Teneriffa ist mit 2.034 Quadratkilometern die größte und mit rund 950.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste der Kanarischen Inseln. Sie liegt etwa 300 Kilometer vor der Küste Afrikas und rund 1.300 Kilometer vom spanischen Festland entfernt. In der Mitte ragt der Teide auf, der höchste Berg Spaniens – und er teilt die Insel in einen grünen Norden und einen sonnigen Süden.
Teneriffa im Überblick
Hauptstadt ist Santa Cruz de Tenerife im Nordosten, zugleich Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Direkt daneben liegt San Cristóbal de La Laguna, die alte Hauptstadt und Sitz der Universität. Die Insel hat zwei Flughäfen: Tenerife Sur (TFS) bei Granadilla für die meisten Urlaubsflüge und Tenerife Norte (TFN) bei La Laguna, vor allem für Inlands- und Spanienflüge.
Die ältesten Teile der Insel, die Gebirge Anaga, Teno und Adeje, sind viele Millionen Jahre alt; das Zentrum mit dem Teide ist deutlich jünger. Die Insel ist bis heute vulkanisch aktiv. Der letzte Ausbruch war 1909 am Chinyero im Nordwesten. Seismografen des Instituto Geográfico Nacional und des kanarischen Vulkaninstituts Involcan überwachen die Insel rund um die Uhr.
Der Teide und der Nationalpark
Der Pico del Teide ist 3.715 Meter hoch – vom Meeresboden gemessen über 7.000 Meter. Der Nationalpark rund um den Gipfel umfasst die Hochebene Las Cañadas, einen riesigen Einbruchkessel auf gut 2.000 Metern Höhe, und ist seit 2007 Weltnaturerbe der UNESCO.
Die Seilbahn (Teleférico del Teide) fährt von 2.356 Metern in etwa acht Minuten zur Bergstation La Rambleta auf 3.555 Metern. Von dort führen kurze Wege zu den Aussichtspunkten La Fortaleza und Pico Viejo. Der Weg zum Gipfelkrater (Sendero Telesforo Bravo) ist nur mit einer Genehmigung erlaubt. Sie ist kostenlos, wird online über das Reservierungsportal der spanischen Nationalparks vergeben und ist oft Wochen im Voraus ausgebucht. Ohne Genehmigung kommt nur auf den Gipfel, wer in der Berghütte Altavista übernachtet und vor 9 Uhr morgens oben ist.
Unterhalb der Seilbahn liegen die Roques de García, bizarre Felstürme mit einem 3,5 Kilometer langen Rundweg. In der Höhe ist die Luft dünn: Wer mit Herz- oder Atemproblemen anreist, sollte nicht auf die Bergstation fahren. Im Winter liegt oft Schnee, dann werden Straßen und Seilbahn zeitweise gesperrt. Bei Sturm fährt die Seilbahn ebenfalls nicht.
Norden gegen Süden
Der Nordost-Passat bringt Feuchtigkeit, die sich an den Nordhängen als Wolkenband staut. Deshalb wachsen im Norden Bananen, Wein, Kiefernwald und Lorbeerwald, während der Süden trocken, karg und deutlich sonniger ist. An einem Tag können im Süden 25 Grad bei blauem Himmel herrschen und in Puerto de la Cruz 21 Grad bei Wolken.
Der Norden
Puerto de la Cruz war das erste Urlaubszentrum der Insel. Hier liegen der Botanische Garten (gegründet 1788), der Loro Parque und die Playa Jardín mit schwarzem Sand, gestaltet von César Manrique. Das Meerwasserschwimmbad Lago Martiánez stammt ebenfalls von Manrique.
La Orotava hat eine der schönsten Altstädte der Kanaren mit steilen Gassen, Holzbalkonen und der Casa de los Balcones. La Laguna ist seit 1999 Welterbe der UNESCO; ihr schachbrettartiger Grundriss diente als Vorbild für viele Kolonialstädte in Amerika.
In Icod de los Vinos steht der Drago Milenario, der bekannteste Drachenbaum der Kanaren. Sein Alter wird heute eher auf einige hundert Jahre geschätzt, nicht auf tausend. Im Nordosten erstreckt sich das Anaga-Gebirge mit Lorbeerwald, Bergdörfern wie Taganana und wilden Stränden wie Benijo. Im Nordwesten bilden das Teno-Massiv und der hübsche Hafenort Garachico den Gegenpol.
Der Süden
Costa Adeje ist das gehobene Hotelgebiet mit der Playa del Duque und dem Siam Park. Nahtlos daran schließen Playa de las Américas mit viel Nachtleben und Los Cristianos an, einst ein Fischerdorf, heute Ferienort mit dem Fährhafen nach La Gomera und El Hierro.
El Médano an der Südostküste ist wegen des fast ständigen Windes ein Zentrum für Windsurfer und Kitesurfer; der Vulkankegel Montaña Roja rahmt den Strand ein. Im Westen fallen bei Los Gigantes die Felsen bis zu 500 Meter senkrecht ins Meer. Oberhalb liegt das Bergdorf Masca am Eingang der gleichnamigen Schlucht. Der Abstieg ist nur an bestimmten Tagen, bergab und mit Online-Reservierung erlaubt; für Nicht-Residenten ist er kostenpflichtig.
Strände
Die meisten Strände Teneriffas haben dunklen Vulkansand. Eine Ausnahme ist die Playa de las Teresitas bei San Andrés nördlich von Santa Cruz: Ihr heller Sand wurde in den 1970er-Jahren aus der Sahara herangebracht, ein Wellenbrecher hält das Wasser ruhig.
Im Süden liegen geschützte, oft künstlich angelegte Buchten wie die Playa del Duque, die Playa de Fañabé und die Strände von Los Cristianos – gut für Familien. Naturstrände wie die Playa de la Tejita bei El Médano sind windiger. An der Nordküste sind Strände wie El Socorro, Bollullo und Benijo landschaftlich großartig, wegen Brandung und Strömungen aber nur bei ruhiger See und grüner Flagge zum Schwimmen geeignet.
Unterwegs auf der Insel
Zwei Autobahnen bilden das Rückgrat: Die TF-1 führt von Santa Cruz entlang der Ostküste in den Süden bis Adeje, die TF-5 von Santa Cruz über La Laguna nach Puerto de la Cruz und Los Realejos. Morgens und abends gibt es rund um Santa Cruz und La Laguna regelmäßig Staus.
Das Busnetz von TITSA („Guaguas“) verbindet alle größeren Orte, auch die Flughäfen. Mit der aufladbaren Karte Ten+ oder der gleichnamigen App fährt man günstiger als mit Bargeld. Zwischen Santa Cruz und La Laguna verkehrt eine Straßenbahn. Für den Teide, Masca oder abgelegene Teile von Anaga ist ein Mietwagen die flexibelste Lösung. Zum Leuchtturm an der Punta de Teno ist die Zufahrt für Privatautos zeitweise gesperrt; dann fährt ein Bus ab Buenavista del Norte.
Beste Reisezeit
Teneriffa ist ein Ganzjahresziel. An der Küste liegen die Tageshöchstwerte im Winter bei 20 bis 22 Grad, im Sommer bei 26 bis 29 Grad. Das Wasser erreicht zwischen 19 Grad im Frühjahr und 23 Grad im Spätsommer. Für Wanderungen sind Frühjahr und Herbst ideal, im Hochsommer wird es in den tiefen Lagen des Südens heiß.
Einige Tage im Jahr bringt die Calima heißen Wind und Saharastaub. Ein Höhepunkt im Kalender ist der Karneval von Santa Cruz im Februar, einer der größten der Welt. Unterkünfte in der Hauptstadt sind dann früh ausgebucht.
Walbeobachtung
Zwischen Teneriffa und La Gomera lebt ganzjährig eine große Population von Grindwalen, dazu Große Tümmler. Die Boote starten vor allem in Los Gigantes, Puerto Colón (Costa Adeje) und Los Cristianos. Seriöse Anbieter tragen das Zertifikat „Barco Azul“ der kanarischen Regierung: Sie halten Mindestabstände ein, begrenzen die Zeit bei den Tieren und dürfen weder füttern noch das Schwimmen mit Walen anbieten. Sichtungen sind häufig, aber nicht garantiert.
Ausflugsziele im Detail stellt der Beitrag Sehenswürdigkeiten auf Teneriffa vor. Hinweise zu Vulkan, Meer und Kriminalität bündelt der Ratgeber Wie sicher ist Teneriffa?
Häufige Fragen
Braucht man für den Teide-Gipfel eine Genehmigung?
Ja. Die Genehmigung ist kostenlos und wird online über das Reservierungsportal der Nationalparks vergeben. Ohne sie kommt man nur nach einer Übernachtung in der Hütte Altavista vor 9 Uhr auf den Gipfel.
Wo ist das Wetter besser, im Norden oder im Süden?
Der Süden hat mehr Sonne und weniger Regen. Der Norden ist grüner, etwas kühler und häufiger bewölkt, dafür landschaftlich abwechslungsreicher.
Welcher Flughafen ist der richtige?
Für Costa Adeje, Los Cristianos und El Médano ist Tenerife Sur (TFS) nah. Für Santa Cruz, La Laguna und Puerto de la Cruz liegt Tenerife Norte (TFN) günstiger, wird aber seltener direkt aus Mitteleuropa angeflogen.
Kommt man ohne Auto zurecht?
Für Orte an der Küste ja – mit den TITSA-Bussen und der Straßenbahn. Für Teide, Masca und Anaga sind Mietwagen oder geführte Touren deutlich bequemer.