Die Republik Seychellen liegt nördlich von Madagaskar im Indischen Ozean und ist der kleinste Staat Afrikas. Berühmt sind die Granitfelsen an Stränden wie der Anse Source d’Argent, die Coco de Mer im Vallée de Mai und Inseln, auf denen Riesenschildkröten und seltene Vögel leben.

Lage und Inselwelt

Die Seychellen liegen rund 1.500 Kilometer östlich der ostafrikanischen Küste, knapp südlich des Äquators. Der Inselstaat umfasst 115 Inseln, die sich über eine riesige Meeresfläche verteilen, zusammen aber nur rund 455 Quadratkilometer Land ergeben. Hier leben rund 120.000 Menschen, die meisten auf der Hauptinsel Mahé.

Die Inseln teilen sich in zwei ganz unterschiedliche Gruppen:

  • Inner Islands: rund 40 Granitinseln, darunter Mahé, Praslin, La Digue und Silhouette. Sie sind Reste eines alten Kontinentalblocks, der sich bei der Trennung von Indien und Madagaskar löste. Typisch sind steile, bewaldete Berge und die rund geschliffenen Granitfelsen an den Stränden. Dazu gehören auch einige flache Koralleninseln wie Bird Island und Denis Island am Nordrand.
  • Outer Islands: flache Koralleninseln und Atolle weiter südlich und westlich, etwa die Amiranten, Alphonse, Farquhar und Aldabra. Das Aldabra-Atoll ist UNESCO-Welterbe und Heimat von über 100.000 Aldabra-Riesenschildkröten, mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Besuche sind nur sehr eingeschränkt möglich.

Die Hauptstadt Victoria auf Mahé gehört zu den kleinsten Hauptstädten der Welt. Knapp die Hälfte der Landfläche steht unter Naturschutz.

Die Hauptinseln

Mahé

Die größte Insel ist das Tor zum Land: Hier liegen der internationale Flughafen und die Hauptstadt. Das Innere nimmt der Nationalpark Morne Seychellois ein, dessen gleichnamiger Gipfel mit 905 Metern der höchste Punkt des Landes ist. Wanderwege wie der Copolia Trail führen zu Aussichtspunkten über Victoria. Bekannte Strände sind Beau Vallon im Nordwesten mit Wassersport und Hotels, die wilde Anse Intendance im Süden und die Anse Takamaka.

In Victoria lohnt der Sir Selwyn Selwyn-Clarke Market, auf dem morgens Fisch, Früchte und Gewürze verkauft werden, ein Blick auf den kleinen silbernen Uhrturm, eine Nachbildung des Uhrturms an der Vauxhall Bridge in London, und auf den Hindu-Tempel Arul Mihu Navasakthi Vinayagar. Vor der Stadt liegt der Sainte Anne Marine National Park mit mehreren kleinen Inseln und Korallenriffen.

Praslin

Die zweitgrößte Insel ist ruhiger und grüner. Das Vallée de Mai ist UNESCO-Welterbe: Hier wächst in einem urzeitlichen Palmenwald die Coco de Mer, die Seychellenpalme mit der größten und schwersten Samennuss der Pflanzenwelt. Mit Glück sieht man den seltenen Seychellen-Vasapapagei. Die Strände Anse Lazio im Nordwesten und Anse Georgette gelten als einige der schönsten der Welt; Anse Georgette ist nur über ein Resortgelände erreichbar.

La Digue

Auf der kleinen Insel sind Autos weitgehend tabu – man fährt Fahrrad oder Ochsenkarren. Die Anse Source d’Argent mit ihren rosa-grauen Granitblöcken liegt im L’Union Estate, einer alten Kopra- und Vanilleplantage, für die Eintritt verlangt wird. An der Ostküste liegen die wilderen Strände Grand Anse, Petite Anse und Anse Cocos, an denen wegen der Strömung oft nicht gebadet werden kann.

Kleinere Inseln für Tagesausflüge

  • Curieuse: Die Insel vor Praslin beherbergt frei lebende Riesenschildkröten, Mangroven und das Arzthaus einer früheren Leprastation.
  • Cousin: Ein Vogelschutzgebiet, das mit Rangern besucht werden kann. Hier brüten Seevögel wie Feenseeschwalben und Keilschwanz-Sturmtaucher, außerdem leben der Seychellen-Rohrsänger und Riesenschildkröten auf der Insel.
  • Bird Island: Die Koralleninsel am Nordrand ist von etwa Mai bis Oktober Brutplatz von Hunderttausenden Rußseeschwalben.
  • Denis Island: Eine flache Privatinsel mit Naturschutzprogramm, auf der seltene Vogelarten wieder angesiedelt wurden.

Geschichte und Kultur

Arabische und asiatische Seefahrer kannten die Inseln vermutlich schon früh, besiedelt waren sie aber nicht. 1502 sichtete Vasco da Gama die Amiranten, danach tauchten die Inseln auf portugiesischen Seekarten auf. Frankreich nahm die Inseln 1756 in Besitz und benannte sie nach dem Finanzminister Jean Moreau de Séchelles; ab 1770 kamen die ersten Siedler mit Sklaven aus Afrika und Madagaskar. 1814 fielen die Seychellen an Großbritannien, 1835 wurde die Sklaverei abgeschafft, und die Plantagenwirtschaft mit Kopra, Zimt und Vanille musste umgestellt werden. 1976 wurde das Land unabhängig.

Amtssprachen sind Seychellenkreolisch (Kreol Seselwa), Englisch und Französisch. Die kreolische Küche lebt von Fisch und Gewürzen: Fischcurry, Oktopuscurry mit Kokosmilch, gegrillter Red Snapper und Ladob, ein Dessert aus Kochbananen oder Brotfrucht in Kokosmilch. Ende Oktober feiert das Festival Kreol eine Woche lang Musik, Tanz und Küche der Kreolkultur.

Wirtschaftlich hängt das Land stark vom Tourismus und von der Thunfischfischerei ab. Um die Natur zu schonen, setzen die Seychellen auf vergleichsweise wenige, hochwertige Unterkünfte und zahlreiche Schutzgebiete.

Reisezeit

Die Seychellen sind ganzjährig warm, mit Temperaturen um 26 bis 31 Grad. Das Wetter bestimmen zwei Monsunwinde:

  • Nordwest-Monsun (etwa Dezember bis März): heißer und feuchter, mit kräftigen, meist kurzen Schauern. Das Meer ist an der Nordwestküste bewegter, im Südosten ruhiger.
  • Südost-Monsun (etwa Juni bis September): trockener und windiger, mit Seegang an den Südostküsten. Juni bis August gelten als die regenärmsten Monate.

Die Übergangszeiten April/Mai und Oktober/November sind windstill, das Meer ist ruhig und die Sicht unter Wasser am besten – ideal für Taucher und Schnorchler. Da die Inner Islands außerhalb des Zyklongürtels liegen, sind tropische Wirbelstürme dort sehr selten.

Inselhopping und Unterwegs

  • Flug: Die Maschinen von Air Seychelles brauchen von Mahé nach Praslin rund 15 Minuten. Die abgelegenen Inseln wie Denis oder Bird Island erreicht man mit kleinen Propellermaschinen.
  • Fähre: Die Katamarane von Cat Cocos verbinden Mahé und Praslin in rund einer Stunde, von Praslin nach La Digue dauert die Überfahrt etwa 15 Minuten.
  • Auf den Inseln: Es herrscht Linksverkehr. Auf Mahé und Praslin fahren öffentliche Busse, Mietwagen sind verbreitet, die Straßen aber schmal und kurvig. Auf La Digue sind Fahrräder das Verkehrsmittel.
  • Unterkunft: Neben Luxushotels gibt es viele kleine Guesthouses und Selbstversorger-Apartments.
  • Schutzgebiete: Für Vallée de Mai, L’Union Estate, Curieuse, Cousin und die Meeresparks werden Eintrittsgebühren erhoben, die in den Naturschutz fließen.

Anreise und Einreise

Der Seychelles International Airport liegt an der Ostküste von Mahé, rund zehn Kilometer südlich von Victoria. Aus Europa fliegt man meist mit Umstieg, etwa am Golf, in Istanbul oder Addis Abeba, je nach Saison gibt es auch Direktflüge.

Deutsche Staatsangehörige brauchen kein Visum, aber vor der Reise eine elektronische Reisegenehmigung (Travel Authorisation), die über das offizielle Regierungsportal der Seychellen oder die zugehörige App beantragt wird und gebührenpflichtig ist. Benötigt werden ein gültiger Reisepass, Rück- oder Weiterflugticket, Unterkunftsbuchung und ausreichende Mittel. Vorsicht vor inoffiziellen Vermittlerseiten mit Aufschlägen. Die aktuellen Regeln sollten vor der Reise beim Auswärtigen Amt geprüft werden.

Häufige Fragen

Welche Seychellen-Insel ist die schönste?

Das hängt vom Urlaubsziel ab: Mahé bietet die meiste Abwechslung, Praslin das Vallée de Mai und die Anse Lazio, La Digue die Anse Source d’Argent und ein autofreies Inselgefühl. Viele kombinieren alle drei.

Wann ist die beste Reisezeit für die Seychellen?

Ganzjährig möglich. Am ruhigsten und klarsten ist das Meer in den Übergangsmonaten April/Mai und Oktober/November.

Braucht man für die Seychellen ein Visum?

Nein, aber vor der Reise muss online eine Travel Authorisation über das offizielle Regierungsportal beantragt werden.

Was ist die Coco de Mer?

Die Frucht der Seychellenpalme, die nur auf Praslin und Curieuse wild wächst. Ihre Nuss ist der größte Samen der Pflanzenwelt und das Nationalsymbol der Seychellen.