Sardinien ist berühmt für Strände mit karibisch klarem Wasser. Doch die Insel ist mehr als Küste: Im Inneren liegen wilde Berge, Hirtendörfer und Tausende Steintürme aus der Bronzezeit, die es so nirgendwo sonst gibt.
Sardinien in Kürze
Sardinien ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel Italiens und des Mittelmeers, mit rund 24.100 Quadratkilometern. Auf ihr leben etwa 1,6 Millionen Menschen, die Insel ist damit deutlich dünner besiedelt als Sizilien. Hauptstadt der autonomen Region ist Cagliari im Süden. Zum italienischen Festland sind es rund 200 Kilometer, zur französischen Insel Korsika im Norden nur etwa zwölf Kilometer über die Straße von Bonifacio.
Die Küste ist fast 2.000 Kilometer lang. Früher war ein großer Teil der Insel bewaldet, heute prägt die Macchia das Bild: dichtes Buschwerk aus Myrte, Zistrosen, Wacholder und Mastix, das im Frühling blüht und duftet. Das Klima ist mediterran, mit heißen Sommern, warmem Frühling und Herbst und milden, manchmal stürmischen Wintern. Neben Italienisch wird Sardisch gesprochen, in Alghero ein katalanischer Dialekt.
Regionen und Küsten
Nordosten: Gallura und Costa Smeralda
Die Costa Smeralda zwischen Olbia und Palau wurde in den 1960er-Jahren von einem Konsortium um Prinz Karim Aga Khan erschlossen. Porto Cervo ist bis heute ein Treffpunkt für Yachtbesitzer, gebaut wurde nach strengen Vorgaben in einem eigenen Stil mit Naturstein und Pastelltönen. Die Strände zwischen den Granitfelsen, etwa Capriccioli oder Liscia Ruja, sind öffentlich. Vor Palau liegt der La-Maddalena-Archipel, ein Nationalpark aus Granitinseln, erreichbar mit der Fähre in rund 20 Minuten. Weiter westlich fällt die ruhige Costa Paradiso mit rotem Granit steil ins Meer ab.
Nordwesten: Stintino und Alghero
Der Strand La Pelosa bei Stintino hat flaches, türkisfarbenes Wasser und einen Wachturm auf einer vorgelagerten Insel. Um die Dünen zu schützen, ist die Besucherzahl im Sommer begrenzt, eine Reservierung und eine Gebühr sind nötig, und unter dem Handtuch muss eine Strandmatte liegen. Alghero hat eine katalanisch geprägte Altstadt mit Stadtmauer am Meer. Am Capo Caccia liegt die Neptungrotte, erreichbar per Boot ab Alghero oder über die Treppe Escala del Cabirol mit 654 Stufen.
Westen: Bosa, Sinis und Costa Verde
Bosa liegt am Fluss Temo, die bunten Häuser ziehen sich zur Burg Malaspina hinauf. Auf der Sinis-Halbinsel bei Oristano liegen die Ruinen der phönizisch-römischen Stadt Tharros und Is Arutas, ein Strand aus reiskorngroßen Quarzkörnern. Weiter südlich an der Costa Verde türmen sich bei Piscinas Sanddünen, die zu den höchsten Europas gehören.
Süden: Cagliari und Chia
In Cagliari thront das mittelalterliche Viertel Castello auf einem Hügel über dem Hafen, von der Bastion Saint Remy blickt man über die Stadt. Der Stadtstrand Poetto ist mehrere Kilometer lang. Direkt daneben leben in den Lagunen des Parco di Molentargius Flamingos. Südwestlich der Stadt liegen Chia und die Bucht von Tuerredda mit feinem Sand und Dünen.
Osten: Golf von Orosei
An der Ostküste fällt das Kalkgebirge steil ins Meer ab. Die schönsten Buchten wie Cala Luna, Cala Mariolu und Cala Goloritzé erreicht man per Boot ab Cala Gonone oder Santa Maria Navarrese oder zu Fuß. An der Cala Goloritzé dürfen Boote nicht anlegen, im Sommer ist der Zugang über den Wanderweg begrenzt und gebührenpflichtig. Im Hinterland liegt die Schlucht Gola di Su Gorropu mit bis zu 500 Meter hohen Felswänden.
Städte, die sich lohnen
Neben Cagliari und Alghero haben einige Städte eigene Gründe für einen Besuch. Sassari im Nordwesten ist die zweitgrößte Stadt der Insel. Im Mai zieht dort die Cavalcata Sarda durch die Straßen, ein Umzug mit Trachtengruppen aus ganz Sardinien. Oristano an der Westküste feiert im Karneval die Sartiglia, ein Reiterturnier, bei dem maskierte Reiter im Galopp mit dem Schwert einen Stern treffen müssen. Nuoro im Inselinneren ist die Heimat der Literaturnobelpreisträgerin Grazia Deledda, deren Geburtshaus ein Museum ist. Das Ethnografische Museum der Stadt zeigt Trachten, Schmuck und Karnevalsmasken aus allen Regionen. Iglesias im Südwesten war ein Zentrum des Bergbaus. Bei Nebida und Masua lassen sich alte Minenanlagen besichtigen, darunter Porto Flavia, ein in den Fels gebauter Verladehafen über dem Meer.
Nuraghen und Inselinneres
Auf Sardinien stehen rund 7.000 Nuraghen, kegelförmige Steintürme der Bronzezeit, gebaut ohne Mörtel. Die bekannteste Anlage ist Su Nuraxi bei Barumini, seit 1997 UNESCO-Welterbe: ein zentraler Turm, umgeben von Bastionen und einem Dorf aus Rundhütten. Besichtigt wird mit Führung.
Im Zentrum der Insel erhebt sich das Gennargentu-Gebirge mit der Punta La Marmora (1.834 m), dem höchsten Gipfel. Die umliegende Barbagia ist Hirtenland und gilt als ursprünglichster Teil Sardiniens. In Orgosolo sind Hunderte Hauswände mit politischen Wandbildern (Murales) bemalt. In Mamoiada ziehen im Karneval die Mamuthones mit schwarzen Holzmasken und schweren Kuhglocken durch die Gassen. In der Ogliastra an der Ostküste leben besonders viele über Hundertjährige, die Gegend gilt als eine der „Blauen Zonen“ der Welt.
Küche
Die sardische Küche ist Hirtenküche. Porceddu ist Spanferkel, langsam am offenen Feuer gegart. Culurgiones sind Teigtaschen mit Kartoffeln, Pecorino und Minze, kunstvoll wie eine Ähre verschlossen. Malloreddus sind kleine geriffelte Nudeln, oft mit Wurst-Tomaten-Soße. Das hauchdünne, knusprige Brot Pane Carasau hielt sich früher wochenlang für die Hirten. Zum Dessert kommen Seadas, frittierte Teigtaschen mit Käse und Honig. Dazu trinkt man Cannonau, einen kräftigen Rotwein, und nach dem Essen den Myrtenlikör Mirto.
Wichtige Regeln
Sand, Kiesel und Muscheln von Sardiniens Stränden mitzunehmen ist gesetzlich verboten. Am Flughafen und in den Häfen wird kontrolliert, es drohen hohe Bußgelder. An mehreren beliebten Stränden sind Besucherzahlen begrenzt oder eine vorherige Anmeldung ist nötig. Die Regeln wechseln von Saison zu Saison, deshalb vor dem Besuch bei der Gemeinde nachsehen.
Anreise und Unterwegs
Sardinien hat drei große Flughäfen: Cagliari-Elmas im Süden, Olbia-Costa Smeralda im Nordosten und Alghero-Fertilia im Nordwesten. Fähren fahren ab Genua, Livorno, Civitavecchia und Piombino nach Olbia, Golfo Aranci, Porto Torres und Cagliari, dazu ab Bonifacio auf Korsika nach Santa Teresa Gallura. Auf der Insel ist ein Mietwagen fast unverzichtbar, weil Busse und Züge viele Strände und Dörfer nur selten anfahren. Die Entfernungen sind größer, als die Karte vermuten lässt: Von Olbia nach Cagliari fährt man gut drei Stunden.
Häufige Fragen
Welcher Teil Sardiniens ist am schönsten?
Für Badeurlaub der Nordosten mit der Costa Smeralda und La Maddalena sowie der Süden um Chia. Für Wandern und Natur der Golf von Orosei und das Gennargentu.
Darf man Sand aus Sardinien mitnehmen?
Nein. Die Mitnahme von Sand, Steinen und Muscheln ist verboten und wird mit Bußgeldern geahndet.
Wann ist die beste Reisezeit für Sardinien?
Juni und September für Badeurlaub, Mai und Oktober für Wanderungen. Im August sind Fähren und Strände am vollsten.
Braucht man auf Sardinien ein Auto?
Für eine Rundreise ja. Wer nur an einem Ort bleibt, kommt mit Bussen und Ausflugsbooten aus.
Welche Strände eignen sich für Familien mit kleinen Kindern?
Flach ins Wasser gehende Sandstrände wie La Pelosa, der Poetto in Cagliari, Chia, Is Arenas bei Oristano und die Strände rund um Budoni und San Teodoro an der Ostküste.