Die Inselkette Hawaii liegt mitten im Pazifik, im Norden des polynesischen Dreiecks. Kulturell gehört sie zu Polynesien, politisch ist sie seit 1959 der 50. Bundesstaat der USA – der Aloha State.
Die Inseln im Überblick
Zur Inselkette gehören 137 Inseln, Atolle und Riffe, die sich über rund 2.400 Kilometer von Südosten nach Nordwesten ziehen. Bewohnt sind fast nur die acht Hauptinseln im Südosten. Bis zur Westküste der USA sind es rund 3.800 Kilometer – kaum eine Inselgruppe der Welt liegt so abgeschieden.
- Hawaiʻi, The Big Island: die grösste und jüngste Insel, mit den aktiven Vulkanen Kīlauea und Mauna Loa
- Maui, The Valley Isle: Strände, der Vulkan Haleakalā und die Road to Hana
- Oʻahu, The Gathering Place: Hauptstadt Honolulu, Waikīkī, Pearl Harbor und die Surfküste North Shore
- Kauaʻi, The Garden Isle: die älteste und grünste Hauptinsel mit Nā Pali Coast und Waimea Canyon
- Molokaʻi: ländlich, mit den höchsten Meeresklippen der Welt an der Nordküste
- Lānaʻi: früher die „Ananasinsel“, heute ruhiges Reiseziel mit wenigen Resorts
- Niʻihau: in Privatbesitz, für Besucher gesperrt; hier wird noch Hawaiisch als Alltagssprache gesprochen
- Kahoʻolawe: unbewohnt, früher Übungsgelände der US-Marine, heute Schutzgebiet
Entstanden über einem Hotspot
Alle Inseln sind Vulkane, die über einem Hotspot im Erdmantel entstanden sind. Die Pazifische Platte wandert langsam nach Nordwesten, der Hotspot bleibt an seinem Platz. So entsteht eine Kette von Vulkanen, die immer älter werden, je weiter sie vom Hotspot entfernt sind. Kauaʻi ist rund 5 Millionen Jahre alt, die Insel Hawaiʻi dagegen weniger als eine Million Jahre und wächst noch. Südöstlich von ihr entsteht unter Wasser bereits der nächste Vulkan, Kamaʻehuakanaloa (früher Lōʻihi).
Der Mauna Kea auf Big Island ist mit 4.207 Metern der höchste Berg Hawaiis. Vom Meeresboden aus gemessen ist er über 10.000 Meter hoch und damit höher als der Mount Everest. Auf seinem Gipfel stehen einige der wichtigsten Teleskope der Welt; weil der Berg den Hawaiianern heilig ist, ist jeder Neubau dort umstritten.
Bevölkerung
Auf Hawaii leben rund 1,4 Millionen Menschen, gut zwei Drittel davon auf Oʻahu. Kein anderer US-Bundesstaat ist so vielfältig: Ein grosser Teil der Bewohner hat asiatische Vorfahren, viele Menschen haben Wurzeln in mehreren Kulturen. Native Hawaiians, die Nachfahren der polynesischen Ureinwohner, sind heute eine Minderheit.
Geschichte Hawaiis
Polynesische Seefahrer
Die ersten Menschen kamen mit grossen Doppelrumpfkanus über Tausende Kilometer offenes Meer, vermutlich von den Marquesas- und Gesellschaftsinseln. Neuere Datierungen legen die Besiedlung in die Zeit um 1000 bis 1200 n. Chr. Die Siedler brachten Taro, Süsskartoffeln, Bananen, Schweine und Hühner mit. Es entstand eine Gesellschaft mit Häuptlingen, Priestern und einem strengen System von Geboten und Verboten, dem Kapu.
James Cook und die Folgen
Im Januar 1778 landete der britische Seefahrer James Cook als erster Europäer bei Waimea auf Kauaʻi. Ein Jahr später, am 14. Februar 1779, wurde er bei einem Streit an der Kealakekua Bay auf Big Island getötet. Mit den Europäern kamen Krankheiten wie Masern, Grippe und Geschlechtskrankheiten, gegen die die Einheimischen keine Abwehr hatten. Die Bevölkerung, zu Cooks Zeit auf mehrere Hunderttausend geschätzt, sank innerhalb eines Jahrhunderts auf unter 50.000.
Königreich Hawaii
Kamehameha I. einte die Inseln mit europäischen Waffen und Beratern und herrschte ab 1810 über das gesamte Königreich. Ab 1820 kamen protestantische Missionare aus Neuengland, schufen eine Schriftform der hawaiischen Sprache und prägten Bildung und Politik. Amerikanische Geschäftsleute bauten Zuckerrohrplantagen auf. Dafür warben sie Arbeiter aus China, Japan, Portugal, Korea und den Philippinen an. Diese Einwanderung prägt die Gesellschaft bis heute.
Vom Königreich zum Bundesstaat
1893 stürzten amerikanische Plantagenbesitzer mit Unterstützung von US-Marinesoldaten Königin Liliʻuokalani. 1898 annektierten die USA die Inseln, 1900 wurde Hawaii ein US-Territorium. Der japanische Angriff auf den Flottenstützpunkt Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 führte die USA in den Zweiten Weltkrieg. Am 21. August 1959 wurde Hawaii der 50. Bundesstaat. 1993 entschuldigte sich der US-Kongress offiziell für den Sturz der Monarchie.
Sehenswürdigkeiten auf Hawaii
- Honolulu: die Hauptstadt auf Oʻahu mit dem ʻIolani-Palast, dem einzigen Königspalast auf dem Boden der USA
- Waikīkī: der berühmte Strandstadtteil Honolulus, mit dem Diamond Head im Hintergrund
- Pearl Harbor: Gedenkstätte USS Arizona und das Schlachtschiff USS Missouri („Mighty Mo“), auf dem Japan 1945 kapitulierte
- Hawaii Volcanoes National Park: auf Big Island, mit dem Kīlauea, einem der aktivsten Vulkane der Erde
- Haleakalā: der 3.055 Meter hohe Vulkan auf Maui, berühmt für Sonnenaufgänge über den Wolken
- Road to Hana: die Küstenstrasse auf Maui mit Hunderten Kurven, Dutzenden einspurigen Brücken und vielen Wasserfällen
- Nā Pali Coast und Waimea Canyon: Steilküste und Schlucht auf Kauaʻi
- Kona-Kaffee: an den Hängen der Vulkane Hualālai und Mauna Loa wachsen Kaffeesorten, die weltweit als Spezialität gelten
Urlaub auf Hawaii: praktische Tipps
Inselhüpfen
Die meisten Reisenden aus Europa besuchen zwei bis vier Inseln. Zwischen den Inseln fliegt man in 30 bis 50 Minuten; Fähren gibt es kaum. Pro Insel sollte man mindestens vier bis fünf Tage einplanen. Eine typische Kombination für zwei bis drei Wochen: Oʻahu für Stadt und Geschichte, Maui für Strände und Haleakalā, Big Island für die Vulkane, Kauaʻi für Natur und Wanderungen.
Anreise und Einreise
Direktflüge aus Europa gibt es nicht; umgestiegen wird meist in Los Angeles, San Francisco oder Seattle. Die gesamte Reisezeit liegt bei 18 bis 22 Stunden. Für die Einreise brauchen Deutsche, Österreicher und Schweizer eine elektronische Reisegenehmigung (ESTA), die vor Reiseantritt beantragt werden muss. Wer ein Surfbrett mitnehmen möchte, meldet es schon bei der Flugbuchung an.
Reisezeit und Klima
Hawaii ist ganzjährig warm, die Tagestemperaturen liegen meist zwischen 24 und 30 °C. Im Winter bringen Stürme im Nordpazifik riesige Wellen an die Nordküsten, von Dezember bis April sind Buckelwale vor den Inseln. Frühjahr und Herbst sind ruhiger und oft günstiger. Die Nordostseiten der Inseln fangen die Passatwinde und sind regenreich und grün, die Südwestseiten sonnig und trocken.
Mietwagen, Kosten, Umwelt
- Ausser in Honolulu ist ein Mietwagen fast unverzichtbar.
- Hawaii ist teuer: Unterkünfte, Lebensmittel und Aktivitäten kosten deutlich mehr als auf dem US-Festland. Hotels sollten für die Hochsaison früh reserviert werden.
- Sonnencremes mit Oxybenzon und Octinoxat sind verboten, weil sie Korallen schädigen.
- Meeresschildkröten und Hawaii-Mönchsrobben stehen unter Schutz; Abstand halten, nicht berühren.
Kultur und Sport
„Aloha“ ist mehr als ein Gruss – es steht für Freundlichkeit und Respekt. Zur Begrüssung bekommen Gäste oft einen Lei, eine Kette aus Blumen oder Blättern. Hula ist ein erzählender Tanz, keine blosse Show. Hawaiisch ist seit 1978 neben Englisch Amtssprache. Das Wellenreiten stammt von den Polynesiern; Missionare hatten es zeitweise verdrängt, bis der Olympiaschwimmer Duke Kahanamoku es Anfang des 20. Jahrhunderts weltweit bekannt machte. Seit 1981 ist Kailua-Kona auf Big Island Austragungsort der Ironman-Weltmeisterschaft.
Häufige Fragen
Wie viele Inseln hat Hawaii?
137 Inseln, Atolle und Riffe. Acht davon gelten als Hauptinseln, sechs sind für Besucher zugänglich.
Welche Hawaii-Insel eignet sich für den ersten Besuch?
Oʻahu bietet am meisten Abwechslung und die beste Infrastruktur, Maui die schönsten Strände. Wer Vulkane sehen will, muss nach Big Island.
Wann ist die beste Reisezeit für Hawaii?
April bis Mai und September bis Oktober: gutes Wetter, weniger Andrang, oft niedrigere Preise. Wer Wale sehen oder Surfprofis zuschauen will, reist im Winter.
Wie lange fliegt man nach Hawaii?
Mit Umstieg an der US-Westküste etwa 18 bis 22 Stunden ab Mitteleuropa.