Lesbos in der Nordägäis ist mit rund 1.633 Quadratkilometern die drittgrößte Insel Griechenlands, nach Kreta und Euböa. Sie liegt nur rund 15 Kilometer vor der türkischen Küste und ist bekannt für Olivenhaine, Ouzo, einen versteinerten Wald und Vogelbeobachtung. Massentourismus gibt es kaum.

Lesbos auf einen Blick

  • Hauptstadt: Mytilini im Südosten, zugleich Universitätsstadt und Fährhafen
  • Landschaft: zwei tief eingeschnittene Buchten, der Golf von Kalloni und der Golf von Gera; bewaldeter Osten, karger vulkanischer Westen
  • Höchster Berg: Lepetymnos mit 968 Metern im Norden, fast gleich hoch der Olympos (967 Meter) im Süden
  • Landwirtschaft: rund 11 Millionen Olivenbäume, Ouzo aus Plomari, Käse und Sardinen aus Kalloni
  • Berühmte Namen: die Dichterin Sappho, der Maler Theophilos, die Familie des Nobelpreisträgers Odysseas Elytis

Sehenswürdigkeiten

Mytilini

Die Hauptstadt ist ein lebendiger Ort mit Universität und ganzjährigem Stadtleben. Über dem Hafen liegt auf einem Pinienhügel die Festung, eine der größten im östlichen Mittelmeer, gebaut von Byzantinern, erweitert von der genuesischen Familie Gattilusi und später von den Osmanen. Die Kuppel der Kirche Agios Therapon prägt das Stadtbild am Hafen. Durch die Altstadt zieht sich die Einkaufsstraße Ermou mit alten Läden und Kafenia.

Im Vorort Varia, rund 4 Kilometer südlich, liegen zwei besondere Museen: Das Teriade-Museum zeigt Künstlerbücher, die der auf Lesbos geborene Pariser Verleger Tériade mit Matisse, Picasso, Chagall, Miró und Le Corbusier herausgab. Nebenan ist das Theophilos-Museum dem naiven Maler Theophilos Hatzimichail gewidmet, der in Dörfern der Insel Wandbilder gegen Essen und Unterkunft malte.

Molyvos (Mithymna)

Molyvos an der Nordküste gilt als schönster Ort der Insel. Steinhäuser mit Holzerkern und rot gedeckten Dächern ziehen sich einen Hügel hinauf, oben thront die genuesische Burg. Unten liegt ein kleiner Fischerhafen mit Tavernen. Die Altstadt steht unter Denkmalschutz, Neubauten müssen sich im Stil anpassen.

Petra

Wenige Kilometer südlich von Molyvos erhebt sich mitten im Ort Petra ein Felsen, auf dem die Kirche Panagia Glykofilousa steht. 114 Stufen führen hinauf, oben bietet sich ein weiter Blick über den Strand. Im Ort lohnt das Herrenhaus Vareltzidena mit bemalten Wänden aus dem 18. Jahrhundert.

Versteinerter Wald bei Sigri

Im Westen der Insel liegen versteinerte Baumstämme, die vor rund 20 Millionen Jahren bei Vulkanausbrüchen unter Asche begraben wurden. Manche Stämme stehen noch aufrecht, einige sind mehrere Meter hoch. Das Gebiet ist Teil des UNESCO Global Geopark Lesbos. Das Naturkundemuseum des Versteinerten Waldes in Sigri erklärt die Entstehung und zeigt Fundstücke. Zusätzlich gibt es ausgeschilderte Parks im Gelände bei Sigri und Plaka.

Eresos und Skala Eresou

Das Dorf Eresos im Südwesten gilt als Geburtsort der Dichterin Sappho, die um 600 v. Chr. lebte. Ihre Gedichte über die Liebe, auch zwischen Frauen, machten den Namen der Insel zum Begriff „lesbisch“. Am Meer liegt Skala Eresou mit einem kilometerlangen dunklen Sandstrand und entspannter Atmosphäre. Der Ort ist bis heute ein Treffpunkt für Frauen aus aller Welt, im September findet ein internationales Frauenfestival statt.

Plomari und Agiasos

Plomari an der Südküste ist das Zentrum der Ouzo-Herstellung auf Lesbos. Mehrere Destillerien, darunter Barbayannis und das Ouzo-Museum der Brennerei Plomari, bieten Führungen an. Agiasos am Hang des Olympos ist ein Bergdorf mit gepflasterten Gassen, Kastanienwäldern und Töpfereien. Die Kirche Panagia Vrefokratousa ist eine der wichtigsten Pilgerstätten der Insel, am 15. August kommen Tausende Gläubige.

Thermalquellen

Lesbos hat mehrere heiße Quellen. Bei Eftalou östlich von Molyvos fließt das Wasser in ein altes Kuppelbad direkt am Kieselstrand; man kann danach ins Meer springen. Die Quelle von Polichnitos im Süden gehört mit fast 90 Grad am Austritt zu den heißesten Europas und speist ein restauriertes Badehaus.

Strände

Die Strände von Lesbos sind lang, oft kaum bebaut und weit voneinander entfernt:

  • Vatera: rund 8 Kilometer langer Sand- und Feinkiesstrand im Süden, einer der längsten Griechenlands, mit wenigen Tavernen und Pensionen.
  • Skala Eresou: breiter Sandstrand im Südwesten mit Bars und Tavernen an der Promenade.
  • Petra und Anaxos: Sandstrände an der Nordküste, gut mit Molyvos zu kombinieren.
  • Tsonia: kleine Bucht im Nordosten mit rötlich schimmerndem Sand vulkanischen Ursprungs.
  • Agios Isidoros: Kieselstrand bei Plomari mit klarem Wasser.

Natur und Vogelbeobachtung

Lesbos ist eines der bekanntesten Ziele für Vogelbeobachter in Europa. Die Insel liegt auf einer Zugroute zwischen Afrika und Osteuropa. Besonders im April und Mai rasten hier Hunderte Arten.

  • Salinen von Kalloni: Flamingos, Säbelschnäbler, Stelzenläufer und Seeschwalben in den flachen Becken.
  • Flussmündungen bei Skala Kallonis: Reiher, Rallen und Watvögel.
  • Offenes Hügelland im Westen: Rotfußfalken, Bienenfresser, Blauracken und Steinrötel.
  • Pinienwälder im Osten: Singvögel und Greifvögel wie der Schlangenadler.

Die meisten Beobachter wohnen in Skala Kallonis, weil die wichtigsten Gebiete von dort schnell erreichbar sind. Ein Fernglas und frühe Morgenstunden bringen die besten Ergebnisse.

Anreise

Der Flughafen „Odysseas Elytis“ liegt rund 8 Kilometer südlich von Mytilini. Er ist nach dem Lyriker benannt, der 1979 den Literaturnobelpreis erhielt und dessen Familie aus Lesbos stammt. Im Sommer gibt es Charterflüge aus Mitteleuropa, sonst geht es über Athen oder Thessaloniki.

Fähren fahren ab Piräus nach Mytilini, die Überfahrt dauert je nach Route rund 11 bis 13 Stunden, meist über Nacht. Weitere Verbindungen bestehen nach Chios, Limnos und Thessaloniki. In die Türkei fahren Fähren nach Ayvalık und Dikili. Auf der Insel verbinden Busse Mytilini mit den größeren Orten, für Sigri, Eresos und die Vogelgebiete ist ein Mietwagen die bessere Wahl. Die Entfernungen sind groß: Von Mytilini nach Sigri sind es rund 90 Kilometer.

Reisezeit und Küche

Die beste Zeit liegt zwischen Mai und Oktober. April und Mai sind ideal für Vogelbeobachter und Wanderer, Juli und August heiß und trocken. Im September ist das Meer noch warm und die Strände leer.

  • Sardinen aus Kalloni: kurz eingesalzen und roh gegessen oder gegrillt, am besten mit einem Glas Ouzo.
  • Ladotyri Mytilinis: harter Schafskäse mit geschützter Ursprungsbezeichnung, früher in Olivenöl gelagert.
  • Kolokithoanthi: mit Reis und Kräutern gefüllte Zucchiniblüten.
  • Ouzo: Lesbos gilt als wichtigste Ouzo-Region Griechenlands, getrunken mit Wasser und Eis zu kleinen Mezedes.

Häufige Fragen

Wie komme ich nach Lesbos?

Per Flug nach Mytilini, im Sommer auch direkt aus Mitteleuropa, oder per Nachtfähre ab Piräus in rund 11 bis 13 Stunden.

Was ist die wichtigste Sehenswürdigkeit von Lesbos?

Für die meisten Besucher Molyvos mit seiner Burg und der Versteinerte Wald bei Sigri. Kulturinteressierte ergänzen das Teriade- und das Theophilos-Museum in Varia.

Wann ist die beste Zeit für Vogelbeobachtung?

Im April und Mai während des Frühjahrszugs, rund um die Salinen und Flussmündungen am Golf von Kalloni.

Braucht man auf Lesbos ein Auto?

Für die Hauptstadt und Molyvos reicht der Bus. Wer den Westen mit Sigri und Eresos oder die Vogelgebiete besuchen will, braucht einen Mietwagen.