Madeira lässt sich nicht auf einen einzigen Urlaubstyp reduzieren: Zwischen der Hauptstadt Funchal, den Bewässerungskanälen der Levadas und dem 1.862 m hohen Pico Ruivo liegen auf rund 740 km² dichte Laurisilva, steile Küsten und Orte zum Baden.
Madeira verbindet Atlantikküste, Wald und hohe Berge auf engem Raum
Mit 57 km Länge und 22 km Breite ist Madeira die größte Insel des gleichnamigen Archipels. Sie gehört als Autonome Region zu Portugal und ragt als Spitze eines abgesunkenen Schildvulkans etwa 6 km vom Atlantikboden auf. Die Wege zwischen Küste und Bergland sind deshalb kurz, die Höhenunterschiede jedoch groß.
Der Pico Ruivo bildet mit 1.862 m den höchsten Punkt. An der Südküste rund um Funchal ist es wärmer und trockener als an der feuchteren, grüneren Nordküste. In Funchal liegt die Durchschnittstemperatur im Februar bei rund 16 °C, im August bei rund 23 °C. In den Hochlagen können die Temperaturen dagegen 10 bis 12 °C unter denen von Funchal liegen.
Der Beiname Ilha Jardim, Garteninsel, verweist auf die üppige Vegetation. Besonders prägt sie die Nordflanke: Die Laurisilva-Wälder holen einen großen Teil ihres Wassers aus Wolken und Nebel. Wetter und Landschaft ändern sich deshalb oft innerhalb weniger Kilometer.
Funchal liefert den einfachsten Einstieg in Stadt und Höhenlage
Mit rund 105.000 Einwohnern ist Funchal die Hauptstadt und größte Stadt der Insel. Auf funcho, wilden Fenchel, geht ihr Name zurück: Bei der Stadtgründung wuchs die Pflanze reichlich. Als Basis für die ersten Tage verbindet die Stadt Hafen, Altstadt und die Wege in die höheren Lagen.
Die Seilbahn Funchal–Monte macht diesen Übergang konkret: Auf rund 3,7 km Strecke überwindet sie 560 Höhenmeter in etwa 15 Minuten.
Levadas öffnen den Lorbeerwald über alte Wartungspfade
Levadas sind Bewässerungskanäle, die ab dem 15. Jahrhundert gebaut wurden, um Wasser zur trockeneren Südseite zu leiten. Das Netz umfasst je nach Zählung rund 2.170 bis 3.100 km mit mehr als 200 einzelnen Kanälen. Entlang dieser Wasserwege entstanden etwa 1.400 km Wartungspfade, die heute als Wanderwege dienen und oft an den Höhenlinien verlaufen.
Viele dieser Wege führen durch die Laurisilva. Der Lorbeerwald gehört seit 1999 zum UNESCO-Weltnaturerbe und umfasst etwa 15.000 ha; rund 90 % davon gelten als Primärwald.
Drei Wanderungen machen den Unterschied zwischen flach, nass und alpin sichtbar
PR9 Levada do Caldeirão Verde für eine lange, fast flache Runde
Die PR9 startet bei Queimadas nahe Santana und führt auf rund 13 km hin und zurück zum Caldeirão Verde. Für die Strecke sind 4 bis 5 Stunden anzusetzen. Vier unbeleuchtete Tunnel liegen auf dem Weg; eine Stirnlampe gehört deshalb zur Ausrüstung. Am Ende fällt ein etwa 100 m hoher Wasserfall in einen grünen Felskessel.
PR6 25 Fontes für Quellen und eine kombinierbare Strecke
Die PR6 Levada das 25 Fontes beginnt am Paul-da-Serra/Rabaçal und ist je nach Variante 9 bis 12 km lang. Die Gehzeit liegt bei 3 bis 5 Stunden. Ziel ist ein Felsamphitheater, an dessen Klippen etwa zwei Dutzend Quellen austreten. Die Zufahrtsstraße zum Startpunkt ist für Privatfahrzeuge gesperrt; vorgesehen sind ein Shuttle oder 2 km Fußweg. Die PR6 lässt sich mit der PR6.1 Levada do Risco verbinden.
PR1 von Pico do Arieiro zum Pico Ruivo für trittsichere Bergwanderer
Vom 1.818 m hohen Pico do Arieiro führt die PR1 zum 1.862 m hohen Pico Ruivo. Die 7 km lange Einwegstrecke gilt als schwierig und dauert etwa 3,5 Stunden. Über schmale, ausgesetzte Grate und durch mehrere Tunnel verläuft die Route; Trittsicherheit, Stirnlampe und warme Kleidung sind hier keine Nebensache.
Die PR1 ist nur in einer Richtung vom Arieiro zum Ruivo begehbar. Als kürzere Alternative zum Pico Ruivo dient die PR1.2 ab Achada do Teixeira mit 5,6 km hin und zurück. Auf den Gipfeln können es 10 bis 15 °C weniger sein als in Funchal.
Reservierung, QR-Code und Gebühr müssen vor dem Start geklärt sein
Für alle klassifizierten PR-Wanderwege ist eine Online-Reservierung über das SIMplifica-Portal nötig. Die Buchung umfasst ein Zeitfenster und eine Gebühr; Ranger kontrollieren den QR-Code. Die Regelgebühr beträgt 4,50 € pro Person, auch für PR9 und PR6. Für die PR1 fallen 10,50 € an.
- Die Zeitfenster sind 30 Minuten lang; der Start muss im gebuchten Fenster liegen.
- Alle Besucher müssen registriert werden, unabhängig vom Alter.
- Einwohner Madeiras wandern kostenlos, buchen aber ebenfalls.
Cabo Girão, Porto Moniz und Porto Santo setzen drei andere Akzente
Cabo Girão zeigt die Südküste aus 580 m Höhe
An der Südküste ragt Cabo Girão als 580 m hohe Meeresklippe auf. Der Skywalk besitzt eine Glasplattform. Für Erwachsene kostet der Eintritt 5 €; Kinder bis 12 Jahre und Madeira-Bewohner haben freien Zugang.
Porto Moniz bringt Meerwasser in vulkanische Becken
In Porto Moniz an der Nordwestküste entstanden Naturpools aus erkaltender Lava. Das Hauptbecken misst 3.800 m² und ist etwa 2 m tief; dazu gehören Kinderbecken, Umkleiden und ein Sonnenliegenverleih. Die Gezeiten erneuern das Meerwasser fortlaufend. Die Cachalote Natural Swimming Pools am Ortseingang sind kostenfrei zugänglich.
Porto Santo steht für 9 km zusammenhängenden Sand
Etwa 43 km nordöstlich von Madeira liegt Porto Santo mit 42,5 km² Fläche. Wegen ihres 9 km langen, durchgehenden goldgelben Strands trägt die Insel den Beinamen Ilha Dourada. Täglich fährt die Fähre Lobo Marinho von Funchal nach Porto Santo und benötigt etwa 2,5 Stunden; der Flug dauert etwa 15 Minuten.
Flughafen, Aerobus und Mietwagen bestimmen die Wege zwischen den Orten
In Santa Cruz liegt der Cristiano Ronaldo Airport (FNC), 13 bis 18 km nordöstlich von Funchal. Der Aerobus fährt vom Flughafen ins Zentrum von Funchal, Funchal ist also auch ohne Mietwagen gut erreichbar.
Für Ziele außerhalb der Stadt wird die Abholung eines Mietwagens direkt am Flughafen empfohlen, weil Funchals Altstadt enge Straßen hat und für Erstfahrer schwierig sein kann. Seit Juni fallen für Verbrenner 2 € Mietwagen-Abgabe pro Tag an, für Elektrofahrzeuge 1 €; die Abgabe ist auf 10 Tage begrenzt. Meist liegt das Mindestalter bei 21 Jahren, der Führerschein muss mindestens 1 Jahr bestehen.
Innerorts gilt Tempo 50 km/h, auf Landstraßen 90 km/h; die Promillegrenze beträgt 0,5.
Häufige Fragen
Welche Levada eignet sich für eine fast flache Wanderung?
Die PR9 Levada do Caldeirão Verde ist auf rund 13 km hin und zurück fast flach und dauert 4 bis 5 Stunden. Wegen der 4 unbeleuchteten Tunnel ist eine Stirnlampe erforderlich.
Muss man Wanderwege auf Madeira reservieren?
Ja. Für alle klassifizierten PR-Wanderwege ist eine Online-Reservierung über SIMplifica mit Zeitfenster nötig. Den QR-Code kontrollieren Ranger.
Was kostet die PR1 zwischen Pico do Arieiro und Pico Ruivo?
Für die gesamte PR1 beträgt die Gebühr 10,50 € pro Person, mit Reservierung über SIMplifica.
Wo lassen sich auf Madeira Naturpools finden?
Porto Moniz an der Nordwestküste besitzt vulkanische Naturpools. Das Hauptbecken ist 3.800 m² groß, während die Cachalote Natural Swimming Pools kostenfrei zugänglich sind.