Gran Canaria ist mit rund 1.560 Quadratkilometern die drittgrößte Kanareninsel und hat etwa 870.000 Einwohner. Fast die Hälfte davon lebt in Las Palmas de Gran Canaria, der größten Stadt des Archipels. Weil sich auf der fast kreisrunden Insel Dünen, Kiefernwälder, Schluchten und Gipfel auf engem Raum abwechseln, wird sie oft „Miniaturkontinent“ genannt.

Gran Canaria im Überblick

Die Insel steigt von allen Seiten zu einem zentralen Bergland an, dessen höchster Punkt, der Pico de las Nieves, 1.949 Meter erreicht. Von dort ziehen tiefe Schluchten, die Barrancos, strahlenförmig zur Küste. Der Norden ist feuchter und grüner, der Süden trocken und fast immer sonnig. Seit 2005 ist fast die Hälfte der Insel Biosphärenreservat der UNESCO, vor allem das Bergland und der wilde Westen.

Gran Canaria gehört zur Provinz Las Palmas. Die Hauptstadt teilt sich mit Santa Cruz de Tenerife die Rolle als Regierungssitz der Kanaren. Wirtschaftlich leben die Menschen vom Tourismus, vom Hafen Puerto de la Luz – einem der wichtigsten Häfen im Atlantik – und von Dienstleistungen.

Der Süden: Sonne, Dünen, Ferienorte

Die meisten Urlauber wohnen im Süden, in der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana und in Mogán. Ihr Zentrum sind die Dünen von Maspalomas, ein Naturschutzgebiet von rund 400 Hektar mit bis zu 20 Meter hohen Sandbergen, einem Palmenhain und der Lagune La Charca. Am Leuchtturm Faro de Maspalomas beginnt eine lange Strandpromenade.

Östlich schließen Playa del Inglés mit großen Hotelanlagen, Einkaufszentren und viel Nachtleben sowie das ruhigere San Agustín an. Nach Westen folgen Meloneras mit neueren Hotels, Arguineguín mit Fischerhafen und die geschützten Buchten Amadores und Puerto Rico. Ganz im Westen liegt Puerto de Mogán, ein Hafenort mit Kanälen und blumengeschmückten, weiß-bunten Häusern, den man deshalb „Klein-Venedig“ nennt. Freitags ist dort Wochenmarkt.

Las Palmas de Gran Canaria

Die Stadt wurde 1478 gegründet und ist heute mit rund 380.000 Einwohnern die neuntgrößte Stadt Spaniens. Die Altstadt Vegueta mit Kopfsteinpflaster und Kolonialhäusern ist ihr historisches Herz. Hier stehen die Kathedrale Santa Ana, deren Turm man mit einem Aufzug besteigen kann, und die Casa de Colón, ein Museum über Kolumbus und die Verbindung der Kanaren nach Amerika. Das Museo Canario zeigt Funde der Ureinwohner, darunter Mumien und Keramik.

Nördlich schließt das Einkaufsviertel Triana an. Im Norden der Stadt liegt die Playa de Las Canteras, ein drei Kilometer langer Stadtstrand. Das vorgelagerte Riff La Barra bricht die Wellen, sodass man an großen Teilen des Strandes ruhig schwimmen und schnorcheln kann. Am Parque Santa Catalina und rund um den Hafen ist abends viel los; im Februar ist die Stadt Schauplatz eines großen Karnevals.

Das Bergland

Im Zentrum der Insel liegt der Roque Nublo, ein 80 Meter hoher Felsmonolith auf 1.813 Metern Höhe und das Wahrzeichen der Insel. Ein etwa 1,5 Kilometer langer Weg führt vom Parkplatz an der Straße GC-600 hinauf. Tagsüber ist der Zugang nur mit kostenloser Online-Reservierung erlaubt, um den Andrang zu begrenzen.

Vom Pico de las Nieves reicht der Blick bei klarer Sicht bis zum Teide auf Teneriffa. Das Bergdorf Tejeda gehört zum Verband der schönsten Dörfer Spaniens und ist für Mandelgebäck wie Bienmesabe und Mazapán bekannt; im Januar und Februar blühen hier die Mandelbäume. In Artenara, dem höchstgelegenen Ort der Insel, wohnen Menschen noch in Höhlenhäusern, und sogar die Kapelle ist in den Fels gehauen.

Nahe Artenara liegt Risco Caído, eine Höhlensiedlung der Altkanarier. Die Landschaft mit ihren heiligen Bergen und Höhlentempeln ist seit 2019 Welterbe der UNESCO. Im Osten führt der Barranco de Guayadeque bei Agüimes tief ins Gebirge; dort gibt es Höhlenwohnungen, eine Höhlenkapelle und Restaurants im Fels.

Der Norden

Teror ist der wichtigste Wallfahrtsort der Insel. In der Basilika Nuestra Señora del Pino wird die Schutzpatronin Gran Canarias verehrt, und die Häuser rund um die Kirche tragen typische Holzbalkone. Sonntags findet ein Markt statt. Arucas ist bekannt für die neugotische Kirche San Juan Bautista aus dunklem Basalt und die Rumbrennerei Arehucas, die Besichtigungen anbietet.

In Gáldar, der alten Hauptstadt der Ureinwohner, zeigt der Museums- und Archäologiepark Cueva Pintada eine Höhle mit geometrischen Wandmalereien und ein ausgegrabenes Dorf. Agaete mit dem Hafenort Puerto de las Nieves liegt an der Nordwestküste; im Tal von Agaete wird sogar Kaffee angebaut. Von hier fährt die Fähre nach Teneriffa.

Anreise und Unterwegs

Der Flughafen Gran Canaria (LPA) liegt an der Ostküste bei Telde, etwa 20 Minuten von Las Palmas und 25 Minuten von Playa del Inglés entfernt. Die Autobahn GC-1 verbindet die Hauptstadt mit dem Süden bis Puerto de Mogán. Die blauen Busse von Global fahren alle größeren Orte an, zwischen Flughafen, Las Palmas und dem Süden in dichtem Takt. Ins Bergland fahren wenige Linien; hier ist ein Mietwagen praktisch. Die Straßen sind kurvig und schmal, für kurze Strecken sollte man deutlich mehr Zeit einplanen als die Kilometerzahl vermuten lässt.

Wer Teneriffa besuchen möchte, nimmt die Fähre von Agaete nach Santa Cruz de Tenerife (etwa 80 Minuten) oder einen Inlandsflug.

Beste Reisezeit

Im Süden liegen die Tageshöchstwerte im Winter bei etwa 22 Grad, im Sommer bei 27 bis 29 Grad. Las Palmas ist im Sommer oft von einer Wolkendecke überzogen, die Einheimische „Panza de burro“ (Eselsbauch) nennen, während im Süden die Sonne scheint. Für Wanderungen im Bergland sind Oktober bis Mai am besten; im Winter kann es in den Höhenlagen nachts sehr kalt werden.

Wandern

Gran Canaria hat ein dichtes Netz alter Verbindungswege, der „Caminos Reales“. Der Camino de Santiago de Gran Canaria führt in drei Etappen von den Dünen von Maspalomas über Tunte und Tejeda nach Gáldar. Beliebt sind außerdem die Runde um den Roque Nublo, der Aufstieg auf den Pico de las Nieves und Wanderungen im Tamadaba-Kiefernwald bei Artenara. Informationen und Karten gibt das Cabildo auf seinem Wanderportal heraus.

Essen und Trinken

Typisch sind Papas arrugadas, in Salzwasser gekochte Schrumpelkartoffeln mit rotem und grünem Mojo. Aus Santa María de Guía stammt der Queso de flor, ein Käse, der mit Artischockenblüten gelabt wird. Gofio – geröstetes Mehl aus Mais oder Weizen – wird in Suppen, Nachspeisen und zum Frühstück gegessen. Aus Arucas kommt der Rum Arehucas; beliebt ist auch der süße Honigrum (Ron Miel).

Häufige Fragen

Wo ist es auf Gran Canaria am sonnigsten?

Im Süden zwischen San Agustín und Puerto de Mogán. Las Palmas und der Norden sind öfter bewölkt, vor allem im Sommer.

Braucht man für den Roque Nublo eine Reservierung?

Tagsüber ja. Die Reservierung ist kostenlos und erfolgt online über das Wanderportal des Cabildo; man erhält einen QR-Code für ein Zeitfenster.

Kann man in Las Palmas Badeurlaub machen?

Ja. Die Playa de Las Canteras ist durch ein Riff geschützt und ganzjährig gut zum Schwimmen. Das Wetter ist allerdings wechselhafter als im Süden.

Wie kommt man von Gran Canaria nach Teneriffa?

Mit der Fähre von Agaete nach Santa Cruz de Tenerife oder mit Binter vom Flughafen Gran Canaria nach Teneriffa-Nord.

Ausflugsziele im Detail stellt der Beitrag Sehenswürdigkeiten auf Gran Canaria vor.