Menorca ist die ruhige Schwester Mallorcas: grüne Hügel, Buchten mit türkisfarbenem Wasser, Steindenkmäler aus der Bronzezeit und zwei Städte, die sich an einem Tag erkunden lassen. Eine Legende sagt sogar, dass die Mayonnaise hier erfunden wurde.
Menorca in Kürze
Die Römer nannten die Insel „Minorica“, die kleinere – im Vergleich zu Mallorca. Mit rund 700 Quadratkilometern ist Menorca die zweitgrößte der Balearen, auf ihr leben etwa 100.000 Menschen. Seit 1993 ist die ganze Insel UNESCO-Biosphärenreservat. Das bremst die Bebauung: Große Hotelburgen gibt es kaum, viele Küstenabschnitte sind nur zu Fuß erreichbar.
Die Landschaft teilt sich in zwei Hälften. Der Norden (Tramuntana) ist hügelig, mit rötlichen und dunklen Felsen und zerklüfteten Buchten. Der Süden (Migjorn) ist flacher, aus hellem Kalkstein, mit Schluchten (Barrancs) und weißen Sandbuchten zwischen Pinien.
Zur Mayonnaise: Die Geschichte erzählt, dass der Koch des französischen Herzogs von Richelieu 1756 nach der Eroberung von Maó eine Soße aus Ei und Öl zubereitete, die „Mahonnaise“. Belegt ist das nicht, auf Menorca heißt sie aber bis heute „salsa mahonesa“.
Maó und Ciutadella
Maó (Mahón)
Maó ist seit 1722 Hauptstadt – damals verlegten die Briten, die Menorca im 18. Jahrhundert mit Unterbrechungen beherrschten, den Sitz hierher. Ihre Spuren sieht man an den Schiebefenstern der Häuser. Der Naturhafen ist rund fünf Kilometer lang und gehört zu den größten Naturhäfen der Welt. Bootsfahrten führen an der Festung La Mola, der Illa del Rei und der ehemaligen Quarantäneinsel Illa del Llatzeret vorbei. Am Hafen steht die Destillerie Xoriguer, die den Menorca-Gin nach britischem Vorbild brennt. Einen Stadtstrand hat Maó nicht.
Ciutadella
Ciutadella im Westen war bis 1722 die Hauptstadt. Die Altstadt mit Kathedrale, Stadtpalästen und Arkadengassen (Ses Voltes) ist kompakter und stimmungsvoller als die von Maó. Am Plaça des Born stehen Rathaus und Obelisk, unten im schmalen Hafen reihen sich Restaurants. Am 23. und 24. Juni feiert die Stadt das Fest Sant Joan: Reiter auf schwarzen menorquinischen Pferden lassen die Tiere mitten in der Menge steigen. Ciutadella ist an diesen Tagen restlos ausgebucht.
Dörfer, die sich lohnen
Fornells
Das Fischerdorf an einer tiefen Bucht im Norden ist bekannt für die Caldereta de Llagosta, einen Langusteneintopf. Die geschützte Bucht eignet sich gut für Windsurf- und Segelanfänger, am Ortsende steht ein restaurierter Wachturm.
Binibeca Vell
Das weiße Dorf im Südosten sieht aus wie ein altes Fischerdorf, wurde aber in den 1970er-Jahren als Feriensiedlung gebaut. Weil hier Menschen wohnen, sind Besuchszeiten ausgeschildert – abends und nachts sollte es ruhig bleiben.
Es Mercadal und Monte Toro
Von Es Mercadal führt eine Straße auf den Monte Toro, mit 358 Metern der höchste Berg der Insel. Oben stehen ein Kloster und eine Christusstatue, bei klarer Sicht sieht man bis Mallorca.
Alaior
Alaior ist das Zentrum der Käseherstellung. Der Mahón-Menorca hat eine geschützte Herkunftsbezeichnung und wird jung, halbreif oder lange gereift verkauft, oft direkt auf Höfen der Umgebung.
Ferreries
Der höchstgelegene Ort der Insel ist Ausgangspunkt für Wanderungen, etwa durch den Barranc d’Algendar, eine Schlucht, die bis zur Cala Galdana führt.
Talayotisches Menorca
Keine andere Mittelmeerinsel hat so viele vorgeschichtliche Steinbauten auf so engem Raum. Seit 2023 ist das „Talayotische Menorca“ UNESCO-Welterbe. Die wichtigsten Stätten:
- Naveta des Tudons bei Ciutadella: ein Grabbau in Form eines umgedrehten Bootsrumpfs, eines der ältesten erhaltenen Gebäude Europas.
- Torre d’en Galmés bei Alaior: eine der größten Siedlungen der Talayot-Kultur mit Türmen, Wohnhäusern und Zisternen.
- Taula de Torralba: eine gut erhaltene Taula, ein T-förmiges Monument aus zwei riesigen Steinplatten. Wozu die Taulas dienten, ist bis heute nicht geklärt, vermutlich waren sie Kultstätten.
Strände und Natur
Die bekanntesten Buchten liegen im Süden: Cala Macarella und die kleine Nachbarbucht Macarelleta, Cala Turqueta und Cala Mitjana. Weißer Sand, Pinien bis ans Wasser, keine Bebauung. Son Bou ist mit rund zweieinhalb Kilometern der längste Sandstrand der Insel und für Familien gut geeignet.
Im Norden wirkt die Küste rauer: Die Cala Pregonda mit ihrem rötlichen Sand und den vorgelagerten Felsen und der Strand von Cavalleria in der Nähe des gleichnamigen Leuchtturms sind nur über kurze Fußwege erreichbar. Im Sommer sind die Parkplätze an beliebten Buchten begrenzt und oft früh voll. Von Ciutadella fahren dann Busse zu Macarella und Turqueta.
Der Naturpark s’Albufera des Grau im Nordosten schützt eine Lagune mit vielen Wasservögeln. Nicht weit davon steht der Leuchtturm Cap de Favàritx auf dunklem Schiefer, eine fast mondähnliche Landschaft.
Camí de Cavalls
Der historische Reitweg führt einmal rund um die Insel, etwa 185 Kilometer in 20 Etappen. Er diente früher der Küstenwache. Heute ist er gut markiert und lässt sich abschnittsweise wandern, etwa von Cala Galdana zur Cala Macarella in rund einer Stunde. Für den Sommer gilt: früh starten, genug Wasser mitnehmen, Schatten gibt es wenig.
Essen, Trinken, Mitbringsel
Die Küche Menorcas ist von Fisch, Käse und britischen Einflüssen geprägt. Neben der Caldereta de Llagosta aus Fornells gibt es Oliaigua, eine einfache Suppe aus Tomaten, Zwiebeln und Öl, die über Brot gegossen wird. Zum Aperitif trinken Einheimische „Pomada“, Gin Xoriguer mit Zitronenlimonade, besonders bei den Sommerfesten der Dörfer. Beliebte Mitbringsel sind ein Laib Mahón-Menorca-Käse und die Avarques, flache Ledersandalen mit Sohlen, die ursprünglich aus alten Autoreifen geschnitten wurden.
Wo übernachten?
Wer Stadtleben und Restaurants in der Nähe möchte, wohnt in Ciutadella oder Maó und fährt tagsüber an die Strände. Familien wählen oft Ferienorte im Süden wie Cala Galdana, Son Bou oder Cala en Bosc. Ruhiger ist es im Norden rund um Fornells. Im Inselinneren gibt es umgebaute Landgüter, die hier „Llocs“ heißen.
Anreise und Unterwegs
Der Flughafen liegt rund fünf Kilometer südwestlich von Maó und wird im Sommer direkt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angeflogen, im Winter meist nur mit Umstieg. Fähren verbinden Ciutadella mit Alcúdia auf Mallorca und Maó bzw. Ciutadella mit Barcelona.
Der Verkehr läuft über eine zentrale Achse: Die Hauptstraße Me-1 verbindet Maó und Ciutadella, davon zweigen Stichstraßen zu den Küstenorten ab. Busse fahren in der Saison regelmäßig. Wer viele Buchten sehen will, ist mit dem Mietwagen am flexibelsten. Am Flughafen gibt es mehrere Vermieter – Preise und Versicherungsbedingungen vorher vergleichen.
Häufige Fragen
Ist Menorca gut für Familien?
Ja. Viele Strände im Süden wie Son Bou, Cala Galdana oder Cala en Bosc fallen flach ab, die Orte sind ruhig, die Wege kurz.
Wann ist die beste Reisezeit für Menorca?
Juni und September für Badeurlaub ohne größten Andrang, Mai und Oktober für Wanderungen auf dem Camí de Cavalls. Im Winter haben viele Hotels geschlossen.
Kann man von Menorca nach Mallorca fahren?
Ja, die Fähre von Ciutadella nach Alcúdia braucht je nach Schiff etwa eineinhalb bis zweieinhalb Stunden. Ein Tagesausflug ist möglich, aber knapp.
Was sollte man auf Menorca unbedingt sehen?
Die Altstadt von Ciutadella, den Hafen von Maó, eine Taula und eine der Südbuchten. Wer mehr Zeit hat, ergänzt Fornells und den Leuchtturm von Favàritx. Mehr Ziele bei den Sehenswürdigkeiten auf Menorca.