Santorini ist keine Insel für eine einzige Aussichtsterrasse. Die Caldera misst rund 12 × 7 Kilometer, Oia füllt sich am Abend dicht, und zwischen Fira und Oia liegen 10 bis 10,5 Kilometer Wanderweg. Wer die Orte nach Tageszeit und Lage sortiert, erschließt eine aktive Vulkanlandschaft, eine Stadt unter Asche und Weinberge, die mit etwa 350 Millimetern Regen im Jahr auskommen.
Die Caldera erklärt, warum Santorini so steil ins Meer fällt
Die Caldera ist ein vom Meer gefülltes Kraterbecken von etwa 12 × 7 Kilometern. An ihrer tiefsten Stelle reicht sie bis zu 390 Meter hinab. Im Zentrum liegen Nea Kameni und Palaia Kameni, zwei aktive Vulkaninseln, die seit der Antike durch Lavaausbrüche weitergewachsen sind.
Ihre heutige Form geht auf den minoischen Ausbruch vor rund 3.600 Jahren zurück, meist um 1600 v. Chr. datiert. Mit VEI 7 zählt er zu den größten Ausbrüchen der Menschheitsgeschichte. Dabei wurden mehrere Dutzend Kubikkilometer vulkanisches Material ausgeworfen.
Auch aus der Nähe bleibt die Geologie lesbar. Die Wände am Caldera-Rand zeigen Schichten aus basaltischem Lavagestein, Bimsstein, rötlicher Scoria und weißer Asche. In diesen Abfolgen stecken mehr als 650.000 Jahre vulkanische Geschichte. Der Vulkan ist nicht Vergangenheit: Die letzte Eruption auf Nea Kameni fand 1950 statt.
Oia früh erleben statt am Kastell im Gedränge
Oia liegt am nordwestlichen Ende der Insel. Die weiß verputzten Häuser stehen dort terrassenförmig an der Klippe; blaue Kirchenkuppeln und der Blick in die Caldera prägen die bekanntesten Motive des Ortes. Gerade deshalb konzentriert sich der Besucherstrom auf wenige Gassen und Aussichtspunkte.
An den Resten der venezianischen Burg drängen sich zum Sonnenuntergang im Hochsommer viele hundert Besucher. Für die Abendstimmung kann Imerovigli die bessere Wahl sein, dort ist es deutlich ruhiger.
Für Oia selbst ist der frühe Morgen die sinnvollere Zeit. Dann ist das Licht besonders gut, während Kreuzfahrt-Touristen noch nicht da sind. Wer den Ort zum Fotografieren oder für einen ruhigen Rundgang sehen will, beginnt hier und verlegt den Sonnenuntergang nicht automatisch an das Kastell.
Von Fira nach Oia: 10 Kilometer Caldera zu Fuß
Der Cliff-Wanderweg verbindet Fira über Firostefani und Imerovigli mit Oia. Die Strecke ist etwa 10 bis 10,5 Kilometer lang; je nach Tempo sind dafür meist drei bis fünf Stunden einzuplanen. Ein Ticket ist nicht nötig, der Weg ist frei zugänglich.
Die Wanderung gilt als moderat. Mehrere Anstiege und Abstiege summieren sich auf einige hundert Höhenmeter. Zwischen Fira und Firostefani verläuft die Route auf urbanen Wegen. Nördlich von Imerovigli wird sie zu einem unbefestigten Pfad mit vulkanischem Geröll.
- Festes Schuhwerk hilft besonders auf den gerölligen Abschnitten nördlich von Imerovigli.
- Ausreichend Wasser und Sonnenschutz gehören auf die 3- bis 5-Stunden-Strecke.
- Die Richtung Fira–Oia führt über Firostefani und Imerovigli bis an das nordwestliche Ende der Insel.
Fira und Imerovigli teilen die Caldera in Funktion und Ruhe
Fira, auch Thera genannt, ist Hauptstadt und wichtigster Verkehrsknotenpunkt Santorinis. Hier liegen das Bus-Terminal, Banken, Restaurants und das Museum of Prehistoric Thera. Für Wege über die Insel ist Fira deshalb ein praktischer Ausgangspunkt.
Zum Old Port in Gialos führt eine Seilbahn, die Fahrt dauert wenige Minuten. Die Alternative zu Fuß umfasst rund 600 Stufen. Transporte per Esel werden zwar angeboten, ihre Haltung wird jedoch zunehmend kritisiert.
Von Fira geht es am Caldera-Rand in 30 bis 45 Minuten über Firostefani nach Imerovigli. Das Dorf liegt an der höchsten Stelle des Caldera-Rands und gilt als ruhigstes der drei Cliff-Dörfer. Unterhalb ragt der Skaros Rock aus dem Hang; der Weg hinab und um den Felsen zur Kapelle Theoskepasti dauert ungefähr 20 bis 30 Minuten.
Akrotiri macht die Insel vor dem Ausbruch greifbar
Akrotiri an der Südwestspitze war eine bronzezeitliche Hafenstadt mit engen Verbindungen zum minoischen Kreta, die um 1600 v. Chr. unter Vulkanasche und Bimsstein begraben wurde. Als Handelszentrum war sie mit Kreta, Zypern, Syrien und Ägypten verbunden.
Die systematischen Ausgrabungen begannen 1967 unter Professor Spyridon Marinatos. Heute führt ein moderner Schutzbau mit Holzgehwegen über die freigelegten Straßen und Häuser. Zu den bemerkenswerten Befunden gehört ein ausgeklügeltes Abwassersystem unter den Straßen. Das „Ship Procession“-Fresko und das „Spring Fresco“ zählen zu den Hauptwerken der ägäischen Bronzezeit.
Im Sommer öffnet Akrotiri bereits morgens um 08:00 Uhr. Ein früher Besuch hilft, Kreuzfahrt-Gruppen zuvorzukommen.
Red Beach ist nah an Akrotiri, aber nicht frei zugänglich
Der Red Beach liegt an der Südwestküste rund 100 bis 200 Meter vom Akrotiri-Gelände entfernt. Seine rote Farbe stammt von oxidiertem Eisen in vulkanischer Scoria. Über dem knapp 100 bis 200 Meter langen Strand aus grobem rotem Kies und schwarzen vulkanischen Sandkörnern stehen hohe rot-schwarze Klippen.
Die spektakuläre Farbe ersetzt keine Sicherheitsbewertung. Wegen Steinschlag- und Erdrutschgefahr ist der Zugang seit 2013 offiziell untersagt, nach Erdbeben stürzten zuletzt erneut Felsen ab. Red Beach eignet sich damit als Beispiel für die vulkanische Landschaft der Insel, nicht als Ort, an dem Warnungen ignoriert werden sollten.
Assyrtiko und Reisezeit zeigen Santorini abseits der Kulisse
Assyrtiko ist Santorinis autochthone weiße Rebsorte und bedeckt rund zwei Drittel der Rebfläche. Viele Reben sind eigenwurzelig und sehr alt, weil die Vulkanböden der Reblaus widerstehen. Im körbchenförmigen Schnitt, der kouloura, wachsen sie dicht über dem Boden und sind so besser vor Wind und Sonne geschützt.
Mit nur etwa 350 Millimetern Niederschlag pro Jahr ist Wasser knapp. Die Wurzeln reichen tief in die aschereiche Vulkanerde; zusätzlich nutzen die Reben Morgentau-Feuchtigkeit. Der daraus gekelterte Assyrtiko ist knochentrocken, hoch in der Säure und von salziger Mineralität sowie Zitrusaromen geprägt. Neben trockenem Santorini PDO gibt es Nykteri aus dem Eichenfass und den Süßwein Vinsanto.
Für weniger Trubel eignen sich Mai bis Juni sowie September bis Oktober. In diesen Zeiträumen liegen die Temperaturen bei 22 bis 29 Grad, das Meer bei 20 bis 24 Grad, und es sind weniger Menschen unterwegs. Juli und August bringen bis zu 34 Grad, die größten Kreuzfahrt-Massen und Spitzenpreise. Von November bis März liegen die Temperaturen bei 12 bis 15 Grad; viele Hotels schließen dann und die Fährverbindungen werden reduziert.
Häufige Fragen
Wie lang ist die Wanderung von Fira nach Oia?
Der Weg misst etwa 10 bis 10,5 Kilometer und dauert typischerweise drei bis fünf Stunden. Unterwegs wechseln sich mehrere Auf- und Abstiege ab.
Wann ist Oia am ruhigsten?
Am frühen Morgen sind Kreuzfahrt-Touristen noch nicht da und das Licht ist besonders gut. Zum Sonnenuntergang ist es am Kastro im Hochsommer sehr voll.
Welche Monate verbinden Wärme und weniger Menschen?
Mai bis Juni sowie September bis Oktober gelten mit 22 bis 29 Grad Lufttemperatur und 20 bis 24 Grad warmem Meer als die ausgeglicheneren Zeiträume.
Ist der Red Beach zugänglich?
Nein. Wegen Steinschlag- und Erdrutschgefahr ist der Zugang seit 2013 offiziell untersagt.