Der Inselstaat Malediven besteht ausschließlich aus Atollen. Wer eine Reise plant, stößt schnell auf Namen wie Ari, Baa oder Kaafu – und auf die Verwirrung, dass geografische Atolle und Verwaltungsatolle nicht dasselbe sind. Dieser Ratgeber erklärt, was ein Atoll ist, wie das System funktioniert und welche Atolle sich für welchen Urlaub eignen.

Was ein Atoll ist

Ein Atoll ist ein ringförmiges Korallenriff, das eine flache Lagune umschließt. Auf dem Riffring liegen einzelne Inseln aus Korallensand, dazwischen Lücken, durch die das Meer ein- und ausströmt. Solche Atolle gibt es vor allem im Indischen Ozean und im Pazifik.

Die Entstehung erklärte Charles Darwin bereits im 19. Jahrhundert: Zuerst wächst ein Saumriff um eine Vulkaninsel. Sinkt die Insel langsam ab, wachsen die Korallen weiter nach oben zum Licht. Am Ende ist der Vulkan verschwunden, übrig bleibt der Riffring mit der Lagune. Die Malediven sitzen auf dem Chagos-Lakkadiven-Rücken, einem untermeerischen Gebirgszug, der sich von den Lakkadiven vor Indien bis zum Chagos-Archipel zieht.

Übrigens stammt das Wort selbst von den Malediven: „Atoll“ geht auf das Dhivehi-Wort atholhu zurück und wurde über europäische Seefahrer in viele Sprachen übernommen.

Begriffe, die man vor Ort hört

  • Faru: ein kleines Ringriff innerhalb eines Atolls, oft mit eigener Mini-Lagune. Auf vielen Farus liegen die Resortinseln.
  • Kandu: ein Kanal im Außenriff, durch den das Wasser mit den Gezeiten strömt. Kandus sind die fischreichsten Tauchplätze.
  • Thila: ein Riffberg, der sich in der Lagune bis knapp unter die Oberfläche erhebt, etwa Maaya Thila im Ari-Atoll.
  • Giri: ein Riffberg, der bis an die Oberfläche reicht.

Geografische Atolle und Verwaltungsatolle

Die Malediven gliedern sich in 26 natürliche Atolle, aber in nur 20 Verwaltungsatolle plus die Hauptstadt Malé. Beide Einteilungen decken sich nicht: Große Atolle sind auf mehrere Verwaltungsbezirke aufgeteilt, kleine Atolle sind mit Nachbaratollen zusammengefasst. Die Verwaltungsatolle tragen Namen nach Buchstaben des Thaana-Alphabets, in dem Dhivehi geschrieben wird – so entstehen Namen wie Haa Alif, Baa, Kaafu oder Alif Alif. In Reiseangeboten werden beide Namensformen gemischt, etwa „Ari-Atoll“ (geografisch) und „Alif Dhaal“ (Verwaltung).

Zu den größten Atollen der Welt zählen Huvadhu im Süden sowie das Doppelatoll Thiladhunmathi-Miladhunmadulu im Norden, das sich über mehrere Verwaltungsatolle erstreckt.

Die geografischen Atolle und ihre Zuordnung

  • Ihavandhippolhu – Haa Alif
  • Thiladhunmathi-Miladhunmadulu – Haa Alif, Haa Dhaalu, Shaviyani, Noonu
  • Makunudhoo – Haa Dhaalu
  • Alifushi – Raa
  • Nord-Maalhosmadulu – Raa
  • Süd-Maalhosmadulu – Baa
  • Goidhoo – Baa
  • Faadhippolhu – Lhaviyani
  • Kaashidhoo – Kaafu
  • Gaafaru – Kaafu
  • Nord-Malé – Kaafu und Stadt Malé
  • Süd-Malé – Kaafu
  • Thoddoo – Alif Alif
  • Rasdhoo – Alif Alif
  • Ari – Alif Alif, Alif Dhaal
  • Felidhoo – Vaavu
  • Vattaru – Vaavu
  • Mulaku – Meemu
  • Nord-Nilandhe – Faafu
  • Süd-Nilandhe – Dhaalu
  • Kolhumadulu – Thaa
  • Hadhdhunmathi – Laamu
  • Huvadhu – Gaafu Alif, Gaafu Dhaalu
  • Fuvahmulah – Gnaviyani
  • Addu – Seenu

Die Verwaltungsatolle von Nord nach Süd

  • Haa Alif
  • Haa Dhaalu
  • Shaviyani
  • Noonu
  • Raa
  • Baa
  • Lhaviyani
  • Kaafu (mit der Stadt Malé als eigener Verwaltungseinheit)
  • Alif Alif
  • Alif Dhaal
  • Vaavu
  • Meemu
  • Faafu
  • Dhaalu
  • Thaa
  • Laamu
  • Gaafu Alif
  • Gaafu Dhaalu
  • Gnaviyani
  • Seenu

Die bekanntesten Atolle für Urlauber

Nord- und Süd-Malé-Atoll (Kaafu)

Das Atoll rund um die Hauptstadt ist am schnellsten erreichbar: Viele Resorts liegen 15 bis 60 Minuten per Schnellboot vom Flughafen entfernt, ein Wasserflugzeug ist nicht nötig. Bekannte Tauchplätze sind das Banana Reef, einer der ersten erschlossenen Tauchplätze des Landes, und Manta Point (Lankan), eine Putzerstation für Mantas. Die Einheimischeninseln Maafushi, Guraidhoo und Huraa bieten viele Gästehäuser.

Ari-Atoll (Alif Alif und Alif Dhaal)

Eines der größten Atolle und ein Klassiker für Taucher. Im Süden um Dhigurah und Maamigili sind Walhaie ganzjährig anzutreffen. Maaya Thila ist für Nachttauchgänge bekannt, Fish Head (Mushimasmingili Thila) für Graue Riffhaie. Transfer meist per Wasserflugzeug, in den Norden auch per Schnellboot.

Baa-Atoll

Das gesamte Atoll ist UNESCO-Biosphärenreservat. In der Hanifaru Bay sammeln sich von etwa Mai bis November Mantas zum Fressen, an manchen Tagen über hundert Tiere. Schnorcheln ist dort nur mit Rangern erlaubt, Tauchen ist verboten. Anreise per Wasserflugzeug oder Inlandsflug nach Dharavandhoo.

Lhaviyani

Das kompakte Atoll im Norden ist für das Wrack Shipyard bekannt, einen senkrecht aus dem Wasser ragenden Frachter, und für den Kanal Kuredu Express mit starker Strömung und Großfisch.

Vaavu

Ein ruhiges, wenig besiedeltes Atoll mit einigen der besten Kanäle des Landes, darunter Fotteyo Kandu mit Höhlen und Überhängen. Vor der Insel Alimatha sammeln sich nachts Ammenhaie und Stachelrochen. Fulidhoo ist eine beliebte Gästehausinsel.

Raa und Noonu

Im Norden sind in den letzten Jahren viele neue Luxusresorts entstanden, oft mit großzügigen Villen und unberührten Riffen. Die Anreise dauert per Wasserflugzeug rund 45 Minuten.

Laamu

Im Süden gelegen, mit wenigen Resorts, gutem Surfspot (Yin Yang) und vielen Meeresschildkröten. Erreichbar per Inlandsflug nach Kadhdhoo.

Addu (Seenu)

Das südlichste Atoll liegt südlich des Äquators. Auf Gan betrieb die britische Luftwaffe bis 1976 einen Stützpunkt, das alte Flugfeld ist heute der Flughafen. Mehrere Inseln sind über Dämme verbunden, die sogenannte Link Road. Vor der Küste liegt das Wrack der British Loyalty, eines im Zweiten Weltkrieg torpedierten Tankers. Hier befindet sich auch mit rund 2,4 Metern der höchste natürliche Punkt des Landes auf der Insel Villingili.

Fuvahmulah

Eine einzelne, vergleichsweise große Insel, die ein eigenes Atoll bildet, ohne Lagune. Fuvahmulah ist für Begegnungen mit Tigerhaien bekannt, außerdem mit Fuchshaien und saisonal Hammerhaien. Die Tauchgänge finden im offenen Ozean statt und sind eher etwas für Erfahrene.

Welches Atoll passt zu wem?

  • Kurze Anreise, kurze Reise: Nord- oder Süd-Malé-Atoll
  • Walhaie und Großfisch: Süd-Ari-Atoll
  • Mantas: Baa-Atoll (Mai bis November) oder Manta Point im Malé-Atoll
  • Einheimischeninseln mit kleinem Budget: Maafushi, Dhigurah, Fulidhoo, Thoddoo
  • Abgeschiedenheit und Luxus: Raa, Noonu, Laamu
  • Haie für erfahrene Taucher: Fuvahmulah

Häufige Fragen

Wie viele Atolle haben die Malediven?

Es gibt 26 natürliche Atolle, die in 20 Verwaltungsatolle und die Hauptstadt Malé gegliedert sind.

Was ist der Unterschied zwischen Ari-Atoll und Alif Alif?

Ari ist das geografische Atoll. Verwaltungstechnisch gehört sein Nordteil zu Alif Alif, sein Südteil zu Alif Dhaal.

Welches Atoll ist am besten zum Schnorcheln?

Das hängt vom Hausriff des Resorts ab. Für Mantas ist das Baa-Atoll bekannt, für Walhaie das Süd-Ari-Atoll.

Woher kommt das Wort Atoll?

Aus dem Dhivehi, der Sprache der Malediven. Das Wort atholhu wurde von europäischen Seefahrern übernommen.