Elba liegt nur eine Fährstunde vor der Toskana und bietet auf engem Raum viel: weiße Kieselbuchten und Sandstrände, einen Berg mit über 1.000 Metern, alte Bergwerke, Medici-Festungen und die Residenzen Napoleons, der hier knapp zehn Monate im Exil lebte.

Elba in Kürze

Elba ist mit rund 224 Quadratkilometern die drittgrößte Insel Italiens nach Sizilien und Sardinien und die größte des Toskanischen Archipels. Zum Festland bei Piombino sind es nur etwa zehn Kilometer. Die Küste ist rund 150 Kilometer lang, gesäumt von über hundert Stränden und Buchten. Auf der Insel leben etwa 32.000 Menschen in sieben Gemeinden: Portoferraio, Campo nell’Elba, Capoliveri, Marciana, Marciana Marina, Porto Azzurro und Rio. Große Teile der Insel und des Meeres gehören zum Nationalpark Toskanischer Archipel.

Seit der Antike war Elba für sein Eisenerz bekannt. Etrusker und Römer schmolzen es hier, der Bergbau endete erst im 20. Jahrhundert. Heute lebt die Insel vor allem vom Tourismus, ohne dass Hochhäuser die Küste prägen.

Napoleon auf Elba

Nach seiner Abdankung wurde Napoleon im Mai 1814 als Herrscher des kleinen Fürstentums Elba auf die Insel verbannt. Er blieb nicht untätig: Er ließ Straßen bauen, den Bergbau neu organisieren und Landwirtschaft fördern. In Portoferraio wohnte er in der Palazzina dei Mulini, hoch über dem Meer zwischen den beiden Festungen. Als Sommersitz ließ er die Villa San Martino im Hügelland südwestlich der Stadt ausbauen. Beide Häuser sind heute Museen. Im Februar 1815 floh Napoleon mit einer kleinen Flotte aufs Festland und begann seine „Herrschaft der Hundert Tage“, die in Waterloo endete. In Portoferraio erinnert jedes Jahr am 5. Mai eine Messe an seinen Todestag.

Orte

Portoferraio

Die Hauptstadt ist mehr als ein Fährhafen. Cosimo I. de‘ Medici ließ sie ab 1548 als befestigte Stadt „Cosmopoli“ anlegen, mit den Festungen Forte Stella und Forte Falcone über dem Hafen. Treppengassen führen von der Darsena, dem halbrunden alten Hafen, hinauf zu den Bastionen und zur Palazzina dei Mulini.

Porto Azzurro

Der hübsche Hafenort an der Ostküste liegt in einer geschützten Bucht. Über ihm thront die spanische Festung Forte Longone aus dem 17. Jahrhundert, die heute als Gefängnis dient. Am Hafen reihen sich Cafés und Restaurants, abends ist die Piazza voller Leben.

Capoliveri

Das Bergdorf im Südosten liegt auf einem Hügel mit Blick auf zwei Buchten. Die Umgebung, vor allem der Monte Calamita, war von Eisenerzminen geprägt. Heute führen Touren mit Geländewagen oder Mountainbike durch die rot und violett gefärbten Abbaugebiete.

Rio Marina

Im Osten war das Zentrum des Bergbaus. Das Mineralienmuseum und der Parco Minerario zeigen Hämatit-, Pyrit- und andere Kristalle. Mit einem Bähnchen geht es in die ehemaligen Tagebaue, wo Besucher selbst nach Mineralien suchen können.

Marciana und Marciana Marina

Marciana Alta am Hang des Monte Capanne gilt als ältestes Dorf der Insel, mit engen Gassen und einer Pisaner Festung. Ein Fußweg führt durch Kastanienwald zum Wallfahrtsort Madonna del Monte, wo Napoleon im Sommer 1814 einige Wochen verbrachte. Unten am Meer liegt Marciana Marina mit Promenade und einem alten Wachturm am Hafen.

Marina di Campo

Der Ort im Süden hat einen der längsten Sandstrände Elbas, eine Promenade und einen kleinen Fischerhafen. Hier liegt auch der kleine Flughafen der Insel.

Strände

Elbas Strände sind sehr unterschiedlich. Bei Portoferraio liegen Capo Bianco und Sansone mit weißen Kieseln und hellen Felsen, das Wasser ist hier besonders klar. An der Nordküste bieten Biodola und Procchio weiche Sandbuchten. Im Südwesten prägen Granitfelsen die Buchten von Fetovaia, Cavoli und Seccheto, das Meer leuchtet türkis. Lacona im Süden ist ein langer, flach abfallender Sandstrand mit Dünen und gut für Familien geeignet. Die kleine Bucht Innamorata bei Capoliveri ist Schauplatz einer Legende über zwei Liebende, an die jedes Jahr im Juli ein Fackelzug erinnert. In der Hochsaison sind die Parkplätze an vielen Stränden früh belegt oder kostenpflichtig.

Monte Capanne und Wandern

Der Monte Capanne ist mit 1.019 Metern der höchste Berg Elbas. Von Marciana fährt eine Korbseilbahn (Cabinovia) auf den Gipfel: Man steht zu zweit in offenen, gelben Körben und schwebt rund 20 Minuten über den Hang. Oben reicht der Blick über die ganze Insel, bei klarer Sicht bis Korsika und zum toskanischen Festland. Zu Fuß dauert der Aufstieg ab Marciana etwa zwei bis drei Stunden.

Die Grande Traversata Elbana (GTE) führt in mehreren Etappen über die Bergkämme von Cavo im Osten bis Pomonte im Westen. Viele weitere markierte Wege verbinden Dörfer, Kapellen und Aussichtspunkte. Elba ist zudem ein beliebtes Ziel für Mountainbiker, besonders im Frühjahr und Herbst.

Küche und Wein

Das bekannteste Produkt der Insel ist der Aleatico Passito dell’Elba, ein süßer Rotwein aus getrockneten Trauben mit eigener Herkunftsbezeichnung. Er gehört auch in die Schiaccia briaca, den „betrunkenen“ Kuchen mit Pinienkernen, Mandeln und Rosinen. In den Fischrestaurants gibt es Cacciucco, eine kräftige Fischsuppe mit geröstetem Brot, und Stoccafisso alla riese, Stockfisch nach Art von Rio. Gurguglione ist ein Schmorgericht aus Sommergemüse.

Unter Wasser und auf dem Wasser

Die Gewässer um Elba sind klar und fischreich, weil große Teile zum Nationalpark gehören. Taucher finden an der Westküste bei Pomonte das Wrack des Frachters Elviscot in nur etwa zwölf Metern Tiefe, das auch Schnorchler von der Oberfläche sehen. Rund um Capo Bianco, Capo di Sant’Andrea und die Felsen von Fetovaia lohnt sich eine Taucherbrille. Segler und Kajakfahrer umrunden die Küste in Tagesetappen, Bootsverleihe gibt es in fast jedem Hafen. Ab Portoferraio und Marina di Campo fahren Ausflugsboote zu den Buchten, die über Land schwer zu erreichen sind, und nach Pianosa, einer flachen Nachbarinsel mit ehemaligem Gefängnis, die nur mit begrenzter Besucherzahl betreten werden darf.

Reisezeit

Juni und September sind ideal: warmes Wasser, weniger Andrang, günstigere Fähren. Im August ist Elba voll, vor allem mit italienischen Familien. Frühling und Herbst eignen sich für Wanderungen und Radtouren, im Winter haben viele Hotels und Restaurants geschlossen.

Anreise

Die meisten Urlauber kommen mit der Fähre ab Piombino nach Portoferraio, die Überfahrt dauert etwa eine Stunde. Weitere Fähren fahren nach Rio Marina, schnelle Passagierschiffe in rund einer halben Stunde nach Cavo. In der Hochsaison, vor allem an Samstagen im Juli und August, sollten Tickets für Autos vorab gebucht werden. Der kleine Flughafen bei Marina di Campo wird nur von wenigen Linien bedient, meist mit kleinen Maschinen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Fähre nach Elba?

Von Piombino nach Portoferraio etwa eine Stunde, nach Cavo mit dem Schnellboot rund 30 Minuten.

Welche Strände auf Elba eignen sich für Kinder?

Lacona, Marina di Campo, Biodola und Procchio mit Sand und flach abfallendem Wasser.

Wie lange lebte Napoleon auf Elba?

Knapp zehn Monate, von Mai 1814 bis Februar 1815. Seine Residenzen in Portoferraio und San Martino sind zu besichtigen.

Braucht man auf Elba ein Auto?

Es ist praktisch, aber nicht zwingend. Busse verbinden die Orte, viele Urlauber mieten vor Ort Roller oder E-Bikes.