Die Kanarischen Inseln gehören politisch zu Spanien, liegen geografisch aber vor der Küste Afrikas: zwischen rund 100 und 500 Kilometer westlich von Marokko und etwa 1.300 Kilometer vom spanischen Festland entfernt. Sieben große Inseln, eine kleine achte und mehrere unbewohnte Eilande bilden den Archipel. Jede Insel hat ihren eigenen Charakter – von den Sanddünen Fuerteventuras bis zu den Lorbeerwäldern La Gomeras.
Lage, Größe und Entstehung
Der Archipel erstreckt sich über knapp 500 Kilometer von Ost nach West und umfasst eine Landfläche von rund 7.450 Quadratkilometern. Auf den Inseln leben etwa 2,2 Millionen Menschen, die meisten davon auf Teneriffa und Gran Canaria.
Alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Sie entstanden über einem Hotspot im Erdmantel, über den sich die Afrikanische Platte langsam hinwegschiebt. Deshalb sind die östlichen Inseln die ältesten: Fuerteventura ist rund 20 Millionen Jahre alt, flach und stark abgetragen. El Hierro im Westen ist mit gut einer Million Jahren die jüngste Insel und noch steil und schroff. Vulkanisch aktiv sind die Kanaren bis heute – zuletzt brach 2021 auf La Palma der Tajogaite aus, 2011 gab es vor El Hierro einen untermeerischen Ausbruch.
Die Inseln im Überblick
Die vier größeren Inseln ziehen die meisten Urlauber an:
- Teneriffa – mit 2.034 km² die größte Insel, mit dem Teide (3.715 m) als höchstem Berg Spaniens.
- Fuerteventura – die zweitgrößte und älteste Insel, bekannt für lange helle Sandstrände und konstanten Wind.
- Gran Canaria – fast rund, mit den Dünen von Maspalomas im Süden und der größten Stadt der Kanaren, Las Palmas.
- Lanzarote – geprägt von den Lavafeldern des Timanfaya und den Bauten des Künstlers César Manrique.
Die drei westlichen, kleineren Inseln sind grüner, bergiger und deutlich ruhiger:
- La Palma – die „Isla Bonita“ mit der Caldera de Taburiente und einem der besten Sternenhimmel Europas.
- La Gomera – tief eingeschnittene Täler, der Lorbeerwald von Garajonay und die Pfeifsprache Silbo.
- El Hierro – die kleinste der sieben Hauptinseln, ein Ziel für Taucher und Wanderer.
Die achte Insel und die kleinen Eilande
Seit 2018 gilt La Graciosa offiziell als achte bewohnte Kanareninsel. Sie liegt nördlich von Lanzarote, hat rund 700 Einwohner und keine asphaltierten Straßen; Fähren fahren ab Órzola. Zusammen mit den unbewohnten Inseln Alegranza, Montaña Clara und einigen Felsen bildet sie den Chinijo-Archipel, ein Meeresschutzgebiet. Vor Corralejo auf Fuerteventura liegt die Isla de Lobos, die Tagesgäste nur mit vorab beantragter, kostenloser Genehmigung besuchen dürfen.
Welche Insel passt zu wem?
Badeurlaub mit viel Sonne: Fuerteventura und der Süden Gran Canarias haben die längsten Sandstrände. Auf Fuerteventura reichen die Playas de Sotavento und die Strände von Jandía kilometerweit, auf Gran Canaria sind es Maspalomas und Playa del Inglés.
Strand und Nachtleben: Playa del Inglés auf Gran Canaria sowie Playa de las Américas und Costa Adeje auf Teneriffa bieten die größte Auswahl an Hotels, Bars und Clubs.
Wandern: La Palma, La Gomera und der Norden Teneriffas mit dem Anaga-Gebirge und dem Teno-Massiv sind die besten Wanderziele. Die Fernwanderwege GR 130 (rund um die Inseln) und GR 131 (über die Inselkämme) verbinden viele Routen.
Wind- und Wassersport: Fuerteventura und Lanzarote sind Reviere für Windsurfer, Kitesurfer und Wellenreiter; El Médano auf Teneriffa gehört ebenfalls dazu. Taucher finden im Meeresschutzgebiet Mar de las Calmas vor El Hierro sehr klares Wasser.
Kunst und Landschaft: Lanzarote verbindet Vulkanlandschaft mit Architektur – Jameos del Agua, Mirador del Río und Jardín de Cactus stammen von César Manrique.
Ruhe: El Hierro und La Gomera haben kaum große Hotels, dafür Ferienhäuser, kleine Pensionen und Casas rurales.
Geschichte: von den Altkanariern bis heute
Die ersten Siedler kamen vermutlich im ersten Jahrtausend vor Christus aus Nordafrika. Sie waren mit den Berbern verwandt und lebten isoliert von Ackerbau, Ziegenhaltung und Fischfang. Auf Teneriffa hießen sie Guanchen, ein Name, der heute oft für alle Ureinwohner verwendet wird. Auf Gran Canaria sprach man von Canarios, auf La Palma von Benahoaritas, auf El Hierro von Bimbaches.
Die Eroberung durch Kastilien begann 1402 mit der Landung des Normannen Jean de Béthencourt auf Lanzarote und endete 1496 mit der Unterwerfung Teneriffas. Viele Ureinwohner wurden getötet oder als Sklaven verkauft, andere vermischten sich mit den Siedlern. Von ihren Sprachen sind nur Orts- und Personennamen geblieben. Ein Erbe hat überlebt: Der Silbo Gomero, die Pfeifsprache La Gomeras, wird heute an den Schulen der Insel unterrichtet und ist seit 2009 immaterielles Kulturerbe der UNESCO.
1492 legte Christoph Kolumbus in San Sebastián de La Gomera seinen letzten Zwischenstopp vor der Atlantiküberquerung ein. In den folgenden Jahrhunderten waren die Inseln Drehscheibe zwischen Europa, Afrika und Amerika. Zucker, später Wein, Cochenille und Bananen prägten die Wirtschaft. Viele Kanarier wanderten nach Kuba und Venezuela aus, weshalb es bis heute enge Verbindungen nach Lateinamerika gibt.
Politik, Verwaltung und Besonderheiten
Die Kanaren bilden eine der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens. Sie bestehen aus zwei Provinzen: Las Palmas (Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote, La Graciosa) und Santa Cruz de Tenerife (Teneriffa, La Palma, La Gomera, El Hierro). Der Sitz der Regierung wechselt zwischen den beiden Hauptstädten Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife. Jede Insel wird zusätzlich von einem eigenen Inselrat, dem Cabildo, verwaltet.
Steuerlich gelten Sonderregeln: Statt der spanischen Mehrwertsteuer wird die niedrigere kanarische Steuer IGIC erhoben. Die Inseln gehören zur EU und nutzen den Euro, liegen aber außerhalb des EU-Mehrwertsteuergebiets. Bei der Rückreise gelten deshalb Zollfreimengen, etwa für Tabak und Alkohol. Die Uhr geht auf den Kanaren eine Stunde hinter der mitteleuropäischen Zeit.
Klima: der ewige Frühling
Das milde Klima entsteht durch den Nordost-Passat und den kühlen Kanarenstrom. An den Küsten liegen die Tageshöchstwerte im Winter meist bei 20 bis 22 Grad, im Sommer bei 26 bis 29 Grad. Das Meer hat zwischen etwa 18 Grad im Frühjahr und 23 Grad im Spätsommer.
Die Passatwolken stauen sich an den Nordhängen der hohen Inseln. Deshalb sind die Nordseiten von Teneriffa, Gran Canaria, La Palma und La Gomera grün und feucht, die Südseiten trocken und sonnig. Die flachen Ostinseln Lanzarote und Fuerteventura bekommen kaum Regen.
Einige Tage im Jahr weht die Calima: heißer, staubiger Wind aus der Sahara. Dann trübt feiner Sand die Luft, die Temperaturen können auch an der Küste über 35 Grad steigen. In den Bergen wird es im Winter kalt – auf dem Teide und dem Roque de los Muchachos liegt manchmal Schnee.
Natur und Schutzgebiete
Vier der 16 spanischen Nationalparks liegen auf den Kanaren: Teide (Teneriffa), Timanfaya (Lanzarote), Caldera de Taburiente (La Palma) und Garajonay (La Gomera). Der Teide und Garajonay sind Weltnaturerbe der UNESCO. Alle Inseln sind ganz oder teilweise Biosphärenreservate.
Die Lorbeerwälder (Laurisilva) auf La Gomera, La Palma, im Anaga-Gebirge auf Teneriffa und in kleinen Resten auf Gran Canaria sind Überbleibsel eines Waldtyps, der vor Millionen Jahren weite Teile Südeuropas bedeckte. Viele Pflanzen und Tiere der Inseln kommen nur hier vor, etwa der Kanarische Drachenbaum, die Kanarische Kiefer und die Rieseneidechse von El Hierro.
Anreise und Inselhopping
Von Deutschland, Österreich und der Schweiz dauert der Flug etwa vier bis fünf Stunden. Direktflüge gibt es vor allem nach Teneriffa (Süd), Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura, saisonal auch nach La Palma. La Gomera und El Hierro erreicht man über Teneriffa oder Gran Canaria.
Zwischen den Inseln fliegen Binter und Canaryfly. Fähren von Fred. Olsen und Naviera Armas verbinden die Inseln ebenfalls; wichtige Häfen sind Los Cristianos (nach La Gomera und El Hierro), Agaete (Gran Canaria–Teneriffa), Corralejo und Playa Blanca (Fuerteventura–Lanzarote). Für die Einreise genügt EU-Bürgern und Schweizern der Personalausweis, das EU-Roaming gilt.
Häufige Fragen
Wie viele Kanarische Inseln gibt es?
Es gibt sieben große bewohnte Inseln und seit 2018 offiziell La Graciosa als achte. Dazu kommen unbewohnte Eilande wie Alegranza, Montaña Clara und die Isla de Lobos.
Welche Kanareninsel hat das wärmste Wetter im Winter?
Am sonnigsten und trockensten sind im Winter die Südküsten von Gran Canaria und Teneriffa sowie Fuerteventura. Die Temperaturen unterscheiden sich an den Küsten nur um ein bis zwei Grad, Wolken und Regen dagegen deutlich.
Gehören die Kanaren zur EU?
Ja. Die Inseln sind Teil Spaniens und der EU, es gilt der Euro. Sie liegen aber außerhalb des EU-Mehrwertsteuergebiets, deshalb gelten bei der Rückreise Zollfreimengen.
Kann man mehrere Inseln in einem Urlaub besuchen?
Ja, mit Inlandsflügen oder Fähren. Gut kombinierbar sind Teneriffa mit La Gomera, Lanzarote mit Fuerteventura oder La Graciosa sowie Gran Canaria mit Teneriffa.