Mallorca galt lange als Putzfraueninsel, später als Partyinsel. Wer einmal durch die Serra de Tramuntana gefahren ist oder an einem Maimorgen in Santanyí über den Markt gebummelt ist, weiß: Die größte Baleareninsel ist abwechslungsreicher als ihr Ruf.

Ausgesprochen wird der Name übrigens „Majorka“ – das doppelte L klingt im Spanischen und Katalanischen wie ein J.

Mallorca in Zahlen

Mallorca ist mit rund 3.640 Quadratkilometern die größte der Balearen und liegt etwa 170 Kilometer vor der spanischen Ostküste. Die Küste misst rund 550 Kilometer. Auf der Insel leben knapp eine Million Menschen, etwa die Hälfte davon in der Hauptstadt Palma. Zwei Gebirgszüge prägen die Insel: die hohe Serra de Tramuntana im Nordwesten und die niedrigere Serra de Llevant im Osten. Dazwischen liegt eine weite, landwirtschaftlich genutzte Ebene.

Die sechs Landschaften der Insel

Palma

Die kleinste Region umfasst im Wesentlichen das Stadtgebiet der Hauptstadt an der gleichnamigen Bucht. Hier liegen Hafen, Flughafen und der Großteil der Arbeitsplätze.

Serra de Tramuntana

Das Gebirge zieht sich von Andratx im Südwesten bis Pollença und zum Cap de Formentor im Nordosten. Der Puig Major ist mit 1.445 Metern der höchste Berg der Insel. Seit 2011 ist die Serra als Kulturlandschaft UNESCO-Welterbe, vor allem wegen der Trockenmauern und Terrassen. Hier liegen Sóller, Valldemossa, Deià und Fornalutx.

Es Raiguer

Am Fuß der Berge liegen Inca, Binissalem und Alaró. Inca ist traditionell ein Zentrum der Leder- und Schuhherstellung, um Binissalem wird Wein mit eigener Herkunftsbezeichnung angebaut.

Es Pla

Die flache Inselmitte ist geprägt von Feldern, Mandel- und Johannisbrotbäumen und alten Windmühlen. In Sineu findet jeden Mittwoch einer der ältesten Märkte der Insel statt. Petra ist der Geburtsort des Missionars Junípero Serra, der in Kalifornien Missionsstationen gründete.

Llevant

Der Osten mit der Serra de Llevant umfasst Artà, Capdepera und Cala Ratjada. Neben felsigen Buchten gibt es hier die Tropfsteinhöhlen von Artà und die Festung von Capdepera.

Migjorn

Im Süden liegen Felanitx, Santanyí, Ses Salines und Campos. Die Küste ist flach mit Dünen und Salinen oder zerklüftet mit tief eingeschnittenen Buchten, den Calas. Am Cap de ses Salines steht der südlichste Leuchtturm der Insel.

Palma: mehr als ein Umsteigeort

Palma lohnt mindestens einen vollen Tag. Die gotische Kathedrale La Seu steht direkt über dem Meer, ihr Inneres wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Antoni Gaudí umgestaltet. Die große Rosette über dem Hauptaltar gehört zu den größten gotischen Fensterrosen Europas. Daneben liegt der Palau de l’Almudaina, ursprünglich eine maurische Burg, später Palast der Könige von Mallorca.

In den Gassen der Altstadt öffnen viele Stadtpaläste ihre Innenhöfe (Patios). Einkaufen wie die Einheimischen geht im Mercat de l’Olivar mit Fisch-, Obst- und Tapasständen. Das runde Castell de Bellver aus dem 14. Jahrhundert steht auf einem Hügel im Westen der Stadt und beherbergt das Stadtmuseum. Abends zieht es viele nach Santa Catalina, das frühere Fischerviertel ist heute voller Restaurants. Entlang der Bucht führt ein Rad- und Fußweg vom Paseo Marítimo bis zur Playa de Palma.

Orte im Porträt

Sóller und Port de Sóller

Sóller liegt in einem Tal voller Orangen- und Zitronenbäume. Von Palma fährt die historische Holzbahn durch 13 Tunnel über die Berge, im Ort geht es mit der Straßenbahn weiter zum Hafen Port de Sóller.

Valldemossa

Das Bergdorf wird von seiner Kartause überragt. Im Winter 1838/39 wohnten dort Frédéric Chopin und George Sand, die Zellen sind heute zu besichtigen. Der Ort liegt rund 400 Meter hoch.

Pollença

Vom Hauptplatz führen 365 Stufen auf den Kalvarienberg mit einer kleinen Kapelle und Blick bis zur Bucht. Jeden Sonntag ist Markt.

Alcúdia

Die Altstadt ist von einer mittelalterlichen Mauer umgeben, gleich daneben liegen die Reste der Römerstadt Pollentia. Die Bucht von Alcúdia hat einen über zehn Kilometer langen Sandstrand bis Can Picafort.

Santanyí

Das Städtchen aus goldgelbem Sandstein ist bekannt für seinen Samstagsmarkt und seine Galerien. Von hier sind es nur wenige Kilometer zu den Buchten Cala Llombards und Cala s’Almunia.

Manacor

Eine der größten Städte der Insel, bekannt für die Kunstperlen von Majorica. Tennisprofi Rafael Nadal stammt von hier, seine Akademie mit Museum liegt am Stadtrand.

Cala Ratjada

Der frühere Fischerort im Nordosten ist heute ein Ferienort mit Nachtleben. Der Leuchtturm am Cap de Capdepera markiert den östlichsten Punkt Mallorcas.

Die schönsten Strände

Es Trenc im Süden ist ein Naturstrand mit Dünen und ohne Hotelbebauung, im Sommer aber gut besucht. Caló des Moro bei Cala s’Almunia ist eine winzige Bucht mit sehr klarem Wasser, erreichbar nur zu Fuß – an Sommertagen hoffnungslos überfüllt, früh morgens am schönsten. Im Naturpark Mondragó liegen zwei geschützte Buchten mit Wanderwegen. Für Familien eignen sich die flache Platja de Muro und die Bucht von Alcúdia. Cala Agulla bei Cala Ratjada hat hellen Sand und Pinienwald im Hintergrund.

Die Platja de Formentor liegt am Ende der Halbinsel Formentor. In der Hochsaison ist die Straße dorthin tagsüber für Privatautos gesperrt, dann fährt ein Bus ab Port de Pollença. Die Playa de Palma ist rund sechs Kilometer lang und in nummerierte Abschnitte (Balnearios) geteilt, der bekannteste ist „Ballermann 6“.

Anreise und Unterwegs

Der Flughafen Palma de Mallorca (Son Sant Joan) liegt rund acht Kilometer östlich der Stadt und ist einer der größten Spaniens. Die Buslinie A1 fährt ins Zentrum, weitere Linien direkt in Ferienorte. Fähren verbinden Palma mit Barcelona, Valencia und Ibiza, Alcúdia mit Menorca.

Auf der Insel verbinden die TIB-Busse fast alle Orte mit Palma. Eine Bahn fährt nach Inca, Sa Pobla und Manacor. Für Buchten, Bergdörfer und Märkte ist ein Mietwagen am bequemsten. Auf den Serpentinen der Tramuntana sind am Wochenende viele Rennradfahrer unterwegs.

Unterkunft

Neben großen Hotelzonen wie Playa de Palma, Magaluf, Cala Millor und Alcúdia gibt es viele Fincas im Inselinneren und kleine Stadthotels in Palma, Sóller und Pollença. Ferienwohnungen brauchen eine touristische Lizenz, deren Nummer im Inserat stehen muss. In Palma ist die Ferienvermietung von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern seit 2018 verboten.

Reisezeit

Baden kann man von Juni bis Oktober, im August ist das Meer um die 25 °C warm. Juli und August sind heiß, voll und teuer. Für Wanderungen in der Tramuntana und Radtouren eignen sich März bis Mai sowie Oktober und November. Ende Januar bis Anfang März blühen die Mandelbäume, besonders schön in der Inselmitte. Im Winter schließen viele Hotels in den Badeorten, Palma und Sóller bleiben dagegen lebendig.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Mallorca?

Für Palma, die Tramuntana und zwei, drei Strände reicht eine Woche. Wer wandern oder die ganze Insel mit dem Auto erkunden will, plant zwei Wochen ein.

Wo ist Mallorca am ruhigsten?

Im Inselinneren um Sineu und Petra, in den Bergdörfern der Tramuntana und im Südosten um Santanyí. Die großen Hotelzonen liegen an den Buchten von Palma und Alcúdia sowie an der Ostküste.

Braucht man auf Mallorca ein Auto?

Nicht zwingend. Palma, Sóller und viele Ferienorte sind mit Bus und Bahn erreichbar. Für versteckte Buchten und kleine Dörfer ist ein Mietwagen aber deutlich praktischer.

Welche Sehenswürdigkeiten sollte man nicht verpassen?

Die Kathedrale von Palma, die Fahrt mit dem Zug nach Sóller, Valldemossa und das Cap de Formentor. Weitere Ziele stehen bei den Sehenswürdigkeiten auf Mallorca.