Ibiza steht für Clubs, DJs und durchtanzte Nächte. Doch die Insel hat eine Altstadt mit Welterbe-Status, einen grünen, stillen Norden, Hippiemärkte und Buchten, in denen man den Sonnenuntergang ohne Bass erlebt.
Ibiza in Kürze
Ibiza (katalanisch Eivissa) ist mit rund 570 Quadratkilometern die drittgrößte Insel der Balearen und liegt etwa 90 Kilometer vor der spanischen Küste bei Dénia. Zusammen mit Formentera bildet sie die Pityusen, die „Pinieninseln“. Auf Ibiza leben rund 160.000 Menschen. Die Landschaft ist hügelig und von Kiefernwäldern, Feldern mit Mandel-, Oliven- und Johannisbrotbäumen und weiß gekalkten Bauernhäusern geprägt.
Seit den 1960er-Jahren kamen erst Hippies, dann immer mehr Urlauber, seit den 1980er-Jahren vor allem wegen der Clubs. Ibiza war zudem früh ein offenes Reiseziel für Schwule und Lesben – zu einer Zeit, als das anderswo in Spanien noch keine Selbstverständlichkeit war. Die Bars in Sa Penya und der Strand Es Cavallet sind bis heute Treffpunkte der Szene.
Die fünf Gemeinden
Eivissa (Ibiza-Stadt)
Die Hauptstadt liegt an der Südostküste. Über dem Hafen thront die befestigte Altstadt Dalt Vila, unterhalb liegt das ehemalige Fischerviertel Sa Penya mit engen Gassen und Bars. Gegenüber, an der Marina Botafoch, ankern die großen Yachten. Die Einheimischen nennen die Stadt oft einfach „Vila“.
Sant Antoni de Portmany
Der Ort an der Westküste hat zwei Gesichter: das West End mit Bars und Diskotheken und die Promenade Sunset Strip, an der seit den 1980er-Jahren im Café del Mar der Sonnenuntergang mit Musik gefeiert wird. Wenige Kilometer nördlich liegt die ruhige Cala Salada.
Santa Eulària des Riu
Die Gemeinde im Osten ist ruhiger und bei Familien beliebt. Auf dem Hügel Puig de Missa steht eine weiße Wehrkirche aus dem 16. Jahrhundert, in die sich die Bewohner früher bei Piratenangriffen flüchteten. Durch den Ort fließt der Riu de Santa Eulària, der als einziger Fluss der Balearen gilt.
Sant Joan de Labritja
Der Norden ist grün, dünn besiedelt und bergig. Hier liegen die Ferienorte Portinatx und Cala de Sant Vicent sowie die Buchten Benirràs und Cala Xarraca. Viele Fincas haben sich in Landhotels verwandelt.
Sant Josep de sa Talaia
Die flächengrößte Gemeinde umfasst den Südwesten mit dem höchsten Berg Sa Talaia (475 m), den Salinen und der Cala d’Hort. Von dort blickt man auf den Felsen Es Vedrà, der rund 400 Meter aus dem Meer ragt und um den sich viele Legenden ranken.
Nachtleben
Die großen Clubs liegen zwischen Ibiza-Stadt, Sant Rafel und der Platja d’en Bossa. Pacha in Ibiza-Stadt gibt es seit 1973, sein Logo mit den zwei Kirschen kennt man weltweit. Amnesia und Privilege stehen in Sant Rafel im Inselinneren. Privilege, früher Ku, gilt laut Guinness-Buch als größter Club der Welt. An der Platja d’en Bossa liegen Ushuaïa mit Open-Air-Bühne am Pool und Hï Ibiza.
Die Clubsaison läuft ungefähr von Mai bis Oktober, eröffnet und beendet mit großen Opening- und Closing-Partys. Eintrittskarten werden meist online verkauft, an der Abendkasse ist es teurer. Nachts fahren Discobusse zwischen den Clubs und den großen Ferienorten. Im West End von Sant Antoni gelten strenge Regeln gegen Alkohol auf der Straße.
Strände
Ses Salines und Es Cavallet im Süden liegen im Naturpark Ses Salines zwischen Salzfeldern und Dünen. In den Salinenbecken sind zeitweise Flamingos zu sehen. Cala Comte an der Westküste hat flache Felsen, sehr klares Wasser und ist abends einer der beliebtesten Orte für den Sonnenuntergang. Cala Salada nördlich von Sant Antoni liegt zwischen Pinien, die Zufahrt ist im Sommer beschränkt.
Im Norden treffen sich an der Bucht von Benirràs sonntags zum Sonnenuntergang Trommler, eine Tradition aus der Hippiezeit. Die kleine Cala Xarraca ist steinig und gut zum Schnorcheln. Aigües Blanques an der Ostküste liegt unter einer hohen Steilküste, abgeschieden und naturbelassen.
Märkte und Hippie-Erbe
In den 1960er-Jahren ließen sich Aussteiger aus ganz Europa und den USA auf Ibiza nieder. Ihre Spuren sind vor allem im Nordosten zu finden. Der Hippiemarkt Punta Arabí in Es Canar findet in der Saison jeden Mittwoch statt, mit Schmuck, Kleidung und Kunsthandwerk. Samstags öffnet der Markt Las Dalias in Sant Carles de Peralta, ein Gelände mit Ständen, Musik und Café. Das Dorf Sant Carles selbst mit seiner weißen Kirche und der Bar Anita gehört zu den ursprünglichsten Orten der Insel.
Kultur und Welterbe
Seit 1999 steht „Ibiza, Biodiversität und Kultur“ auf der UNESCO-Welterbeliste. Dazu gehören vier Teile:
- Dalt Vila: die Altstadt mit ihren Renaissance-Befestigungen aus dem 16. Jahrhundert, Kathedrale und Aussicht über Hafen und Meer.
- Puig des Molins: eine phönizisch-punische Nekropole mit Tausenden Gräbern, dazu ein Museum.
- Sa Caleta: die Reste einer phönizischen Siedlung an der Südküste.
- Posidonia-Wiesen: die Seegraswiesen zwischen Ibiza und Formentera. Sie halten den Sand an den Stränden und sorgen für das klare Wasser. Deshalb ist Ankern auf den Wiesen verboten.
Mehr Ziele stehen bei den Sehenswürdigkeiten auf Ibiza.
Küche der Insel
Die ibizenkische Küche ist einfach und kräftig. Bullit de peix ist ein Fischeintopf, zu dem anschließend Reis in der Brühe serviert wird (arròs a banda). Sofrit pagès, ein Bauerntopf aus Lamm, Huhn und Wurst, gibt es vor allem an Festtagen. Zum Dessert kommen Flaó, ein Käsekuchen mit Minze, und Greixonera, ein Pudding aus altbackenen Ensaïmadas. Nach dem Essen wird oft Hierbas Ibicencas gereicht, ein Kräuterlikör mit Anis. Das Salz aus den Salinen von Ses Salines ist ein beliebtes Mitbringsel.
Reisezeit und Unterkunft
Baden kann man von Juni bis Oktober. Juli und August sind die heißesten, vollsten und teuersten Monate, besonders an Wochenenden mit großen Club-Events. Mai, Juni und September sind angenehm warm und ruhiger. Im Winter schließen viele Hotels und Restaurants, Ibiza-Stadt und Santa Eulària bleiben aber bewohnt und lebendig.
Wer ausgehen will, wohnt in Ibiza-Stadt, an der Platja d’en Bossa oder in Sant Antoni. Familien bevorzugen Santa Eulària, Es Canar oder Portinatx. Ruhesuchende finden im Norden und im Inselinneren Landhotels in umgebauten Bauernhäusern. Die Preise für Unterkünfte gehören in der Hochsaison zu den höchsten in Spanien, früh buchen spart Geld.
Anreise und Unterwegs
Der Flughafen Ibiza liegt rund sieben Kilometer südwestlich der Hauptstadt und wird im Sommer direkt aus dem deutschsprachigen Raum angeflogen. Fähren fahren nach Formentera, Palma, Dénia, Valencia und Barcelona. Busse verbinden die Hauptorte gut, für abgelegene Buchten ist ein Mietwagen oder Roller praktischer. Von Ibiza-Stadt sind es nur rund 30 Minuten mit der Schnellfähre nach Formentera.
Häufige Fragen
Ist Ibiza nur eine Partyinsel?
Nein. Die Clubs konzentrieren sich auf wenige Orte. Der Norden, Santa Eulària und viele Buchten sind ruhig und eignen sich für Familien und Wanderer.
Wann haben die Clubs auf Ibiza geöffnet?
Die großen Clubs öffnen ungefähr von Mai bis Oktober. Im Winter ist Ibiza deutlich ruhiger, viele Hotels schließen.
Wo sieht man auf Ibiza den schönsten Sonnenuntergang?
An der Westküste, etwa in Sant Antoni, an der Cala Comte oder an der Cala d’Hort mit Blick auf Es Vedrà. Sonntags auch in Benirràs mit Trommlern.
Wie kommt man von Ibiza nach Formentera?
Mit der Fähre ab Ibiza-Stadt nach La Savina, je nach Schiff etwa 30 bis 60 Minuten. Einen Flughafen hat Formentera nicht.