Viele kommen wegen der Buchten und Clubs nach Ibiza. Wer zwischendurch Lust auf etwas anderes hat, findet eine Altstadt mit Welterbe-Titel, eine sagenumwobene Felsinsel, weiße Wehrkirchen, Tropfsteinhöhlen und eine Nachbarinsel, die nur eine halbe Stunde entfernt liegt.
Einen Überblick über Gemeinden, Strände und Nachtleben gibt der Beitrag über Ibiza.
Ibiza-Stadt
Dalt Vila
Die „Oberstadt“ auf dem Hügel über dem Hafen ist seit 1999 Teil des UNESCO-Welterbes. Ihre mächtigen Mauern ließen Karl V. und Philipp II. im 16. Jahrhundert gegen Angriffe von Osmanen und Piraten errichten. Man betritt die Altstadt am besten durch das Haupttor Portal de ses Taules mit dem Wappen Philipps II. und zwei römischen Statuen. Von dort führen steile Gassen hinauf, vorbei an Stadtpalästen, bis zur Kathedrale Santa Maria de les Neus am höchsten Punkt. Sie ist außen gotisch, innen barock umgestaltet.
Die Bastion Santa Llúcia ist ein guter Aussichtspunkt über Hafen, Sa Penya und das Meer bis nach Formentera. Das Museum MACE zeigt zeitgenössische Kunst in einem Gebäudekomplex an der Plaça de la Catedral. Für Dalt Vila sollte man mindestens zwei Stunden und bequeme Schuhe einplanen, abends ist es angenehm kühl.
Puig des Molins
Am Hang unterhalb von Dalt Vila liegt eine der am besten erhaltenen phönizisch-punischen Nekropolen des Mittelmeers. Auf dem Gelände wurden Tausende Gräber angelegt, einige Grabkammern sind zu besichtigen. Das zugehörige Museum zeigt Grabbeigaben, darunter Terrakotta-Figuren der Göttin Tanit, die bis heute als Symbol der Insel gilt.
Sa Penya und der Hafen
Unterhalb der Mauern liegt das alte Fischerviertel Sa Penya mit engen Gassen, bunten Fassaden und Bars. Am Hafen sitzen abends viele Gäste in den Restaurants, im Sommer bauen Händler Stände mit Schmuck und Kleidung auf. Gegenüber stehen die Yachten an der Marina Botafoch.
Es Vedrà und der Südwesten
Es Vedrà
Die unbewohnte Felsinsel vor der Südwestküste ragt rund 400 Meter aus dem Meer. Um sie ranken sich viele Geschichten: Sirenen sollen hier Seeleute gelockt haben, manche halten den Felsen für einen Rest von Atlantis, andere berichten von UFO-Sichtungen und Kompassen, die verrücktspielen. Belegt ist davon nichts, die Faszination bleibt. Heute ist Es Vedrà Naturschutzgebiet und Rückzugsort für Seevögel und Eidechsen.
Cala d’Hort und Torre des Savinar
Den schönsten Blick auf Es Vedrà hat man von der Bucht Cala d’Hort. Sie hat einen Sand- und Kiesstrand mit klarem Wasser und einige Fischrestaurants. Oberhalb steht der Wachturm Torre des Savinar aus dem 18. Jahrhundert, auch „Piratenturm“ genannt. Der Weg dorthin ist kurz, bei Sonnenuntergang sitzen hier viele Menschen auf den Felsen.
Steinbruch „Atlantis“
Unterhalb des Turms liegt ein alter Steinbruch, aus dem einst Blöcke für die Stadtmauern von Dalt Vila geschlagen wurden. Hippies haben die Felsen später mit Figuren und Symbolen verziert, daher der Name. Der Abstieg ist steil, rutschig und ohne Sicherung. Nur mit festen Schuhen, bei ruhiger See und keinesfalls bei Hitze.
Dörfer und Kirchen
Puig de Missa in Santa Eulària
Auf dem Hügel über Santa Eulària steht eine weiße Wehrkirche aus dem 16. Jahrhundert mit einem Säulenvorbau. Bei Piratenüberfällen flohen die Bewohner hierher. Gleich daneben zeigt das Ethnologische Museum von Ibiza in einem alten Bauernhaus Werkzeuge, Trachten und das Leben auf dem Land.
Weitere Dorfkirchen
Die weißen Kirchen sind typisch für Ibiza, viele dienten zugleich als Festung. Die Wehrkirche Sant Jordi zwischen der Hauptstadt und dem Flughafen hat Zinnen auf dem Dach. Sant Miquel de Balansat liegt auf einem Hügel im Norden, im Sommer wird dort wöchentlich der traditionelle Bauerntanz ball pagès aufgeführt. Das kleine Sant Agustí im Westen hat einen alten Wehrturm und ruhige Gassen. Sant Carles im Nordosten ist durch die Hippiezeit geprägt, samstags ist in der Nähe Markt in Las Dalias.
Höhlen und Küste
Cova de Can Marçà
Die Tropfsteinhöhle bei Port de Sant Miquel im Norden ist rund 100.000 Jahre alt. Schmuggler nutzten sie früher als Versteck, ihre Markierungen an den Wänden sind noch zu sehen. Der Rundgang endet mit einer Licht- und Wassershow an einem künstlichen Wasserfall.
Aquarium Cap Blanc
Bei Sant Antoni liegt ein kleines Aquarium in einer natürlichen Meereshöhle, in der Fischer früher Langusten hielten. Es zeigt Fische, Kraken und Rochen aus den Gewässern um Ibiza.
Punta de sa Galera
Nördlich von Sant Antoni fallen breite Kalksteinterrassen stufenweise ins Meer ab. Hier wird gebadet, gesonnt und abends der Sonnenuntergang beobachtet. Einen Sandstrand gibt es nicht, Badeschuhe sind hilfreich.
Naturpark Ses Salines
Im Süden zwischen Flughafen und Meer liegen die Salzfelder, die seit der Antike genutzt werden. Zeitweise stehen Flamingos in den Becken. Ein Weg führt vom Strand Es Cavallet an der Küste entlang zum Wachturm Torre de ses Portes am südlichsten Punkt Ibizas, von dort sieht man bis Formentera.
Ibiza vom Wasser aus
Viele Buchten und Felsküsten sieht man am besten vom Boot. Ab Sant Antoni fahren Ausflugsboote entlang der Westküste bis Es Vedrà, ab Santa Eulària pendeln kleine Fähren zu den Stränden im Osten wie Cala Llonga, Es Canar und Cala Pada. Wer selbst fahren möchte, kann in mehreren Häfen kleine Motorboote mieten, für einige Bootsgrößen ist in Spanien kein Führerschein nötig. Auf den Posidonia-Seegraswiesen ist Ankern verboten, Bojenfelder sind ausgewiesen. Zum Schnorcheln eignen sich die Felsbuchten im Norden und die Gewässer rund um die kleinen Inseln vor Sant Antoni.
Vorschlag für zwei Ausflugstage
- Tag 1, Süden und Westen: vormittags Dalt Vila und Puig des Molins, mittags Salinen und Es Cavallet, abends Cala d’Hort und Torre des Savinar zum Sonnenuntergang
- Tag 2, Norden: Puig de Missa in Santa Eulària, Sant Carles, Cova de Can Marçà, Baden in Benirràs oder Cala Xarraca, zum Abschluss Sant Miquel
Die Wege auf Ibiza sind kurz, von Ibiza-Stadt erreicht man jeden Ort der Insel in weniger als einer Stunde.
Ausflug nach Formentera
Ab dem Hafen von Ibiza-Stadt fahren den ganzen Tag Fähren nach La Savina, mit der Schnellfähre dauert es rund 30 Minuten. Auf Formentera lassen sich Roller, Fahrräder und E-Bikes direkt am Hafen mieten. Ses Illetes im Norden hat hellen Sand und flaches, türkisfarbenes Wasser. Im Süden steht der Leuchtturm am Cap de Barbaria auf einer kargen Felsplatte über dem Meer, ein beliebter Platz für den Sonnenuntergang.
Häufige Fragen
Wie viel Zeit braucht man für Dalt Vila?
Für einen Rundgang mit Kathedrale und Bastionen etwa zwei bis drei Stunden, mit Museumsbesuch einen halben Tag.
Wo sieht man Es Vedrà am besten?
Von der Cala d’Hort und vom Torre des Savinar, besonders zum Sonnenuntergang. Bootsausflüge ab Sant Antoni fahren auch um die Insel herum.
Lohnt sich ein Tagesausflug nach Formentera?
Ja. Mit einer frühen Fähre und einem gemieteten Roller schafft man Ses Illetes, Sant Francesc Xavier und das Cap de Barbaria an einem Tag.
Was kann man auf Ibiza bei schlechtem Wetter machen?
Dalt Vila mit Kathedrale, das Museum Puig des Molins, das MACE, die Cova de Can Marçà oder das Aquarium Cap Blanc.