La Palma ist die nordwestlichste der Kanarischen Inseln: rund 708 Quadratkilometer groß, etwa 84.000 Einwohner, Hauptstadt Santa Cruz de La Palma. Wegen ihrer Wälder und Schluchten heißt sie „Isla Verde“, die grüne Insel, oder „Isla Bonita“, die schöne Insel. Sie ist eine der steilsten Inseln der Welt – und vulkanisch hoch aktiv, wie der Ausbruch des Tajogaite 2021 gezeigt hat.
La Palma im Überblick
Im Norden liegt der gewaltige Kessel der Caldera de Taburiente, dessen Rand im Roque de los Muchachos 2.426 Meter erreicht. Nach Süden zieht sich der Vulkanrücken der Cumbre Vieja bis zur Südspitze bei Fuencaliente. Die Passatwolken stauen sich an der Ostseite und machen sie grün; die Westseite um Los Llanos de Aridane ist sonniger und wärmer.
Die ganze Insel ist seit 2002 Biosphärenreservat der UNESCO. Ein eigenes Gesetz schützt seit 1988 den Nachthimmel: Straßenlampen müssen nach unten strahlen und dürfen kein blaues Licht abgeben. La Palma ist deshalb auch als Starlight-Reservat anerkannt. Die Insel ist in 14 Gemeinden gegliedert; die größten sind Los Llanos de Aridane und Santa Cruz de La Palma.
Anders als auf Teneriffa oder Gran Canaria gibt es keinen Massentourismus. Die meisten Gäste wohnen in Ferienhäusern, Fincas und kleinen Hotels. Der Tourismus konzentriert sich auf Los Cancajos an der Ostküste und Puerto Naos an der Westküste.
Der Vulkanausbruch des Tajogaite 2021
Am 19. September 2021 öffnete sich an der Westflanke der Cumbre Vieja, oberhalb von El Paso und Los Llanos de Aridane, eine Spalte. Der neue Vulkan wurde später offiziell Tajogaite benannt, nach dem alten Flurnamen des Ortes. Der Ausbruch dauerte 85 Tage bis zum 13. Dezember 2021 und war damit der längste seit Beginn der Aufzeichnungen auf der Insel. Zuvor waren der San Juan (1949) und der Teneguía (1971) ausgebrochen.
Die Lava floss in mehreren Strömen zur Westküste und bedeckte rund 1.200 Hektar. Nach Angaben der Behörden wurden rund 3.000 Gebäude zerstört, darunter der Ort Todoque fast vollständig. Große Teile der Bananenplantagen, Bewässerungsleitungen und Straßen verschwanden unter bis zu mehreren Dutzend Meter dicker Lava. Rund 7.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. An der Küste entstanden zwei neue Lavadeltas, die die Insel um fast 50 Hektar vergrößerten. Ascheregen legte den Flughafen zeitweise lahm.
Die Folgen
Auch nach dem Ende des Ausbruchs traten in den Küstenorten Puerto Naos und La Bombilla gefährliche Mengen Kohlendioxid aus dem Boden aus. Die beiden Orte blieben deshalb lange gesperrt. Die Rückkehr der Bewohner und die Wiedereröffnung von Geschäften erfolgt schrittweise, Haus für Haus, und wird durch fest installierte Gasmessgeräte überwacht.
Über die erkaltete Lava wurden neue Straßen gebaut, die die beiden Hälften des Aridane-Tals wieder verbinden. Der Wiederaufbau von Häusern, Wasserleitungen und Plantagen zieht sich über Jahre. Viele Betroffene wohnen an neuen Orten, etwa in Los Llanos de Aridane oder in El Paso.
Das Vulkangebiet besuchen
Das Lavafeld darf außerhalb freigegebener Wege nicht betreten werden: Unter der Oberfläche ist die Lava teils noch heiß, es gibt Hohlräume und Gasaustritte. Einen guten Überblick geben Aussichtspunkte an den Rändern des Lavafelds und geführte Touren zertifizierter Anbieter, die an den Kegel des Tajogaite heranführen. Aktuelle Sperrungen veröffentlicht das Cabildo de La Palma.
Caldera de Taburiente
Der Nationalpark Caldera de Taburiente wurde 1954 gegründet. Der Kessel misst rund acht Kilometer im Durchmesser, die Felswände fallen bis zu 1.500 Meter ab. Kanarische Kiefern wachsen an den Hängen, im Grund fließen Bäche – selten auf den Kanaren.
Die bekannteste Wanderung beginnt am Aussichtspunkt Los Brecitos (Anfahrt per Taxi ab Los Llanos) und führt hinab zum Zeltplatz an der Playa de Taburiente, einem Kiesbett im Zentrum der Caldera. Von dort geht es durch den Barranco de las Angustias zurück nach Los Llanos; unterwegs lohnt der Abstecher zur Cascada de Colores, einem Wasserfall über rot-gelb-grün gefärbtem Gestein. Die Tour ist gut 14 Kilometer lang. Der Barranco kann nach Regen gefährlich werden. Das Besucherzentrum des Parks liegt in El Paso. Einen Blick in die Caldera ohne lange Wanderung bietet der Mirador de La Cumbrecita.
Roque de los Muchachos und die Sternwarten
Die Straße LP-4 führt von Santa Cruz bis kurz unter den Gipfel des Roque de los Muchachos. Oben stehen die Kuppeln des Observatorio del Roque de los Muchachos, einer der wichtigsten Sternwarten der Nordhalbkugel. Größtes Instrument ist das Gran Telescopio Canarias mit einem Spiegeldurchmesser von 10,4 Metern, eines der größten optischen Teleskope der Welt. Besichtigungen der Sternwarte sind nur im Rahmen geführter Touren möglich. Nachts eignen sich zahlreiche ausgeschilderte Aussichtspunkte („Miradores astronómicos“) zum Beobachten des Sternenhimmels.
Ruta de los Volcanes
Die Vulkanroute ist die bekannteste Kammwanderung der Insel und Teil des Fernwanderwegs GR 131. Sie führt vom Refugio El Pilar über die Cumbre Vieja nach Süden bis Fuencaliente, vorbei an Kratern wie dem Hoyo Negro und dem Duraznero. Die Strecke ist etwa 18 Kilometer lang, mit rund 1.000 Höhenmetern im Abstieg, und bietet kaum Schatten oder Wasser. Wegen des Tajogaite-Ausbruchs waren Abschnitte zeitweise gesperrt; vor dem Start den aktuellen Stand prüfen.
Am südlichen Ende liegen der Vulkan San Antonio mit Besucherzentrum, der Teneguía und die Salinas de Fuencaliente am Leuchtturm, in denen bis heute Meersalz gewonnen wird.
Los Tilos und der Nordosten
Bei San Andrés y Sauces liegt der Lorbeerwald Los Tilos, Kerngebiet des ersten Biosphärenreservats der Insel. Vom Besucherzentrum führen Wege in die Schlucht. Die bekannte Wanderung zu den Quellen Marcos y Cordero führt durch mehrere Tunnel eines Wasserkanals; für die Tunnel sind Stirnlampe und Regenjacke nötig, der Zugang zum Startpunkt ist zeitweise reguliert. Unterhalb liegen die Naturschwimmbecken von Charco Azul und der Hafen Puerto Espíndola.
Städte und Strände
Santa Cruz de La Palma war im 16. Jahrhundert einer der wichtigsten Häfen des spanischen Reichs. Die Calle Real und die Avenida Marítima mit ihren bunten Holzbalkonen gehören zu den schönsten Straßenbildern der Kanaren. Im Hafen liegt eine Nachbildung von Kolumbus‘ Schiff Santa María, die ein Schifffahrtsmuseum beherbergt. Los Llanos de Aridane ist die größte Stadt, mit schattigem Kirchplatz und vielen Wandbildern.
La Palma ist keine Badeinsel. Die Strände haben schwarzen Sand; die bekanntesten sind Los Cancajos südlich der Hauptstadt, geschützt durch Wellenbrecher, die Playa de Tazacorte und Puerto Naos. Bei hohem Wellengang sollte man nur an bewachten Stränden ins Wasser gehen.
Anreise und Unterwegs
Der Flughafen La Palma (SPC) liegt an der Ostküste, etwa acht Kilometer südlich von Santa Cruz. Direktflüge aus Deutschland gibt es vor allem im Winter; ganzjährig bestehen Verbindungen über Teneriffa und Gran Canaria mit Binter. Fähren verbinden den Hafen von Santa Cruz de La Palma mit Teneriffa. Auf der Insel fahren Busse, für Wanderungen und die Sternwarte ist ein Mietwagen fast unverzichtbar. Die Fahrt von der Ost- zur Westseite führt durch den Tunnel unter der Cumbre und dauert etwa 30 Minuten.
Häufige Fragen
Kann man La Palma nach dem Vulkanausbruch bereisen?
Ja. Der größte Teil der Insel war nie betroffen, Flughafen, Hotels und Wanderwege sind in Betrieb. Nur Teile des Lavafeldes und einzelne Wege bleiben gesperrt.
Wie lange dauerte der Ausbruch des Tajogaite?
85 Tage, vom 19. September bis zum 13. Dezember 2021. Die Lava bedeckte rund 1.200 Hektar und zerstörte etwa 3.000 Gebäude.
Wann ist die beste Zeit für Wanderungen?
Von Oktober bis Mai. Im Hochsommer ist die Vulkanroute heiß und schattenlos, im Winter kann es in der Höhe schneien.
Wo sieht man die Sterne am besten?
Am Roque de los Muchachos und an den ausgeschilderten Miradores astronómicos. Am dunkelsten ist es in Nächten ohne Mond.