Auf Menorca gibt es weder Partymeilen noch Großdiskotheken. Langweilig wird es trotzdem nicht: Die Insel hat einen der größten Naturhäfen der Welt, Hunderte Steinbauten aus der Bronzezeit, Leuchttürme an wilden Kaps und eine Bar in einer Felshöhle über dem Meer. Viele Ziele begeistern auch Kinder.
Einen allgemeinen Überblick über die Insel gibt der Beitrag über Menorca.
Maó und der Hafen
Hafenrundfahrt
Der Naturhafen von Maó ist rund fünf Kilometer lang und schmal wie ein Fjord. Am besten erkundet man ihn vom Wasser aus: Glasbodenboote starten an der Hafenpromenade und fahren in etwa einer Stunde an Inseln, Festungen und Villen vorbei bis zur Hafeneinfahrt. Durch den Glasboden sieht man Fische und Seegras.
Festung La Mola
Auf der Halbinsel La Mola an der Nordseite der Hafeneinfahrt steht die Fortalesa Isabel II, im 19. Jahrhundert gebaut. Die Anlage ist riesig, mit Kasematten, langen Tunneln und Geschützstellungen. Ein Rundgang mit Audioguide dauert etwa zwei Stunden, von den Bastionen blickt man über das offene Meer und den Hafen.
Illa del Rei
Auf der kleinen Insel mitten im Hafen steht ein ehemaliges britisches Militärhospital, das Freiwillige über Jahre restauriert haben. Seit 2021 betreibt die Kunstgalerie Hauser & Wirth hier Ausstellungsräume und einen Skulpturengarten. Kleine Boote setzen vom Hafen aus über.
Altstadt von Maó
Die Kirche Santa Maria besitzt eine große Orgel aus dem frühen 19. Jahrhundert, in der Saison gibt es kurze Orgelkonzerte am Vormittag. Im Kreuzgang des ehemaligen Karmeliterklosters, dem Claustre del Carme, findet ein Lebensmittelmarkt statt. Das Museu de Menorca in einem alten Franziskanerkloster zeigt die Inselgeschichte von der Vorzeit bis zur britischen Herrschaft. Direkt am Hafen liegt die Gin-Destillerie Xoriguer mit Verkostung.
Es Castell
Der Nachbarort an der Hafeneinfahrt gilt als der Ort, an dem in Spanien die Sonne zuerst aufgeht. Die Briten gründeten ihn als Garnisonsstadt, der Hauptplatz ist von alten Kasernen umgeben. In der kleinen Bucht Cales Fonts liegen Restaurants direkt in den Felsen am Wasser.
Ciutadella
Plaça des Born und Kathedrale
Der große Platz am Rand der Altstadt wird vom Obelisken beherrscht, der an die Verteidigung der Stadt gegen die Osmanen 1558 erinnert. Rundherum stehen Rathaus und Stadtpaläste. Durch die Arkadengasse Ses Voltes geht es zur gotischen Kathedrale, die auf den Resten einer Moschee errichtet wurde.
Castell de Sant Nicolau
Der kleine achteckige Wachturm aus dem 17. Jahrhundert steht an der Einfahrt zum Hafen. Abends kommen hier viele Menschen zusammen, um die Sonne über dem Meer untergehen zu sehen. Bei klarer Sicht erkennt man am Horizont Mallorca.
Museum Bastió de sa Font
Das städtische Museum in einer alten Bastion zeigt Funde von der Vorzeit bis zur islamischen Epoche, darunter Keramik und Werkzeuge aus talayotischen Siedlungen.
Lithica – Pedreres de s’Hostal
Am Stadtrand liegen alte Steinbrüche, aus denen jahrhundertelang der typische helle Sandstein Menorcas (Marès) geschlagen wurde. Heute sind sie ein Garten mit Labyrinth, Pflanzen und Wegen zwischen senkrechten Felswänden. Für Kinder ein Abenteuer, im Sommer finden hier Konzerte statt.
Menorca vor 3.000 Jahren
Mehr als 1.500 archäologische Stätten verteilen sich über die Insel. Seit 2023 sind die wichtigsten davon als „Talayotisches Menorca“ UNESCO-Welterbe.
Torre d’en Galmés
Die größte talayotische Siedlung liegt auf einem Hügel bei Alaior. Man geht durch Wohnhäuser, Zisternen und Höfe, überragt von drei Talayots. Das Besucherzentrum erklärt, wie die Menschen hier vor rund 3.000 Jahren gelebt haben.
Naveta des Tudons
Das Grabmonument an der Straße von Ciutadella nach Ferreries sieht aus wie ein umgedrehtes Boot. Es gilt als eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Europas mit Dach. Im Inneren wurden Reste von rund hundert Menschen gefunden.
Taula de Torralba, Trepucó und Son Catlar
Die Taula de Torralba bei Alaior ist eine der schönsten erhaltenen Taulas, zwei riesige Steine in T-Form in einem hufeisenförmigen Heiligtum. Trepucó am Stadtrand von Maó hat einen der größten Talayots der Insel. Son Catlar bei Ciutadella ist von einer fast 900 Meter langen Mauer umgeben, einer der wenigen erhaltenen Siedlungsmauern dieser Zeit.
Naturziele
Monte Toro
Auf den höchsten Berg der Insel (358 m) führt eine schmale Straße ab Es Mercadal. Oben stehen ein Kloster, eine Christusstatue und ein Café. Bei klarer Sicht sieht man die ganze Insel und im Westen Mallorca.
Cova d’en Xoroi
In Cala en Porter liegen Höhlen mitten in einer Steilklippe über dem Meer, tagsüber Aussichtsbar, abends Treffpunkt zum Sonnenuntergang und Club. Die Legende erzählt von einem Piraten namens Xoroi, der hier mit einer entführten jungen Frau lebte, bis Spuren im Schnee ihn verrieten.
Leuchttürme
Von den Leuchttürmen der Insel sind vier besonders sehenswert. Favàritx im Nordosten steht auf dunklem Schiefer in einer fast mondähnlichen Landschaft. Cavalleria im Norden thront auf hohen Klippen, ein Interpretationszentrum erklärt die Geschichte. Punta Nati an der Nordwestküste liegt in einer kargen Steinlandschaft mit alten Schutzhütten für Schafe. Artrutx an der Südwestspitze bei Cala en Bosc ist leicht zu erreichen und ein guter Sonnenuntergangsplatz.
Barranc d’Algendar und s’Albufera des Grau
Die Schlucht Barranc d’Algendar zwischen Ferreries und Cala Galdana ist grün und schattig, mit einem Bach, Obstgärten und Felswänden. Der Naturpark s’Albufera des Grau im Nordosten ist das Herz des Biosphärenreservats: eine Lagune mit Reihern, Fischadlern und Zugvögeln, markierten Wegen und einem Besucherzentrum.
Dörfer mit Charakter
Fornells im Norden liegt an einer tiefen, windgeschützten Bucht. Am Ortsende steht der Wachturm Torre de Fornells, den die Briten Anfang des 19. Jahrhunderts bauten. Von oben überblickt man Bucht und Nordküste. In den Restaurants am Hafen wird die Caldereta de Llagosta serviert. Binibeca Vell im Südosten ist eine weiß getünchte Feriensiedlung aus den 1970er-Jahren im Stil eines Fischerdorfs, mit verwinkelten Gassen und Treppen bis ans Wasser. Da hier Menschen wohnen, gelten feste Besuchszeiten. Alaior und Es Mercadal im Inselinneren sind ruhige Landstädte mit weißen Häusern, Käsereien und Konditoreien.
Vorschlag für drei Ausflugstage
- Osten: Maó mit Hafenrundfahrt und Xoriguer, Es Castell, Festung La Mola, abends Cales Fonts
- Mitte und Süden: Torre d’en Galmés, Taula de Torralba, Monte Toro, Sonnenuntergang in der Cova d’en Xoroi
- Westen: Naveta des Tudons, Lithica, Altstadt von Ciutadella, Sonnenuntergang am Castell de Sant Nicolau
Häufige Fragen
Welche Sehenswürdigkeiten auf Menorca eignen sich für Kinder?
Die Glasbodenboote in Maó, der Steinbruch Lithica in Ciutadella, die Naveta des Tudons und die Festung La Mola mit ihren Tunneln.
Wo sieht man auf Menorca den schönsten Sonnenuntergang?
Am Castell de Sant Nicolau in Ciutadella, am Leuchtturm Artrutx und in der Cova d’en Xoroi.
Lohnen sich die prähistorischen Stätten auch ohne Vorwissen?
Ja. Torre d’en Galmés hat ein Besucherzentrum, an den meisten Stätten erklären Tafeln die Bauten. Die Naveta des Tudons ist schon wegen ihrer Form beeindruckend.
Wie viel Zeit braucht man für Maó und Ciutadella?
Je einen halben bis ganzen Tag. Die Städte liegen rund 45 Kilometer auseinander, die Fahrt über die Me-1 dauert etwa 45 Minuten.