wird die Touristensteuer Impuesto de Turismo Sostenible erhoben, pro Person und Nacht. Die Höhe hängt von der Art und Kategorie der Unterkunft ab, Kinder unter 16 Jahren sind befreit. Bezahlt wird direkt in der Unterkunft.

In den ausgewiesenen Zonen an der Playa de Palma, in Magaluf und im West End von Sant Antoni gelten strenge Regeln gegen Sauftourismus: kein Alkohol auf der Straße, eingeschränkter Verkauf in Geschäften am Abend, keine Happy Hours und Partyboote. Verstöße kosten Bußgeld.

Balearische Küche

Die Küche der Inseln ist bodenständig. Zum Frühstück gibt es auf Mallorca die Ensaïmada, ein spiralförmiges Hefegebäck mit Puderzucker, oft auch mit Kürbiskonfitüre (cabell d’àngel) gefüllt. Sobrassada ist eine weiche, mit Paprika gewürzte Streichwurst vom Schwein. Pa amb oli – Brot mit Olivenöl, zerriebener Tomate, dazu Schinken oder Käse – ist der typische Imbiss. Tumbet schichtet Auberginen, Kartoffeln und Paprika mit Tomatensauce.

Menorca ist bekannt für den Käse Mahón-Menorca mit geschützter Herkunftsbezeichnung und für den Gin Xoriguer aus Maó, den man dort gern als „Pomada“ mit Zitronenlimonade trinkt. Auf Ibiza und Formentera endet ein Essen oft mit Flaó, einem Käsekuchen mit Minze und Anis.

Häufige Fragen

Welche Baleareninsel ist am ruhigsten?

Formentera und Menorca sind die ruhigsten der bewohnten Inseln. Menorca bietet dabei mehr Auswahl an Unterkünften und Ausflugszielen, Formentera die kürzeren Wege.

Kann man mehrere Inseln in einem Urlaub besuchen?

Ja. Fähren verbinden Mallorca mit Menorca und Ibiza, von Ibiza aus fährt man in weniger als einer Stunde nach Formentera. Mietwagen dürfen oft nicht auf die Fähre, das vorher beim Vermieter klären.

Wann ist die beste Reisezeit für die Balearen?

Für Badeurlaub Juni bis September, für Wandern und Radfahren März bis Mai sowie Oktober. Wer Trubel und hohe Preise meiden will, reist im Juni oder September.

Welche Sprache spricht man auf den Balearen?

Katalanisch in den Inselvarianten und Spanisch. In touristischen Orten kommt man mit Englisch und oft auch mit Deutsch gut zurecht.