Korfu ist die nördlichste der Ionischen Inseln und mit rund 590 Quadratkilometern nach Kefalonia die zweitgrößte. Olivenhaine, Zypressen und eine Hauptstadt mit venezianischem, französischem und britischem Erbe unterscheiden sie deutlich von den kargen Inseln der Ägäis.

Korfu auf einen Blick

  • Lage: vor der Küste von Epirus, an der engsten Stelle der Straße von Korfu nur rund 2 Kilometer von Albanien entfernt
  • Hauptstadt: Korfu-Stadt (Kerkyra), Altstadt seit 2007 UNESCO-Welterbe
  • Höchster Berg: Pantokrator, 906 Meter
  • Geschichte: rund 400 Jahre venezianisch (1386–1797), danach französisch und von 1815 bis 1864 britisches Protektorat; nie osmanisch besetzt
  • Landschaft: grüner Norden und Westen, flacherer Süden mit Lagune von Korission

Korfu-Stadt

Die Altstadt von Korfu ist eine der schönsten Städte Griechenlands. Enge Gassen (Kantounia), hohe Häuser mit Fensterläden und Wäscheleinen erinnern eher an Venedig als an eine Kykladenstadt.

Alte und Neue Festung

Die Alte Festung (Palaio Frourio) liegt auf einer Landzunge östlich der Altstadt und ist durch einen künstlichen Graben von ihr getrennt. Die Venezianer bauten sie zu einer der stärksten Festungen des Mittelmeers aus; 1716 hielt sie einer großen osmanischen Belagerung stand. Von oben reicht der Blick über Stadt, Hafen und bis nach Albanien. Die Neue Festung (Neo Frourio) im Nordwesten der Altstadt entstand Ende des 16. Jahrhunderts und überragt den Fährhafen.

Spianada und Liston

Zwischen Altstadt und Alter Festung liegt die Spianada, der größte Platz Griechenlands. Auf ihrem Rasen wird bis heute Cricket gespielt, ein Erbe der britischen Zeit. An der Westseite verläuft der Liston, eine Arkadenreihe, die in der französischen Zeit nach dem Vorbild der Pariser Rue de Rivoli entstand. Unter den Bögen reihen sich Cafés aneinander.

Agios Spyridon

Die Kirche mit dem höchsten Glockenturm der Stadt birgt in einem silbernen Schrein die Reliquien des Heiligen Spyridon, des Schutzpatrons der Insel. Viermal im Jahr, unter anderem am Palmsonntag und am Karsamstag, tragen die Korfioten die Reliquien in einer Prozession durch die Stadt. Das Osterfest auf Korfu mit Blaskapellen und dem Hinauswerfen von Tonkrügen aus den Fenstern am Karsamstag gilt als eines der eindrucksvollsten in Griechenland.

Palast von St. Michael und St. Georg

Am Nordende der Spianada steht der klassizistische Palast, den die Briten ab 1819 als Sitz ihres Hochkommissars bauten. Heute zeigt er das Museum für asiatische Kunst mit Porzellan, Skulpturen und Holzschnitten aus China, Japan und Indien.

Kanoni und die Mäuseinsel

Auf der Halbinsel Kanoni südlich der Stadt liegt der bekannteste Aussichtspunkt Korfus: Unten steht das weiße Kloster Vlacherna, über einen schmalen Steg erreichbar, dahinter die bewaldete Insel Pontikonisi, die Mäuseinsel. Direkt daneben verläuft die Landebahn des Flughafens, Flugzeuge setzen in geringer Höhe über die Lagune auf.

Sehenswürdigkeiten auf der Insel

Achilleion

Im Dorf Gastouri, rund 10 Kilometer südlich der Stadt, ließ sich Kaiserin Elisabeth von Österreich 1889 bis 1891 einen Palast im Stil der Antike bauen. Sie verehrte den Helden Achilles; im Garten steht die Statue des sterbenden Achill. Nach ihrem Tod kaufte Kaiser Wilhelm II. das Anwesen 1907 und nutzte es als Sommersitz. Von der Gartenterrasse blickt man über die Ostküste.

Paleokastritsa

An der Westküste liegen mehrere kleine Buchten mit türkisfarbenem Wasser zwischen bewaldeten Felsen. Auf einer Landzunge steht das Kloster Panagia Paleokastritsa, gegründet im 13. Jahrhundert, mit kleinem Ikonenmuseum. Boote fahren von der Hauptbucht zu Grotten an der Steilküste. Hoch über dem Ort liegt die Ruine der byzantinischen Burg Angelokastro.

Pantokrator und Alt-Perithia

Auf den 906 Meter hohen Pantokrator im Nordosten führt eine schmale Straße bis zum Gipfelkloster, das allerdings von einem großen Sendemast überragt wird. Bei klarer Sicht reicht der Blick über ganz Korfu, Albanien und das griechische Festland. Am Nordhang liegt Alt-Perithia (Palea Perithia), ein venezianisches Bergdorf, das jahrzehntelang verlassen war. Einige Häuser sind heute restauriert, dazu kommen Tavernen, die Wanderer und Tagesausflügler bewirten.

Nordostküste und Kassiopi

Zwischen Nissaki und Kassiopi reihen sich kleine Kiesbuchten wie Kalami und Agni gegenüber der albanischen Küste. Hier ist das Wasser meist ruhig, die Dörfer sind klein. Kassiopi selbst ist ein ehemaliges Fischerdorf mit Hafen und Burgruine.

Canal d’Amour bei Sidari

Im Norden hat das Meer bei Sidari den weichen Sandstein zu Kanälen, Buchten und Felsbögen ausgewaschen. Der bekannteste Kanal heißt Canal d’Amour. Sidari selbst ist ein lebhafter Ferienort mit vielen Bars.

Strände

  • Glyfada: breiter Sandstrand an der Westküste unter bewaldeten Hängen, gut für Familien, bei Westwind mit Wellen.
  • Agios Gordios: langer Strand in einer Bucht mit markanten Felsnadeln, Tavernen direkt am Sand.
  • Issos und Chalikounas: Dünenstrände im Südwesten an der Lagune von Korission, beliebt bei Wind- und Kitesurfern.
  • Kalamaki: flacher Sandstrand im Nordosten, geeignet für kleine Kinder.
  • Paleokastritsa: kleine Kies- und Sandbuchten mit klarem, kühlem Wasser.

Wer Ruhe sucht, wählt die Nordostküste oder den Westen. Kavos an der Südspitze ist dagegen ein Partyort mit Clubs und Bars, der vor allem junge Urlauber anzieht.

Wandern: der Corfu Trail

Der Fernwanderweg Corfu Trail durchquert die Insel auf rund 220 Kilometern von Kap Asprokavos im Süden bis Kap Agia Aikaterini im Norden. Er führt durch Olivenhaine, verlassene Dörfer, über den Pantokrator und entlang der Westküste. Für die ganze Strecke rechnet man etwa zehn Tagesetappen. Die beste Zeit zum Wandern sind April, Mai und Oktober.

Anreise

Der Flughafen Ioannis Kapodistrias liegt nur rund 3 Kilometer südlich der Altstadt. Im Sommer fliegen viele Airlines direkt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, im Winter geht es meist über Athen.

Wer mit dem Auto kommt, nimmt die Fähre ab Igoumenitsa auf dem Festland, die Überfahrt dauert rund 1,5 Stunden, Abfahrten gibt es mehrmals täglich. Aus Italien legen Fähren in Bari, Brindisi, Ancona und Venedig nach Korfu ab. Auf der Insel fahren grüne KTEL-Überlandbusse und blaue Stadtbusse, für abgelegene Buchten ist ein Mietwagen praktischer.

Klima und Reisezeit

Korfu ist die regenreichste Region Griechenlands, im Jahr fallen über 1.000 Millimeter Niederschlag, fast alles zwischen Oktober und April. Deshalb ist die Insel so grün; ein großer Teil der Olivenhaine geht auf die Venezianer zurück, die Bauern Prämien für jeden gepflanzten Baum zahlten.

  • Mai, Juni und September: warm, das Meer badewarm, weniger Andrang
  • Juli und August: heiß, oft über 30 Grad, volle Strände
  • April und Oktober: ideal zum Wandern, Ostern ist ein Höhepunkt des Jahres

Korfiotische Küche

  • Pastitsada: Hahn oder Rind in würziger Tomatensauce mit Zimt, serviert mit dicken Nudeln.
  • Sofrito: dünne Kalbfleischscheiben in Weißwein-Knoblauch-Sauce mit Petersilie.
  • Bourdeto: scharfer Fischeintopf, klassisch mit Drachenkopf und viel rotem Pfeffer.
  • Kumquat-Likör: aus den Zwergorangen, die vor allem im Norden der Insel angebaut werden.
  • Tsitsibira: Ingwerlimonade nach britischem Rezept, bis heute in Korfu-Stadt erhältlich.

Ausflug nach Paxos und Antipaxos

Ab dem Hafen von Korfu-Stadt und von Orten an der Ostküste starten Ausflugsboote zu den kleinen Nachbarinseln Paxos und Antipaxos. Paxos hat die Hafenorte Gaios, Lakka und Loggos, Antipaxos ist für Buchten mit sehr klarem Wasser wie Voutoumi bekannt. Linienschiffe brauchen je nach Boot rund 1 bis 1,5 Stunden.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Fähre nach Korfu?

Ab Igoumenitsa rund 1,5 Stunden. Aus Italien dauert die Überfahrt je nach Hafen von etwa 8 Stunden (Brindisi, Bari) bis über einen Tag (Venedig).

Welcher Teil von Korfu ist am ruhigsten?

Die Nordostküste zwischen Nissaki und Kassiopi und die Dörfer an der Westküste. Belebt sind dagegen Sidari, Kavos und Benitses.

Lohnt sich das Achilleion?

Ja, vor allem für Interessierte an der Geschichte von Kaiserin Elisabeth. Park, Statuen und der Blick über die Ostküste sind die Höhepunkte, für den Besuch reichen ein bis zwei Stunden.

Wann ist die beste Reisezeit für Korfu?

Mai, Juni und September für Badeurlaub, April und Oktober zum Wandern. Von November bis März regnet es häufig.