Die grössten Sehenswürdigkeiten Islands sind Werke der Natur: Wasserfälle, Geysire, Gletscher, schwarze Strände und Lavafelder. Dieser Überblick stellt die wichtigsten Ziele nach Regionen geordnet vor – von Reykjavík und dem Golden Circle über die Südküste bis in den Norden, die Westfjorde und das Hochland.
Reykjavík und der Golden Circle
Reykjavík
Die Hauptstadt ist für die meisten Reisenden der Ausgangspunkt. Wahrzeichen ist die Hallgrímskirkja: Die 74,5 Meter hohe Kirche erinnert mit ihrer Fassade an Basaltsäulen, ein Aufzug fährt in den Turm mit Blick über die bunten Dächer. Am Hafen glänzt das Konzerthaus Harpa mit seiner Glasfassade aus Tausenden Elementen. Am Uferweg steht die Stahlskulptur Sólfar („Sonnenfahrt“), die an ein Wikingerschiff erinnert. Die kleine Altstadt rund um den Stadtteich Tjörnin, das Parlament und die Einkaufsstrasse Laugavegur lässt sich gut zu Fuss erkunden.
Þingvellir-Nationalpark
Rund 45 Minuten nordöstlich von Reykjavík liegt Þingvellir. Hier trat ab dem Jahr 930 das Althing zusammen, die Versammlung der freien Männer Islands. Seit 2004 ist der Park UNESCO-Welterbe. Durch das Gelände zieht sich die Schlucht Almannagjá, eine Spalte am Rand der Nordamerikanischen Platte. In der Silfra-Spalte kann man in Trockenanzügen schnorcheln und tauchen: Das Gletscherwasser ist rund 2 bis 4 °C kalt und so klar, dass die Sicht über 100 Meter reicht.
Geothermalgebiet Haukadalur
Im Tal Haukadalur brodeln heisse Quellen und Schlammtöpfe. Star ist der Strokkur: Er bricht alle 5 bis 10 Minuten aus und schiesst eine Wassersäule meist 15 bis 20 Meter, gelegentlich über 30 Meter hoch. Wenige Schritte entfernt liegt der Grosse Geysir, der allen Geysiren der Welt seinen Namen gab. Er schleuderte einst Wasser bis zu 60 Meter hoch und mehr, ist heute aber nur noch sehr selten aktiv, meist nach Erdbeben.
Gullfoss
Nur zehn Autominuten weiter stürzt der Gletscherfluss Hvítá beim Gullfoss („Goldener Wasserfall“) in zwei Stufen rund 32 Meter tief in eine enge Schlucht. Anfang des 20. Jahrhunderts sollte hier ein Wasserkraftwerk entstehen. Sigríður Tómasdóttir, die Tochter des Grundbesitzers, kämpfte jahrelang dagegen und gilt heute als erste Naturschützerin Islands. Ein Gedenkstein am Weg erinnert an sie.
Kerið
Der rund 3.000 Jahre alte Explosionskrater Kerið liegt an der Strasse 35 im Süden des Golden Circle. Seine Wände leuchten rot, schwarz und grün, unten liegt ein türkisfarbener See. Ein Weg führt einmal um den Rand und hinab zum Wasser; der Eintritt ist kostenpflichtig.
Halbinsel Reykjanes
Zwischen Flughafen und Hauptstadt liegt die Halbinsel Reykjanes. Die Blaue Lagune ist ein Thermalbad, dessen milchig-blaues, mineralreiches Wasser aus dem benachbarten Geothermiekraftwerk Svartsengi stammt; Tickets müssen vorab gebucht werden. Bei der „Brücke zwischen den Kontinenten“ überquert man eine Spalte zwischen den Platten, bei Gunnuhver dampft ein grosses Schlammloch. Seit 2021 ist die Halbinsel vulkanisch aktiv; mehr dazu im Artikel über die Vulkane auf Island.
Die Südküste
Seljalandsfoss und Gljúfrabúi
Der Seljalandsfoss an der Ringstrasse fällt rund 60 Meter über eine alte Steilküste. Ein Pfad führt hinter dem Wasservorhang entlang – Regenjacke und rutschfeste Schuhe sind nötig. Rund 500 Meter nördlich versteckt sich der Gljúfrabúi in einer engen Felsspalte, die man durch einen Bach watend betritt.
Skógafoss
Der Skógafoss ist ebenfalls rund 60 Meter hoch und 25 Meter breit. Bei Sonne steht oft ein Regenbogen in der Gischt. Eine Treppe mit über 500 Stufen führt zu einer Plattform an der Oberkante. Dort beginnt der Wanderweg über den Fimmvörðuháls nach Þórsmörk, eine anspruchsvolle Tageswanderung von rund 25 Kilometern vorbei an den Kratern des Ausbruchs von 2010.
Sólheimajökull
Die Gletscherzunge des Mýrdalsjökull ist von der Ringstrasse aus über eine kurze Stichstrasse erreichbar. Vom Parkplatz sieht man das Eis nach einem kurzen Fussweg. Auf den Gletscher selbst dürfen Besucher nur mit einem geprüften Führer, der Steigeisen, Pickel und Helm stellt – Spalten und Schmelzwasserlöcher sind oft nicht erkennbar.
Dyrhólaey und Reynisfjara
Das Kap Dyrhólaey besitzt einen gewaltigen Felsbogen, durch den bei ruhiger See kleine Boote passen. Im Sommer brüten hier Papageitaucher; während der Brutzeit ist ein Teil des Kaps zeitweise gesperrt. Auf der anderen Seite der Bucht liegt Reynisfjara: schwarzer Sand, eine Wand aus Basaltsäulen und die Felsnadeln Reynisdrangar vor der Küste. Der Strand ist gefährlich. Unvermittelt auflaufende Wellen, sogenannte Sneaker Waves, haben hier mehrfach Menschen ins Meer gerissen. Man sollte grossen Abstand zum Wasser halten, nie mit dem Rücken zum Meer stehen und die Warnampel am Zugang beachten.
Fjaðrárgljúfur
Nahe Kirkjubæjarklaustur hat sich ein Bach rund 100 Meter tief in weichen Tuffstein gegraben. Ein Pfad führt etwa zwei Kilometer an der Kante der gewundenen, moosgrünen Schlucht entlang. Bei nassem Wetter wird der Weg zum Schutz der Vegetation manchmal gesperrt.
Skaftafell und Svartifoss
Skaftafell ist Teil des Vatnajökull-Nationalparks. Vom Besucherzentrum führt ein Weg in etwa 45 Minuten zum Svartifoss („Schwarzer Wasserfall“), der über eine Wand aus dunklen, hängenden Basaltsäulen fällt. Weitere Wege führen zur Gletscherzunge Skaftafellsjökull und zum Aussichtspunkt Sjónarnípa.
Jökulsárlón und Diamond Beach
In der Gletscherlagune Jökulsárlón treiben Eisberge, die vom Breiðamerkurjökull abbrechen. Oft liegen Robben auf den Schollen. Im Sommer fahren Amphibienboote und Zodiacs zwischen den Eisbergen. Auf der anderen Seite der Ringstrasse spült das Meer Eisbrocken auf den schwarzen Sand – der sogenannte Diamond Beach.
Eishöhlen im Vatnajökull
Von etwa November bis März bilden sich im Vatnajökull Eishöhlen mit tiefblauen Wänden. Sie verändern sich jedes Jahr und können einstürzen. Besuche sind nur mit geführten Touren möglich, die meist in der Gegend von Jökulsárlón starten. Auf dem Vatnajökull und dem Langjökull bieten Veranstalter ausserdem Touren mit Motorschlitten und Superjeeps an.
Der Norden
Mývatn
Der See Mývatn („Mückensee“) liegt in einer vulkanisch aktiven Landschaft. Die Zuckmücken, die ihm den Namen gaben, stechen meist nicht, können im Sommer aber in dichten Schwärmen auftreten. Rund um den See liegen:
- Pseudokrater bei Skútustaðir: Hügel mit Kratern, die entstanden, als Lava über feuchten Boden floss und Dampfexplosionen auslöste.
- Dimmuborgir: ein Labyrinth aus bizarren Lavatürmen und -bögen mit markierten Rundwegen.
- Hverir: ein Solfatarenfeld am Pass Námaskarð mit Dampfquellen, blubbernden Schlammtöpfen und Schwefelgeruch.
- Grjótagjá: eine kleine Höhle mit warmem Wasser, bekannt aus der Serie „Game of Thrones“; Baden ist dort nicht erlaubt.
- Mývatn Nature Baths: ein Thermalbad mit Blick über die Landschaft, ruhiger als die Blaue Lagune.
Dettifoss, Selfoss und Ásbyrgi
Der Gletscherfluss Jökulsá á Fjöllum stürzt beim Dettifoss rund 45 Meter tief über eine etwa 100 Meter breite Kante. Er gilt als wasserreichster Wasserfall Europas. Wenige Hundert Meter flussaufwärts liegt der breite, gestufte Selfoss, flussabwärts der Hafragilsfoss. Weiter nördlich öffnet sich die Schlucht Ásbyrgi in Form eines Hufeisens, mit bis zu 100 Meter hohen Wänden und einem Birkenwald. Der Sage nach ist sie der Hufabdruck von Odins achtbeinigem Pferd Sleipnir.
Goðafoss
Der „Götterwasserfall“ liegt direkt an der Ringstrasse zwischen Akureyri und Mývatn. Der Überlieferung nach warf der Gode Þorgeir Ljósvetningagoði um das Jahr 1000 nach der Annahme des Christentums seine heidnischen Götterbilder hier ins Wasser.
Húsavík und Akureyri
Húsavík an der Bucht Skjálfandi gilt als bester Ort Islands zur Walbeobachtung. Von April bis Oktober fahren Boote hinaus; häufig zu sehen sind Buckelwale und Zwergwale, mit Glück auch Blauwale. Akureyri am Eyjafjörður ist mit rund 20.000 Einwohnern die grösste Stadt des Nordens, mit botanischem Garten, Kirche Akureyrarkirkja und guter Infrastruktur für Ausflüge.
Grímsey am Polarkreis
Die kleine Insel Grímsey rund 40 Kilometer vor der Nordküste ist der einzige Teil Islands, den der nördliche Polarkreis quert. Man erreicht sie per Flug ab Akureyri oder per Fähre ab Dalvík. Im Sommer brüten dort Papageitaucher und Küstenseeschwalben.
Snæfellsnes und die Westfjorde
Halbinsel Snæfellsnes
- Kirkjufell: der kegelförmige Berg bei Grundarfjörður, mit dem Wasserfall Kirkjufellsfoss im Vordergrund eines der bekanntesten Fotomotive Islands.
- Arnarstapi und Hellnar: zwei Küstenorte, verbunden durch einen Klippenweg von rund 2,5 Kilometern mit Basaltformationen und dem Felsbogen Gatklettur.
- Snæfellsjökull-Nationalpark: rund um den vergletscherten Vulkan, den Jules Verne zum Einstieg seiner „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ machte, mit dem schwarzen Kiesstrand Djúpalónssandur und der Lavahöhle Vatnshellir.
Westfjorde
Die Westfjorde sind touristisch wenig erschlossen – genau das macht ihren Reiz aus. Der Dynjandi, auch Fjallfoss genannt, fällt rund 100 Meter in breiten Stufen hinab und wird unten von mehreren kleineren Fällen begleitet. Látrabjarg, die westlichste Spitze Europas, ist eine bis zu 440 Meter hohe und rund 14 Kilometer lange Vogelklippe. Im Sommer brüten dort Hunderttausende Seevögel, darunter Papageitaucher, die sich aus wenigen Metern Abstand beobachten lassen.
Das Hochland
Landmannalaugar
Landmannalaugar liegt im Naturreservat Fjallabak. Die Rhyolithberge leuchten in Rot, Gelb, Grün und Blau, dazwischen liegen schwarze Obsidian-Lavafelder. Am Hüttenplatz badet man in einer natürlichen heissen Quelle. Hier beginnt der Laugavegur, einer der bekanntesten Fernwanderwege Islands: rund 55 Kilometer in meist vier Tagesetappen bis nach Þórsmörk. Landmannalaugar ist nur im Sommer über Hochlandpisten erreichbar, mit Allradfahrzeug oder Hochlandbus.
Weitere Ziele im Hochland
Das Tal Þórsmörk zwischen drei Gletschern, das Geothermalgebiet Kerlingarfjöll und die Caldera Askja mit dem Kratersee Víti gehören zu den eindrucksvollsten Zielen im Inselinneren. Alle erfordern Allradfahrzeug oder geführte Touren.
Häufige Fragen
Welche Sehenswürdigkeiten schafft man an einem Tag ab Reykjavík?
Den Golden Circle mit Þingvellir, Haukadalur und Gullfoss (rund 230 bis 300 Kilometer). Alternativ die Südküste bis Vík mit Seljalandsfoss, Skógafoss und Reynisfjara, das sind aber rund 360 Kilometer hin und zurück.
Kosten die Sehenswürdigkeiten Eintritt?
Die meisten Naturziele sind frei zugänglich, an vielen Orten fallen aber Parkgebühren an. Eintritt verlangen etwa Kerið, Thermalbäder und geführte Aktivitäten.
Wann sieht man Papageitaucher?
Etwa von Mai bis Mitte August, zum Beispiel an Dyrhólaey, Látrabjarg, auf Grímsey und den Westmännerinseln.
Welche Ziele sind im Winter erreichbar?
Golden Circle, Südküste bis Jökulsárlón, Snæfellsnes und die Gegend um Akureyri und Mývatn sind meist ganzjährig erreichbar. Das Hochland und viele Strassen in den Westfjorden sind im Winter gesperrt.