Sizilien ist die größte Insel des Mittelmeers und hat in 3.000 Jahren Griechen, Römer, Araber, Normannen und Spanier kommen und gehen sehen. Jede Epoche hat Spuren hinterlassen: dorische Tempel, goldene Mosaiken, barocke Städte. Darüber raucht der Ätna.
Sizilien in Zahlen
Mit rund 25.700 Quadratkilometern ist Sizilien die größte Insel Italiens und des Mittelmeers. Auf ihr leben knapp fünf Millionen Menschen. Sizilien ist eine autonome Region, Hauptstadt ist Palermo. Die Insel ist in neun Gebiete gegliedert, die früher Provinzen hießen: Palermo, Catania und Messina sind heute Metropolitanstädte, Agrigent, Caltanissetta, Enna, Ragusa, Syrakus und Trapani freie Gemeindekonsortien. Nur Enna im Inselinneren hat keine Küste.
Vom Festland trennt Sizilien die Straße von Messina, an der schmalsten Stelle rund drei Kilometer breit. Die Landschaft ist überwiegend bergig und hügelig. Der höchste Berg ist der Ätna zwischen Catania und Messina. Neben dem Tourismus leben viele Sizilianer von der Landwirtschaft – Zitrusfrüchte, Oliven, Mandeln, Pistazien und Wein – und von der Fischerei.
Kurze Geschichte
Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. gründeten Griechen Kolonien wie Syrakus und Agrigent, die zu den mächtigsten Städten der antiken Welt zählten. Nach den Römern kamen Byzantiner und ab 827 die Araber, die Zitrusfrüchte, Bewässerung und Gewürze mitbrachten. Die Normannen eroberten die Insel im 11. Jahrhundert und bauten Kirchen, in denen sich byzantinische, arabische und romanische Kunst verbinden. Unter dem Staufer Friedrich II. war Palermo ein Zentrum der Wissenschaft. 1860 landete Garibaldi mit seinen „Tausend“ in Marsala, danach wurde Sizilien Teil des geeinten Italiens.
Städte
Palermo
Die Hauptstadt ist laut, lebendig und voller Kunstschätze. Die Kathedrale, die Cappella Palatina im Normannenpalast mit ihren Goldmosaiken und der Dom im nahen Monreale gehören seit 2015 zum UNESCO-Welterbe „Arabisch-normannisches Palermo“. Auf den Märkten Ballarò und Vucciria wird Fisch, Obst und Streetfood verkauft: Arancine (frittierte Reisbällchen), Panelle aus Kichererbsenmehl und Pane con la milza, ein Brötchen mit Innereien. Zum Baden fahren die Palermitaner an den Stadtstrand Mondello.
Catania
Catania liegt am Fuß des Ätna und ist die zweitgrößte Stadt der Insel. Nach dem Erdbeben von 1693 wurde sie im Barockstil neu gebaut, oft aus schwarzem Lavastein. Morgens lohnt der Fischmarkt La Pescheria hinter dem Domplatz, die Via Etnea führt schnurgerade auf den Vulkan zu.
Syrakus und Ortigia
Die Altstadt liegt auf der Insel Ortigia, verbunden durch Brücken. Der Dom wurde in einen griechischen Athena-Tempel hineingebaut, die Säulen sind noch zu sehen. Im archäologischen Park Neapolis stehen ein großes griechisches Theater und das „Ohr des Dionysios“, eine künstliche Grotte mit bemerkenswerter Akustik.
Taormina
Das Städtchen liegt hoch über dem Meer. Das antike Theater bietet einen Blick auf den Ätna und die Küste, Goethe war 1787 begeistert. Unten an der Küste liegt die kleine Insel Isola Bella, ein Naturreservat, bei Ebbe über eine Sandbank erreichbar.
Cefalù
Das Küstenstädtchen östlich von Palermo hat einen normannischen Dom mit einem großen Christus-Mosaik und einen Sandstrand direkt an der Altstadt. Ein Wanderweg führt auf den Felsen La Rocca mit Resten eines Dianatempels.
Noto, Ragusa und Modica
Nach dem Erdbeben von 1693 wurden im Südosten ganze Städte im Barockstil neu errichtet, seit 2002 sind sie als „Spätbarocke Städte des Val di Noto“ UNESCO-Welterbe. Noto ist aus honigfarbenem Stein gebaut, Ragusa Ibla liegt auf einem Felsrücken, Modica ist für seine körnige Schokolade bekannt, die kalt verarbeitet wird.
Antike Stätten
Im Tal der Tempel bei Agrigent steht der Concordia-Tempel, einer der am besten erhaltenen griechischen Tempel überhaupt. Segesta im Westen hat einen fast vollständigen dorischen Tempel in freier Landschaft und ein Theater auf dem Hügel darüber. In Selinunt an der Südküste liegen die Ruinen einer großen griechischen Stadt direkt am Meer. Die Villa Romana del Casale bei Piazza Armerina ist bekannt für ihre spätantiken Bodenmosaiken, darunter Jagdszenen und die „Bikini-Mädchen“ bei sportlichen Übungen.
Der Ätna
Der Ätna ist der höchste aktive Vulkan Europas, rund 3.300 Meter hoch – die genaue Höhe ändert sich mit den Ausbrüchen. Seit 2013 ist er UNESCO-Welterbe. Von der Südseite führt eine Straße bis zum Rifugio Sapienza auf rund 1.900 Metern. Von dort fährt eine Seilbahn auf etwa 2.500 Meter, weiter geht es mit Geländebussen. Die Gipfelkrater dürfen nur mit zugelassenen Bergführern betreten werden, bei starker Aktivität sind Zonen gesperrt. Auch im Sommer ist es oben kalt und windig.
An den Hängen wachsen Weinreben auf Lavaböden. Der Etna Rosso aus der Rebsorte Nerello Mascalese und der weiße Etna Bianco aus Carricante haben eigene Herkunftsbezeichnungen, viele Weingüter bieten Verkostungen an.
Der Westen
Trapani ist die Hafenstadt für die Ägadischen Inseln. Darüber liegt auf über 700 Metern das mittelalterliche Erice, bekannt für Mandelgebäck und die Aussicht. Zwischen Trapani und Marsala stehen Windmühlen in den Salinen, bei Sonnenuntergang färben sich die Becken rosa. Marsala gab dem Likörwein seinen Namen. Nordöstlich von Trapani liegen das Naturreservat Zingaro, ein Küstenschutzgebiet ohne Straßen mit Wanderweg und Badebuchten, und San Vito lo Capo mit einem langen hellen Sandstrand.
Sizilianische Küche
Die Küche Siziliens zeigt die Geschichte der Insel auf dem Teller. Die Araber brachten Zucker, Mandeln, Safran und Zitrusfrüchte mit, daraus entstanden Süßspeisen wie Cannoli mit Ricotta-Füllung, die Cassata und das Marzipanobst Frutta Martorana. Pasta alla Norma aus Catania kommt mit gebratenen Auberginen, Tomaten und gesalzenem Ricotta, in Palermo isst man Pasta con le sarde mit Sardinen, wildem Fenchel, Rosinen und Pinienkernen. An der Westküste um Trapani wird Couscous mit Fischsud serviert, ein Erbe der Nachbarschaft zu Nordafrika. Im Sommer frühstücken viele Sizilianer eine Granita, etwa mit Mandel, Zitrone oder Kaffee, dazu eine Brioche zum Eintunken. Aus der Gegend um Bronte am Ätna stammen die bekannten grünen Pistazien.
Anreise
Sizilien hat vier Flughäfen mit Linienverkehr: Palermo, Catania, Trapani und Comiso. Catania und Palermo werden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am häufigsten direkt angeflogen. Fähren fahren von Genua, Civitavecchia, Neapel und Salerno nach Palermo, dazu die kurze Verbindung Villa San Giovanni–Messina in rund 20 Minuten. Nachtzüge ab Rom werden auf die Fähre verladen. Eine Brücke über die Meerenge ist seit Jahrzehnten geplant, gebaut ist sie noch nicht. Auf der Insel selbst ist ein Mietwagen für eine Rundreise fast unverzichtbar. Autobahnen verbinden Palermo, Catania, Messina und Syrakus, im Inselinneren sind die Landstraßen kurvig und teils schlecht ausgebaut. Zwischen den großen Städten fahren auch Überlandbusse und Züge, abgelegene Orte erreicht man damit aber nur mühsam.
Häufige Fragen
Wie lange braucht man für eine Sizilien-Rundreise?
Zehn bis 14 Tage reichen für Palermo, den Westen, Agrigent, den Barock im Südosten, Syrakus, den Ätna und Taormina.
Kann man auf den Ätna wandern?
Bis in mittlere Höhen ja, etwa zu den Silvestri-Kratern am Rifugio Sapienza. Die Gipfelkrater sind nur mit Bergführer zugänglich.
Wann ist die beste Reisezeit für Sizilien?
April bis Juni und September bis Oktober. Im Juli und August wird es im Inselinneren oft sehr heiß.
Wo sind die schönsten Strände Siziliens?
San Vito lo Capo, die Buchten im Zingaro-Reservat, Cefalù und Mondello bei Palermo sowie die Strände bei Marzamemi im Südosten.