Island ist ausserhalb der Hauptstadt dünn besiedelt, und entsprechend knapp sind Hotelbetten im Sommer. Wer weiss, welche Unterkunftsarten es gibt, wo man auf einer Rundreise am besten übernachtet und wann man buchen sollte, spart Geld und vermeidet lange Umwege.
Unterkunftsarten in Island
Stadthotels in Reykjavík und Akureyri
Die meisten Hotels des Landes stehen im Grossraum Reykjavík, dazu kommen Kópavogur und Hafnarfjörður direkt nebenan sowie Akureyri im Norden. Das Angebot reicht vom einfachen Mittelklassehaus bis zum Designhotel. Standard sind eigenes Bad und Frühstücksbuffet. Stadthotels eignen sich als Basis für Tagesausflüge zum Golden Circle, an die Südküste oder zur Walbeobachtung – man packt nur einmal aus und hat Restaurants vor der Tür.
Landhotels und Bauernhöfe
Entlang der Ringstrasse sind Landhotels und Unterkünfte auf Bauernhöfen die wichtigste Übernachtungsform. Viele Höfe haben Gästezimmer oder kleine Hütten eingerichtet, oft mit Blick auf Gletscher oder Meer. Weil es zwischen den Orten kaum Restaurants gibt, servieren die meisten Häuser auch Abendessen, häufig mit Lamm, Fisch und Gemüse aus der Region. Abends ist es dunkel und ruhig – ideal, um im Winter Nordlichter zu sehen.
Gästehäuser
Gästehäuser (gistiheimili) sind kleiner und günstiger als Hotels. Zimmer mit Gemeinschaftsbad sind hier üblich, Zimmer mit eigenem Bad kosten mehr. Oft gibt es eine Gästeküche. Für Reisende mit kleinerem Budget sind Gästehäuser der beste Kompromiss aus Preis und Komfort.
Sommerhotels in Schulen
In ländlichen Regionen werden Schul- und Internatsgebäude in den Sommerferien als Hotels genutzt. Die Zimmer sind schlicht, oft gibt es daneben Schlafsackplätze in Klassenräumen. Die Häuser liegen häufig neben einem Schwimmbad, weil viele Schulen in Island zugleich Sport- und Badezentren des Ortes sind. Die Zahl dieser Sommerhotels ist allerdings begrenzt.
Ferienhäuser
Ferienhäuser (sumarbústaður) sind bei Isländern selbst sehr beliebt und stehen oft in kleinen Siedlungen am Waldrand oder an einem See. Sie haben eine eigene Küche, viele auch einen Hot Pot auf der Terrasse. Da Essen gehen in Island teuer ist, spart die eigene Küche viel Geld. Der Nachteil: Viele Häuser vermieten nur für mehrere Nächte oder wochenweise, und sie liegen abseits. Für eine Rundreise mit täglichem Ortswechsel eignen sie sich kaum, für einen Aufenthalt mit Tagesausflügen in einer Region dagegen sehr.
Hostels
Hostels gibt es in Reykjavík, Akureyri und in vielen Orten an der Ringstrasse. Neben Schlafsälen bieten die meisten auch Doppelzimmer an. Gemeinschaftsküche und Aufenthaltsraum gehören dazu. Wer einen eigenen Schlafsack mitbringt, zahlt bei manchen Häusern weniger.
Berghütten im Hochland
Im Hochland sind Hütten die einzige feste Unterkunft. Der isländische Wanderverband Ferðafélag Íslands und andere Vereine betreiben Hütten mit Matratzenlagern, Küche und einfachen Sanitäranlagen, etwa entlang des Wanderwegs Laugavegur zwischen Landmannalaugar und Þórsmörk. Die Plätze sind begrenzt und müssen für die Sommersaison früh reserviert werden. Schlafsack und Verpflegung bringt man selbst mit.
Camping und Campervan
Die meisten Campingplätze öffnen etwa von Mitte Mai bis Mitte September, einige wenige ganzjährig. Sie bieten Toiletten, Duschen und oft einen Küchenraum. Seit 2015 dürfen Wohnmobile, Campervans und Wohnwagen nur noch auf Campingplätzen oder mit Erlaubnis des Grundbesitzers übernachten; wildes Übernachten am Strassenrand ist verboten und wird mit Bussgeldern geahndet. Ein Campervan ist Fahrzeug und Unterkunft zugleich und macht flexibel – im Frühjahr und Herbst sind die Nächte darin aber kalt, und bei Sturm schaukelt das Fahrzeug spürbar.
Welche Unterkunft passt zu welcher Reise?
- Städtereise mit Ausflügen: Stadthotel oder Apartment in Reykjavík.
- Rundreise auf der Ringstrasse: Landhotels, Bauernhöfe und Gästehäuser mit festen Etappen.
- Familie oder Gruppe mit festem Standort: Ferienhaus mit Küche, zum Beispiel am Golden Circle oder in Nordisland.
- Kleines Budget: Hostels, Gästehäuser mit Gemeinschaftsbad, Campingplätze.
- Trekking: Berghütten und Zeltplätze im Hochland.
Wo in Island übernachten: Regionen im Überblick
Reykjavík
Die Innenstadt mit der Postleitzahl 101 ist die beste Lage für Reisende ohne Auto: Hallgrímskirkja, Hafen, Restaurants und Abfahrtsstellen der Touranbieter liegen zu Fuss erreichbar. Wer sehr früh abfliegt, übernachtet in Keflavík oder Reykjanesbær nahe dem Flughafen und spart sich die Fahrt von 45 bis 60 Minuten am Morgen.
Golden Circle
Selfoss ist der grösste Ort im Süden, mit Supermärkten und einer breiten Auswahl an Unterkünften. Hveragerði liegt in einem Tal voller heisser Quellen, Flúðir ist für seine Gewächshäuser und ein altes Naturbad bekannt. Rund um Laugarvatn, Geysir und Flúðir gibt es viele Ferienhäuser.
Südküste
Hella und Hvolsvöllur sind gute Stationen für Seljalandsfoss, Skógafoss und Ausflüge nach Þórsmörk. Vík ist der zentrale Ort an der Südküste und im Sommer schnell ausgebucht. Zwischen Kirkjubæjarklaustur und Höfn liegen Skaftafell und Jökulsárlón – dazwischen gibt es nur wenige Unterkünfte, die entsprechend früh belegt sind. Höfn ist bekannt für seine Hummer (eigentlich Kaisergranat).
Osten
Egilsstaðir ist das Versorgungszentrum des Ostens mit Flughafen. Seyðisfjörður, erreichbar über einen Pass, ist ein farbenfroher Fjordort mit Künstlerszene und Anlegestelle der Fähre aus Dänemark.
Norden
Am Mývatn übernachtet man nahe an Dimmuborgir, Hverir und dem Thermalbad. Húsavík ist ideal für eine Walbeobachtung am Morgen. Akureyri bietet die grösste Auswahl im Norden und eignet sich für mehrere Nächte mit Tagesausflügen zu Goðafoss, Mývatn und Dettifoss.
Snæfellsnes und Westfjorde
Auf Snæfellsnes sind Grundarfjörður am Kirkjufell und Stykkishólmur gute Standorte. Von Stykkishólmur fährt die Fähre über den Breiðafjörður in die Westfjorde. Dort ist Ísafjörður der wichtigste Ort; ausserhalb gibt es vor allem kleine Gästehäuser und Bauernhöfe, oft mit grossen Abständen dazwischen.
Buchungstipps für Island
- Früh buchen: Für Juni bis August mehrere Monate im Voraus buchen, besonders an Engstellen wie Vík, der Südostküste zwischen Skaftafell und Höfn und am Mývatn.
- Etappen realistisch planen: 150 bis 300 Kilometer pro Tag reichen, denn Fotostopps, Wanderungen und Wetter kosten Zeit. Die Ringstrasse lässt sich in Etappen wie Reykjavík – Vík – Höfn – Egilsstaðir – Mývatn – Akureyri – Snæfellsnes – Reykjavík einteilen.
- Stornobedingungen prüfen: Flexible Tarife kosten mehr, lohnen sich aber, weil Stürme und Strassensperren Pläne kurzfristig ändern können – im Winter besonders.
- Verpflegung einplanen: Auf dem Land prüfen, ob die Unterkunft Abendessen anbietet oder ein Restaurant in der Nähe liegt. Supermärkte gibt es nur in grösseren Orten.
- Nordlicht-Weckdienst: Viele Landhotels wecken ihre Gäste auf Wunsch, wenn nachts Polarlichter erscheinen.
- Küche nutzen: Unterkünfte mit Gästeküche senken die Reisekosten deutlich.
- Übernachtungssteuer: Auf jede Übernachtung wird eine Steuer pro Zimmer oder Stellplatz erhoben; sie ist nicht immer im angezeigten Preis enthalten.
- Bettwäsche: In Hütten, Hostels und einfachen Gästehäusern kostet Bettwäsche manchmal extra; mit eigenem Schlafsack ist man günstiger dran.
Häufige Fragen
Wann sollte man Unterkünfte für Island buchen?
Für die Hauptsaison von Juni bis August möglichst sechs bis neun Monate vorher, für Hochlandhütten noch früher. Im Winter reichen meist einige Wochen, ausser über Weihnachten und Neujahr.
Kann man in Island ohne Vorbuchung reisen?
Im Sommer ist das riskant: An der Südküste und am Mývatn sind abends oft alle Betten belegt, und die nächste freie Unterkunft kann über 100 Kilometer entfernt sein. In der Nebensaison ist spontanes Reisen einfacher.
Ist Wildcampen in Island erlaubt?
Mit Wohnmobil, Campervan oder Wohnwagen nicht: Übernachtet werden darf nur auf Campingplätzen oder mit Zustimmung des Grundbesitzers. Für Zelte gelten ebenfalls enge Regeln; am einfachsten ist auch hier der Campingplatz.
Lohnt sich Halbpension auf dem Land?
Oft ja. Ausserhalb der Orte gibt es kaum Restaurants, und das Abendessen im Landhotel erspart lange Fahrten am Abend.