Samos ist eine grüne, gebirgige Insel in der östlichen Ägäis, nur rund 1,6 Kilometer von der türkischen Küste entfernt. Auf den rund 477 Quadratkilometern liegen zwei UNESCO-Welterbestätten, Weinterrassen für den berühmten Muskatwein und Kiesbuchten mit sehr klarem Wasser.
Samos auf einen Blick
- Lage: Nordägäis, getrennt von der türkischen Halbinsel Mykale durch die schmale Meerenge von Samos
- Hauptstadt: Samos-Stadt, meist Vathy genannt, an einer tiefen Bucht im Nordosten
- Gebirge: Kerkis im Westen (1.434 Meter) und Ampelos in der Mitte (rund 1.150 Meter)
- Berühmte Söhne: der Mathematiker Pythagoras und der Astronom Aristarchos, der schon im 3. Jahrhundert v. Chr. lehrte, dass die Erde um die Sonne kreist
- UNESCO-Welterbe: Pythagorio und das Heraion, seit 1992
Sehenswürdigkeiten
Pythagorio
Das Hafenstädtchen im Südosten trägt seit 1955 den Namen des Mathematikers. In der Antike war es die Hauptstadt der Insel und unter dem Tyrannen Polykrates im 6. Jahrhundert v. Chr. eine der reichsten Städte der griechischen Welt. Die antike Hafenmole bildet bis heute die Grundlage des Hafens. Am Hang oberhalb liegen Reste der Stadtmauer, auf dem Hügel am Hafen steht der Wehrturm des Lykourgos Logothetis aus dem griechischen Unabhängigkeitskampf.
Tunnel des Eupalinos
Der Tunnel ist eines der großen Ingenieurwerke der Antike. Der Baumeister Eupalinos ließ ihn im 6. Jahrhundert v. Chr. durch den Berg oberhalb von Pythagorio treiben, um Quellwasser in die Stadt zu leiten. Zwei Trupps gruben gleichzeitig von beiden Seiten und trafen sich nach 1.036 Metern mit nur geringer Abweichung. Ein Teil des Tunnels ist für Besucher zugänglich, je nach Führung auf kürzerer oder längerer Strecke. Der Gang ist eng und niedrig, für Menschen mit Platzangst nicht geeignet.
Heraion
Rund 6 Kilometer westlich von Pythagorio lag das Heiligtum der Göttin Hera, die der Sage nach auf Samos geboren wurde. Der Tempel des Polykrates gehörte mit rund 55 mal 108 Metern Grundfläche zu den größten griechischen Tempeln überhaupt, er wurde nie vollendet. Heute steht von den ursprünglich über 150 Säulen nur noch eine, allerdings nur zur Hälfte ihrer Höhe. Die Grundmauern von Altären, Schatzhäusern und der Heiligen Straße sind gut zu erkennen.
Archäologisches Museum in Vathy
Das wichtigste Stück des Museums ist ein rund 5 Meter hoher Kouros aus dem Heraion, die größte vollständig erhaltene Jünglingsstatue der archaischen Zeit. Dazu kommen Weihegaben aus dem Heiligtum, darunter Bronzen und Elfenbeinarbeiten aus Ägypten und dem Orient, die den weiten Handel der Insel zeigen.
Kloster Panagia Spiliani
Oberhalb von Pythagorio liegt eine Höhlenkirche, in der der Legende nach eine Marienikone gefunden wurde. Man steigt durch einen Gang in die kühle Grotte hinab. Von der Terrasse vor dem Kloster reicht der Blick über den Hafen bis zur türkischen Küste.
Bergdörfer: Vourliotes und Manolates
Im Norden, oberhalb der Küste zwischen Kokkari und Karlovasi, liegen Vourliotes und Manolates in Wein- und Walnusswäldern. Beide Dörfer haben kleine Plätze mit Tavernen, in Manolates verkaufen Töpfer ihre Keramik. Ein Wanderweg durch das Nachtigallental verbindet Manolates mit dem Küstenort Agios Konstantinos.
Potami und der Kerkis
Westlich von Karlovasi führt ein kurzer Weg vom Strand Potami an einer kleinen byzantinischen Kirche vorbei in eine Schlucht mit Wasserfällen und Becken, in denen man schwimmen kann. Der Kerkis im Westen ist der höchste Berg der Insel und ein Ziel für geübte Wanderer; der Aufstieg vom Kloster Evangelistria dauert rund drei bis vier Stunden.
Strände
- Tsamadou und Lemonakia: zwei Kieselbuchten westlich von Kokkari mit sehr klarem, schnell tiefem Wasser.
- Kokkari: ehemaliges Fischerdorf mit Stadtstränden; der Nordwind macht es zum Windsurfspot.
- Potami: langer Kiesstrand bei Karlovasi, ruhiger als die Strände im Osten.
- Mikro und Megalo Seitani: zwei Buchten an der Nordwestküste, nur zu Fuß über einen Küstenpfad erreichbar (rund eine bzw. zwei Stunden ab Potami). Die Gegend ist Schutzgebiet der seltenen Mittelmeer-Mönchsrobbe.
- Psili Ammos im Südosten: feiner Sand, flaches Wasser, gut für Kinder, mit Blick auf die türkische Küste.
Wein aus Samos
Samos ist für seinen süßen Muskatwein bekannt, der aus der kleinbeerigen Muscat-Blanc-Traube gewonnen wird. Die Reben wachsen auf Terrassen an den Nordhängen bis auf rund 800 Meter Höhe. Fast die gesamte Ernte verarbeitet die Genossenschaft der Weinbauern von Samos, die bei Vathy ein Weinmuseum mit alten Fässern und Pressen betreibt. Neben Süßweinen wie dem Samos Vin Doux gibt es auch trockene Weißweine aus der Muskattraube.
Wo übernachten?
- Pythagorio: Hafenort mit Tavernen, nah am Flughafen, an Heraion und Eupalinos-Tunnel; im Sommer lebhaft.
- Kokkari: kleiner Ort an der Nordküste mit Buchten in Laufweite, guter Ausgangspunkt für die Bergdörfer.
- Samos-Stadt (Vathy): ganzjährig belebte Hafenstadt mit Museum, Läden und Fähren; weniger Strand.
- Karlovasi und Potami: ruhiger Westen, ideal für Wanderer auf dem Weg zu den Seitani-Buchten und in die Schlucht von Potami.
- Ormos Marathokampou und Votsalakia: Südwesten am Fuß des Kerkis mit langen Kiesel- und Sandstränden und wenig Trubel.
Wer mehrere Regionen sehen möchte, teilt den Aufenthalt zwischen Pythagorio im Süden und Kokkari oder Karlovasi im Norden. Die Fahrt quer über die Insel dauert selten länger als eine Stunde.
Anreise
Der Flughafen Samos „Aristarchos“ liegt zwischen Pythagorio und dem Heraion. Seine Landebahn ist nur rund 2.000 Meter lang, deshalb gilt der Anflug über das Meer als anspruchsvoll. Im Sommer gibt es Charterflüge aus Mitteleuropa, ganzjährig Verbindungen ab Athen.
Fähren fahren ab Piräus in rund 8 bis 12 Stunden, meist mit Halt auf Ikaria. Die Insel hat zwei Häfen: Vathy im Nordosten und Karlovasi im Nordwesten. Von Vathy fahren außerdem Schiffe nach Kuşadası in der Türkei, beliebt für einen Tagesausflug zur antiken Stadt Ephesos. Dafür ist ein Reisepass nötig.
Klima und Reisezeit
Die Sommer sind heiß und trocken, im Juli und August fällt praktisch kein Regen. Der Norden ist durch den Wind etwas kühler als der Süden. Die Wintermonate Dezember und Januar sind regenreich, Temperaturen unter 10 Grad und Stürme sind möglich. Für Wanderungen eignen sich April, Mai und Oktober, für Badeurlaub Juni bis September.
Häufige Fragen
Kann man den Tunnel des Eupalinos besichtigen?
Ja, ein Teil ist mit Führung oder Ticket zugänglich. Der Gang ist schmal und niedrig, festes Schuhwerk ist sinnvoll.
Wo liegen die schönsten Strände von Samos?
An der Nordküste bei Kokkari (Tsamadou, Lemonakia) und bei Potami, dazu die Seitani-Buchten für Wanderer. Für Familien eignet sich Psili Ammos im Südosten.
Kann man von Samos in die Türkei fahren?
Ja, von Vathy fahren Schiffe nach Kuşadası, von dort ist Ephesos rund 20 Kilometer entfernt. Ein gültiger Reisepass ist erforderlich.
Was ist typisch für Samos?
Der süße Muskatwein, die antiken Stätten um Pythagorio, grüne Bergdörfer und das klare Wasser an den Kiesstränden.