Der Kīlauea auf der Insel Hawaiʻi (Big Island) gehört zu den aktivsten Vulkanen der Erde. Seit über hundert Jahren wird er so genau beobachtet wie kaum ein anderer – und seit Dezember 2024 schleudert er in regelmässigen Episoden Lavafontänen Hunderte Meter hoch.

Der Vulkan Kīlauea

Der Kīlauea ist ein Schildvulkan an der Südostflanke des viel grösseren Mauna Loa. Sein Gipfel liegt nur rund 1.250 Meter über dem Meer; der Vulkan wirkt eher wie eine weite, flache Hochebene als wie ein Berg. Oben liegt eine grosse Caldera, in deren Mitte der Krater Halemaʻumaʻu. Nach hawaiischer Überlieferung wohnt hier Pele, die Göttin des Feuers und der Vulkane. Noch heute bringen Hawaiianer am Kraterrand Opfergaben dar.

Zwei Riftzonen

Vom Gipfel ziehen sich zwei Riftzonen durch den Vulkan: die Ostriftzone bis zur Ostspitze der Insel bei Kapoho und die Südwestriftzone Richtung Kaʻū. Durch diese Schwächezonen kann Magma seitlich wandern und viele Kilometer vom Gipfel entfernt ausbrechen. Die meisten grossen Ausbrüche der letzten Jahrzehnte fanden deshalb an der Ostriftzone statt.

Nationalpark und Überwachung

Seit 1912 überwacht das Hawaiian Volcano Observatory den Kīlauea; heute gehört es zum US Geological Survey (USGS). Seismometer, GPS-Stationen, Neigungsmesser, Gasmessungen und Webcams liefern rund um die Uhr Daten. 1916 wurde der Hawaii Volcanoes National Park gegründet, 1987 erklärte die UNESCO ihn zum Welterbe.

Die grossen Ausbrüche seit 1924

1924 und 1959

Bis 1924 brodelte im Halemaʻumaʻu fast ständig ein Lavasee. Dann sank die Lava ab, Grundwasser drang ein, und Dampfexplosionen schleuderten Felsblöcke von mehreren Tonnen aus dem Krater. 1959 folgte ein spektakulärer Ausbruch im Nebenkrater Kīlauea Iki: Lavafontänen erreichten rund 580 Meter – ein Rekord für Hawaii. Der damals entstandene Lavasee ist heute der Boden, über den der Kīlauea Iki Trail führt.

Puʻuʻōʻō: 35 Jahre Ausbruch

Am 3. Januar 1983 begann an der Ostriftzone ein Ausbruch, der 35 Jahre dauern sollte. In den ersten Jahren bildete sich in 47 Fontänenepisoden der Schlackenkegel Puʻuʻōʻō. Danach floss die Lava meist ruhig durch Lavaröhren zum Meer. Sie begrub 1990 den Ort Kalapana mit seinem berühmten schwarzen Strand, zerstörte Hunderte Häuser und fügte der Insel mehrere Quadratkilometer neues Land hinzu. Wo die Lava ins Meer floss, stiegen weisse Dampfwolken auf – jahrelang eine der bekanntesten Attraktionen Hawaiis.

Der Lavasee 2008 bis 2018

Ab März 2008 öffnete sich zusätzlich im Halemaʻumaʻu ein Schlot, in dem ein Lavasee entstand. Sein Pegel stieg und fiel mit dem Druck im Vulkan. Nachts leuchtete der Krater weithin sichtbar – vom Aussichtspunkt beim Museum konnte man das Glühen jeden Abend beobachten.

2018: Leilani Estates und der Einsturz des Gipfels

Ende April 2018 brach der Kraterboden des Puʻuʻōʻō ein, das Magma wanderte in die untere Ostriftzone. Ab dem 3. Mai öffneten sich mitten in der Wohnsiedlung Leilani Estates 24 Spalten. Lavafontänen und Ströme zerstörten über 700 Häuser, begruben Strassen und Farmen und füllten die Bucht Kapoho Bay mit ihren Gezeitenbecken vollständig auf. Gleichzeitig floss das Magma unter dem Gipfel ab: Der Boden des Halemaʻumaʻu sackte in über 60 Einsturzereignissen um bis zu rund 500 Meter ab, begleitet von täglichen Erdbeben. Im August 2018 endete der Ausbruch – und mit ihm die 35-jährige Aktivität des Puʻuʻōʻō.

2019 bis 2023: Wassersee und neue Lavaseen

Im tiefen Krater sammelte sich ab 2019 Grundwasser zu einem See – zum ersten Mal in der überlieferten Geschichte. Im Dezember 2020 brach Lava durch die Kraterwand, der Wassersee verdampfte binnen Stunden, und ein neuer Lavasee entstand. Bis 2023 folgten mehrere Ausbrüche im Halemaʻumaʻu, die den Krater Schritt für Schritt wieder mit Lava füllten.

Der Ausbruch seit Dezember 2024

Am 23. Dezember 2024 begann im Halemaʻumaʻu ein Ausbruch, der einem wiederkehrenden Muster folgt:

  1. Magma strömt aus der Tiefe nach, der Gipfel hebt sich messbar.
  2. Aus den Schloten im Südwesten des Kraters quillt zunächst langsam Lava.
  3. Dann beginnt eine Fontänenepisode: Meist 8 bis 12 Stunden lang schiessen Lavafontänen, oft mehrere hundert Meter hoch.
  4. Die Episode endet abrupt, der Gipfel sinkt, der Kreislauf beginnt von vorn – nach einigen Tagen bis wenigen Wochen.

Bis Herbst 2026 zählte das Vulkanobservatorium über 50 solcher Episoden – mehr als bei jedem anderen bekannten Kīlauea-Ausbruch; der bisherige Rekord lag bei den 47 Episoden des Puʻuʻōʻō. Im September 2026 öffneten sich zudem mehrere neue Spalten an der Nordwestwand des Kraters, aus denen einige Tage lang Lava auf den Kraterboden floss.

Tephra, Peles Haar und Vog

Bei hohen Fontänen trägt der Wind vulkanisches Material bis in bewohnte Gebiete und auf Strassen im Park:

  • Tephra: kleine Bims- und Schlackestücke, die aus der Fontäne fallen und Autos und Dächer verschmutzen.
  • Peles Haar: feine, goldglänzende Glasfäden, die entstehen, wenn Lavatropfen im Wind ausgezogen werden. Sie sind scharf und reizen Haut und Augen.
  • Vog: Der Vulkan stösst grosse Mengen Schwefeldioxid (SO₂) aus. Daraus bildet sich ein Dunst aus Gasen und Schwefelpartikeln, der Augen und Atemwege reizt und bei Passatwind oft bis Kona zieht.

Den Kīlauea besuchen

Der Kīlauea liegt im Hawaii Volcanoes National Park, rund 45 Autominuten von Hilo und etwa zweieinhalb Stunden von Kailua-Kona entfernt. Der Park kostet Eintritt pro Fahrzeug.

Aussichtspunkte

  • Uēkahuna: Aussichtspunkt am Westrand der Caldera beim ehemaligen Observatorium, mit weitem Blick in den Halemaʻumaʻu.
  • Kīlauea Overlook: nahe gelegen, bei Fontänenepisoden einer der beliebtesten Punkte.
  • Keanakākoʻi: am Südrand der Caldera, erreichbar über einen kurzen Fussweg vom Crater Rim Drive, mit Blick auf die Schlote.

Wann eine Episode zu erwarten ist, veröffentlicht das USGS in seinen Updates und Livestreams. Besonders eindrucksvoll ist das Leuchten der Fontänen nach Einbruch der Dunkelheit; bei Episoden sind die Parkplätze allerdings schnell voll.

Wanderungen und weitere Ziele

  • Kīlauea Iki Trail: rund 5 Kilometer Rundweg, der durch Regenwald hinab und über den noch dampfenden Boden des Lavasees von 1959 führt.
  • Nāhuku (Thurston Lava Tube): eine rund 180 Meter lange, begehbare Lavaröhre im Regenwald.
  • Chain of Craters Road: rund 30 Kilometer vom Gipfel hinab zur Küste, vorbei an Kratern und Lavaströmen des Puʻuʻōʻō-Ausbruchs, bis zum Felsbogen Hōlei Sea Arch. Unterwegs gibt es weder Wasser noch Tankstelle.
  • Sulphur Banks und Steam Vents: Dampfspalten und Schwefelablagerungen direkt am Crater Rim Drive.

Sicherheit

  • Sperrungen gelten ohne Ausnahme – Kraterränder brechen ab, Gasschwaden ziehen unvorhersehbar.
  • Menschen mit Asthma, Herz- oder Atemwegserkrankungen, Schwangere, Kleinkinder und Säuglinge sollten Bereiche mit hohem Gasgehalt meiden. Der Park und das USGS veröffentlichen Werte zur Luftqualität.
  • Bei Tephra- und Peles-Haar-Fall Sonnenbrille oder Brille tragen und Autofenster geschlossen halten.
  • Für abendliche Besuche Taschenlampe und warme Kleidung mitnehmen: Auf 1.200 Metern Höhe wird es nachts kühl und oft nass.

Häufige Fragen

Ist der Kīlauea gerade aktiv?

Der Kīlauea ist seit Dezember 2024 in einer Ausbruchsphase mit wiederkehrenden Fontänenepisoden, zwischen denen Tage bis Wochen Ruhe liegen. Den aktuellen Stand melden das Hawaiian Volcano Observatory des USGS und der National Park Service.

Kann man die Lava aus der Nähe sehen?

Die Lava befindet sich im Krater Halemaʻumaʻu und ist von den Aussichtspunkten am Kraterrand aus zu sehen, meist aus einem bis zwei Kilometern Entfernung. Näher heranzugehen ist verboten.

Ist ein Besuch des Kīlauea gefährlich?

Auf den offenen Wegen und Aussichtspunkten ist das Risiko gering. Die grösste Gefahr geht von Vulkangasen aus; wer Sperrungen und Luftqualitätswarnungen beachtet, ist sicher unterwegs.

Was ist der Unterschied zwischen Kīlauea und Mauna Loa?

Beide sind aktive Schildvulkane auf Big Island. Der Mauna Loa ist mit 4.169 Metern viel höher und der grösste aktive Vulkan der Erde, bricht aber seltener aus – zuletzt 2022. Der Kīlauea ist kleiner, aber deutlich häufiger aktiv.