Naxos ist mit rund 430 Quadratkilometern die größte Insel der Kykladen – und eine der grünsten. Lange Sandstrände im Westen, Marmordörfer in den Bergen und antike Stätten machen sie zum Ziel für Badeurlauber, Wanderer und Kulturreisende, ohne dass große Hotelanlagen das Bild bestimmen.
Naxos auf einen Blick
- Lage: Mitte der Kykladen, zwischen Paros im Westen und Amorgos im Osten
- Fläche: rund 430 km², größte Kykladeninsel
- Höchster Berg: Zas mit 1.004 Metern, zugleich der höchste Gipfel der Kykladen
- Hauptort: Naxos-Stadt (Chora) mit Fährhafen und venezianischem Kastro
- Landwirtschaft: Kartoffeln, Oliven, Wein, Käse und der Zitronatlikör Kitron
- Charakter: fruchtbare Täler im Inselinneren, Sandstrände im Westen, raue Ostküste
Anders als die meisten Kykladen ist Naxos keine karge Felsinsel. Die Täler rund um Chalki und Sangri sind von Olivenhainen und Gemüsefeldern geprägt, und die Insel versorgt sich in weiten Teilen selbst. Das spürt man auf dem Teller: Kartoffeln, Käse und Fleisch kommen meist direkt von der Insel.
Sehenswürdigkeiten
Portara auf Palatia
Das Wahrzeichen von Naxos ist ein sechs Meter hohes Marmortor auf der kleinen Halbinsel Palatia direkt neben dem Hafen. Es ist das Eingangsportal eines Apollon-Tempels, den der Tyrann Lygdamis im 6. Jahrhundert v. Chr. beginnen ließ und der nie fertig wurde. Ein Damm verbindet Palatia mit der Stadt, der Weg dauert von der Hafenpromenade nur wenige Minuten. Am Abend treffen sich hier viele Besucher, um die Sonne hinter dem Tor untergehen zu sehen.
Kastro und Altstadt von Naxos-Stadt
Oberhalb des Hafens liegt das Kastro, die Burgsiedlung der Venezianer, die Naxos ab 1207 als Herzogtum des Archipels regierten. In den engen Gassen stehen Herrenhäuser mit Wappen über den Türen, die katholische Kathedrale und das Archäologische Museum mit Funden von der kykladischen Frühzeit bis in die Römerzeit. Unterhalb des Kastro ziehen sich die Viertel Bourgos und Agora mit Läden, Tavernen und Cafés bis zum Hafen hinunter.
Demeter-Tempel bei Sangri
Im Tal von Sangri, rund 12 Kilometer südöstlich der Stadt, steht der teilweise wiederaufgebaute Tempel der Göttin Demeter aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Er wurde vollständig aus naxischem Marmor errichtet, sogar das Dach. Ein kleines Museum am Gelände erklärt die Rekonstruktion. Die Lage inmitten von Feldern zeigt gut, warum Demeter als Göttin der Fruchtbarkeit gerade hier verehrt wurde.
Die liegenden Kouroi von Melanes und Apollonas
Naxos war in der Antike für seinen Marmor berühmt. Zwei riesige, unvollendete Jünglingsstatuen (Kouroi) liegen bis heute dort, wo die Bildhauer sie aufgaben. Der Kouros von Melanes bei Flerio ist rund 6 Meter lang und liegt in einem Garten nahe dem alten Steinbruch. Der Kouros von Apollonas im Norden misst gut 10 Meter und ruht noch im Steinbruch oberhalb des Dorfes; Meißelspuren und Bruchkanten sind deutlich zu erkennen. Vermutlich brachen die Figuren beim Bearbeiten oder erwiesen sich als zu schwer für den Transport.
Bergdörfer: Chalki, Filoti und Apiranthos
Chalki im Tragea-Tal war einst Hauptort der Insel. Im Dorf steht die Destillerie Vallindras, in der seit 1896 Kitron gebrannt wird; Besucher können die alten Kupferkessel ansehen und probieren. Rund um Chalki liegen mehrere byzantinische Kirchen, etwa Panagia Protothronos mit Fresken, dazu der venezianische Wehrturm Grazia-Barozzi.
Filoti ist das größte Bergdorf und liegt am Fuß des Zas. Unter der großen Platane am Dorfplatz sitzen Tavernen, von hier starten die Wanderwege auf den Gipfel.
Apiranthos an der Ostseite des Gebirges ist fast vollständig aus Stein und Marmor gebaut; selbst die Gassen sind mit Marmorplatten gepflastert. Das Dorf hat mehrere kleine Museen, darunter ein Archäologisches und ein Geologisches Museum.
Aufstieg auf den Zas
Der Zas ist mit 1.004 Metern der höchste Berg der Kykladen. Der beliebteste Weg beginnt an der Kapelle Agia Marina an der Straße zwischen Filoti und Danakos und führt in rund anderthalb Stunden zum Gipfel. Eine zweite Route startet in Filoti und passiert die Höhle des Zeus, in der der Göttervater der Sage nach aufwuchs. Oben reicht der Blick bei klarer Luft über Paros, Amorgos und die Kleinen Kykladen. Festes Schuhwerk und Wasser sind Pflicht, Schatten gibt es kaum.
Strände
Westküste
Die besten Strände liegen an der windgeschützteren Westküste südlich der Stadt und sind großteils per Linienbus erreichbar:
- Agios Georgios: Stadtstrand direkt an Naxos-Stadt, flach abfallend und gut für Kinder.
- Agios Prokopios und Agia Anna: feiner, heller Sand, klares Wasser, viele Tavernen und Unterkünfte in Laufweite.
- Plaka: mehrere Kilometer langer Sandstrand mit Dünen, im südlichen Teil ruhig.
- Mikri Vigla: Treffpunkt für Kite- und Windsurfer, der Nordwind sorgt für verlässliche Bedingungen.
- Kastraki und Alyko: weniger bebaut; bei Alyko wächst ein geschützter Wacholder-Zedernwald direkt hinter den Buchten.
- Pyrgaki: kleinere Sandbucht am Ende der Südwestküste, abends meist ruhig.
Ostküste
Die Ostküste um den früheren Schmirgel-Verladehafen Moutsouna und den Strand Psili Ammos ist deutlich einsamer. Sie liegt dem Nordwind offen, an windigen Tagen schlägt hier Brandung auf. Die Anfahrt über die Berge dauert ab Naxos-Stadt gut eine Stunde.
Klima und beste Reisezeit
Naxos hat heiße, trockene Sommer und milde, feuchte Winter. Im Juli und August weht häufig der Meltemi aus Norden, oft mit Windstärke 5 bis 7. Er kühlt angenehm, macht aber Fährfahrten ruppig und bläst an manchen Stränden Sand auf. Die Westküste ist dabei etwas geschützter.
- Juni und September: beste Zeit für Badeurlaub, warmes Wasser und weniger Andrang.
- April, Mai und Oktober: ideal für Wanderungen und die Bergdörfer, im Frühling blüht die Insel.
- August: Wassertemperatur um 24 Grad, dafür volle Fähren und höhere Preise.
- November bis März: viele Unterkünfte und Tavernen an den Stränden geschlossen, das Dorfleben bleibt.
Anreise und unterwegs auf der Insel
Naxos hat keinen internationalen Flughafen. Der kleine Inselflughafen südlich der Stadt wird ab Athen angeflogen, der Flug dauert rund 40 Minuten. Die meisten Besucher kommen per Fähre:
- Ab Piräus oder Rafina: konventionelle Fähren rund 5 bis 6 Stunden, Schnellfähren rund 3,5 bis 4 Stunden.
- Inselhüpfen: tägliche Verbindungen im Sommer nach Paros, Mykonos, Ios und Santorini, dazu nach Amorgos und zu den Kleinen Kykladen Koufonisia, Iraklia, Schinoussa und Donoussa.
Die Linienbusse von KTEL Naxos fahren vom Busbahnhof am Hafen zu den Stränden der Westküste und in die Bergdörfer. Für Apiranthos, Apollonas und die Ostküste ist ein Mietwagen praktischer, weil manche Linien nur wenige Male am Tag fahren. Die Bergstraßen sind kurvig, aber gut ausgebaut.
Essen und Spezialitäten
- Graviera und Arseniko: zwei Käsesorten mit geschützter Ursprungsbezeichnung, Graviera vorwiegend aus Kuhmilch, der würzige Arseniko aus Schaf- und Ziegenmilch.
- Kartoffeln: Naxos-Kartoffeln gelten in Griechenland als besonders gut und landen als Pommes, Ofenkartoffeln oder in Aufläufen auf dem Tisch.
- Kitron: Likör aus den Blättern der Zitronatzitrone, in drei Stufen: grün (süß, wenig Alkohol), gelb (mittel) und klar (am stärksten).
- Rosto: Schweinebraten mit Knoblauch und Wein, typisch für Feiertage in den Bergdörfern.
In den Tavernen von Chalki, Filoti und Apiranthos kommen diese Zutaten am häufigsten auf den Tisch. Unterkünfte sind meist kleine Pensionen, Studios und familiengeführte Hotels; große Resortanlagen gibt es auf Naxos kaum.
Häufige Fragen
Wie komme ich am schnellsten nach Naxos?
Per Flug nach Athen und weiter mit dem Inlandsflug (rund 40 Minuten) oder mit der Schnellfähre ab Piräus oder Rafina (rund 3,5 bis 4 Stunden).
Welche Strände auf Naxos sind gut für Kinder?
Agios Georgios direkt an der Stadt sowie Agios Prokopios und Agia Anna: flacher Einstieg, feiner Sand und Tavernen in der Nähe.
Braucht man auf Naxos ein Auto?
Für die Weststrände reicht der Bus. Wer die Bergdörfer, die Kouroi und die Ostküste sehen will, fährt mit dem Mietwagen deutlich flexibler.
Wann ist die beste Reisezeit für Naxos?
Juni und September für Strandurlaub, April, Mai und Oktober für Wanderungen. Im Juli und August ist mit starkem Meltemi-Wind zu rechnen.