Sizilien und Sardinien kennt jeder. Doch zu Italien gehören Hunderte weitere Inseln: Vulkaninseln mit nächtlichen Ausbrüchen, Fischerinseln mit bunten Häusern, Gartenparadiese in oberitalienischen Seen und die Lagune von Venedig. Viele davon erreicht man ganz ohne Flug.
Italien und seine Inseln
Die beiden größten Inseln des Mittelmeers sind italienisch: Sizilien mit rund 25.700 Quadratkilometern und Sardinien mit rund 24.100 Quadratkilometern. Mit großem Abstand folgt Elba als drittgrößte Insel des Landes. Dazu kommen zahlreiche kleine Inselgruppen im Tyrrhenischen Meer, in der Straße von Sizilien und in der Adria.
Für Urlauber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben italienische Inseln einen Vorteil: Man kann mit dem Auto oder dem Zug bis zum Hafen fahren und dort auf die Fähre umsteigen. Das eignet sich für Menschen mit Flugangst, für Familien mit viel Gepäck und für alle, die eine Rundreise auf dem Festland mit ein paar Tagen Inselurlaub verbinden wollen – etwa Florenz und Siena mit Elba oder Neapel und Pompeji mit Capri.
Die großen Inseln
Sizilien
Sizilien ist fast ein eigenes Land: griechische Tempel in Agrigent und Segesta, arabisch-normannische Kirchen in Palermo, barocke Städte im Südosten wie Noto und Ragusa, dazu der Ätna, Europas höchster aktiver Vulkan. Die Insel eignet sich für eine Rundreise von mindestens zehn Tagen.
Sardinien
Sardinien ist dünner besiedelt und berühmt für seine Strände, von der Costa Smeralda im Nordosten bis zu den Dünen der Costa Verde im Südwesten. Im Inneren liegen die Berge der Barbagia und Tausende Nuraghen, steinerne Türme aus der Bronzezeit.
Die kleineren Inselgruppen
Toskanischer Archipel
Zwischen Toskana und Korsika liegen sieben größere Inseln, geschützt im Nationalpark Arcipelago Toscano. Elba ist die größte und am besten erschlossene, mit Sandstränden, Bergdörfern und Napoleons Exilresidenz. Giglio erreicht man ab Porto Santo Stefano, die Insel hat einen kleinen Hafen, ein ummauertes Bergdorf und klares Wasser. Capraia ist vulkanischen Ursprungs, fast unbebaut und ein Ziel für Wanderer und Taucher.
Golf von Neapel
Capri ist die bekannteste Insel im Golf, mit steilen Klippen, den Faraglioni-Felsen und der Blauen Grotte. Ischia ist die größte Insel im Golf und bekannt für ihre Thermalquellen und Thermalgärten. Procida, die kleinste der drei, hat bunte Fischerhäuser rund um den Hafen Marina Corricella und war 2022 Italiens Kulturhauptstadt.
Äolische Inseln
Nördlich von Sizilien liegen sieben bewohnte Vulkaninseln, seit 2000 UNESCO-Welterbe. Lipari ist die größte und der Verkehrsknoten. Auf Stromboli spuckt der Vulkan seit Jahrtausenden fast ununterbrochen Lava, nachts sind die Ausbrüche vom Boot oder von Aussichtspunkten zu sehen. Auf Vulcano baden Besucher in einem warmen Schlammbecken, Salina ist grün und bekannt für Kapern und Malvasia-Wein. Panarea ist klein, weiß und im Sommer ein Treffpunkt für Segler und Prominente.
Ägadische Inseln
Vor Trapani liegen Favignana, Levanzo und Marettimo. Favignana ist flach, gut mit dem Fahrrad zu erkunden und von alten Tuffsteinbrüchen durchzogen. Die ehemalige Thunfischfabrik Florio ist heute ein Museum über die Tonnara, den traditionellen Thunfischfang.
Lampedusa und Pantelleria
Lampedusa gehört zu den Pelagischen Inseln und liegt näher an Tunesien als an Sizilien. Die Spiaggia dei Conigli (Kaninchenstrand) gilt als einer der schönsten Strände Italiens, dort legen Unechte Karettschildkröten ihre Eier ab – Teile des Strandes sind deshalb zeitweise gesperrt. Pantelleria ist eine Vulkaninsel mit schwarzen Felsküsten, Kapernfeldern und den Dammusi, würfelförmigen Steinhäusern mit Kuppeldach. Bekannt ist der süße Passito di Pantelleria aus getrockneten Zibibbo-Trauben.
La Maddalena und die Tremiti-Inseln
Vor der Nordostküste Sardiniens liegt der La-Maddalena-Archipel, ein Nationalpark aus Granitinseln mit türkisfarbenem Wasser. Die Hauptinsel La Maddalena ist mit der Fähre ab Palau in rund 20 Minuten erreichbar. In der Adria vor dem Gargano liegen die kleinen Tremiti-Inseln mit Klippen, Grotten und einer Abtei auf San Nicola.
Inseln in Lagunen und Seen
Lagune von Venedig
Venedig selbst ist auf über hundert kleinen Inseln gebaut. Mit dem Vaporetto fährt man weiter nach Murano, wo in Werkstätten Glas geblasen wird, nach Burano mit bunten Häusern und Spitzenklöppelei und nach Torcello mit seiner Kathedrale aus dem 7. Jahrhundert. Der Lido ist Venedigs Strandinsel, dort findet jedes Jahr das Filmfestival statt. Wer nur einen Tag in der Stadt bleibt, zahlt an bestimmten Tagen eine Eintrittsgebühr.
Borromäische Inseln
Im Lago Maggiore vor Stresa liegen die Borromäischen Inseln. Isola Bella trägt einen Barockpalast mit Terrassengarten, in dem weiße Pfauen leben. Isola Madre hat einen botanischen Garten mit exotischen Pflanzen, Isola dei Pescatori ist ein kleines Fischerdorf mit Restaurants am Ufer.
Isola San Giulio
Im Ortasee im Piemont liegt die winzige Isola San Giulio mit einer romanischen Basilika und einem Benediktinerinnenkloster. Ein Rundweg, die „Via del Silenzio“, führt mit Schildern zu Stille und Besinnung um die Insel.
Welche Insel passt zu wem?
- Kultur und Geschichte: Sizilien mit Tempeln, Barockstädten und Palermo; die Lagune von Venedig
- Strandurlaub: Sardinien, Lampedusa und der La-Maddalena-Archipel
- Familien: Elba mit kurzer Anreise, flachen Sandbuchten und vielen Campingplätzen
- Vulkane und Wandern: die Äolischen Inseln mit Stromboli und Vulcano, der Ätna auf Sizilien
- Thermen und Erholung: Ischia
- Tagesausflug: Capri ab Neapel oder Sorrent, die Borromäischen Inseln ab Stresa
Anreise ohne Flug
- Sardinien: Fähren ab Genua, Livorno und Civitavecchia nach Olbia, Porto Torres und Cagliari, meist über Nacht
- Sizilien: Fähren ab Genua, Civitavecchia, Neapel und Salerno nach Palermo; ab Villa San Giovanni in rund 20 Minuten nach Messina
- Elba: ab Piombino nach Portoferraio, etwa eine Stunde
- Capri, Ischia, Procida: Fähren und Schnellboote ab Neapel, Capri auch ab Sorrent
- Äolische Inseln: ab Milazzo, im Sommer auch ab Neapel
- Ägadische Inseln: ab Trapani
Mit dem Zug kommt man sogar bis Sizilien: Die Nachtzüge ab Rom werden in Villa San Giovanni auf eine Fähre geschoben und fahren nach der Überfahrt weiter nach Palermo oder Syrakus. Eine Brücke über die Straße von Messina ist seit Jahrzehnten geplant, gebaut ist sie noch nicht.
Essen auf den Inseln
Jede Insel hat ihre eigene Küche. Auf Sizilien gibt es Arancini, Pasta alla Norma mit Auberginen, Cannoli und Granita mit Brioche zum Frühstück. Sardinien kocht mit Lamm, Spanferkel (Porceddu), Schafskäse und dem hauchdünnen Brot Pane Carasau. Auf Elba und den toskanischen Inseln kommt Fischsuppe (Cacciucco) auf den Tisch, im Golf von Neapel Kaninchen nach Ischia-Art und Zitronenlikör. Auf den Äolischen Inseln und Pantelleria würzen Kapern fast jedes Gericht.
Häufige Fragen
Welche italienische Insel ist die größte?
Sizilien mit rund 25.700 Quadratkilometern, knapp vor Sardinien. Beide sind zugleich die größten Inseln im Mittelmeer.
Welche italienischen Inseln erreicht man ohne Flug?
Alle. Mit Auto oder Zug geht es bis zum Hafen, von dort fahren Fähren nach Sardinien, Sizilien, Elba, Capri und zu den kleinen Inselgruppen.
Welche Insel eignet sich für einen kurzen Urlaub?
Elba, weil die Fährfahrt ab Piombino nur eine Stunde dauert, und Ischia oder Procida ab Neapel.
Wann ist die beste Reisezeit für Italiens Inseln?
Juni und September für Badeurlaub mit weniger Andrang, April, Mai und Oktober für Rundreisen und Wanderungen. Im August sind die Fähren und Unterkünfte am vollsten.