Die Insel Hawaiʻi – meist Big Island genannt – ist mit rund 10.430 Quadratkilometern die grösste Insel der USA und grösser als alle anderen Hawaii-Inseln zusammen. Fünf Vulkane haben sie aufgebaut, zwei davon gehören zu den aktivsten der Erde.

Die fünf Vulkane von Big Island

Big Island ist die jüngste Insel der Kette und wächst noch immer. Jeder ihrer Vulkane prägt eine eigene Landschaft – von tief eingeschnittenen Tälern im Norden bis zu frischen Lavafeldern im Südosten.

Kohala

Der Kohala im Norden ist der älteste Vulkan der Insel. Er ist erloschen, sein letzter Ausbruch liegt rund 120.000 Jahre zurück. Regen und Brandung haben seine Nordostflanke in tiefe, grüne Täler wie Pololū und Waipiʻo zerschnitten. Auf seinen sanften Westhängen liegen Weiden und Ranches.

Mauna Kea

Der Mauna Kea ist mit 4.207 Metern der höchste Berg Hawaiis. Vom Meeresboden aus gemessen ist er über 10.000 Meter hoch – mehr als der Mount Everest. Wegen der trockenen, klaren Luft über der Wolkendecke stehen auf seinem Gipfel über ein Dutzend grosse Teleskope. Das Besucherzentrum auf rund 2.800 Metern ist mit normalem Auto erreichbar, abends gibt es dort oft Sternbeobachtungen. Zum Gipfel führt eine steile Strasse, die nur mit Allradfahrzeug befahren werden darf; viele Mietwagenfirmen verbieten die Fahrt. Wegen der dünnen Luft sollte man sich vorher am Besucherzentrum akklimatisieren. Für Native Hawaiians ist der Berg heilig; um den Bau weiterer Teleskope wird seit Jahren gestritten.

Hualālai

Der Hualālai erhebt sich direkt über Kailua-Kona. Sein letzter Ausbruch 1801 schickte Lavaströme bis ans Meer; auf einem davon liegt heute der Flughafen Kona. Der Vulkan gilt als aktiv, ein neuer Ausbruch in den nächsten hundert Jahren ist nach Einschätzung des US-Vulkanologendienstes USGS wahrscheinlich.

Mauna Loa

Der Mauna Loa ist mit 4.169 Metern Höhe und seiner riesigen Masse der grösste aktive Vulkan der Erde. Er bedeckt rund die Hälfte der Insel. Seit 1843 ist er über 30-mal ausgebrochen. Nach 38 Jahren Pause brach er vom 27. November bis 10. Dezember 2022 aus; Lavaströme näherten sich damals der Saddle Road bis auf wenige Kilometer.

Kīlauea

Der Kīlauea an der Südostflanke des Mauna Loa ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Von 1983 bis 2018 floss fast ununterbrochen Lava aus dem Schlot Puʻuʻōʻō. 2018 öffneten sich Spalten in der Siedlung Leilani Estates und zerstörten über 700 Häuser. Seit Dezember 2024 schiessen im Krater Halemaʻumaʻu in Abständen von Tagen bis Wochen Lavafontänen in die Höhe. Mehr dazu im Artikel Kilauea: der aktivste Vulkan Hawaiis.

Vor der Südostküste wächst unter Wasser bereits der nächste Vulkan: Kamaʻehuakanaloa (früher Lōʻihi) liegt noch rund 1.000 Meter unter dem Meeresspiegel.

Hawaii Volcanoes National Park

Der Nationalpark rund um Kīlauea und Mauna Loa ist seit 1987 UNESCO-Welterbe und das meistbesuchte Ziel der Insel. Er liegt rund 45 Autominuten südwestlich von Hilo.

  • Crater Rim Drive: Strasse am Rand der Kīlauea-Caldera mit Aussichtspunkten auf den Krater Halemaʻumaʻu, Dampfspalten und Schwefelfelder.
  • Kīlauea Iki Trail: ein Rundweg von rund 5 Kilometern, der durch Regenwald hinab und quer über den Boden eines Kraters führt, der 1959 ein Lavasee war.
  • Nāhuku (Thurston Lava Tube): eine begehbare Lavaröhre im Regenwald.
  • Chain of Craters Road: Die Strasse führt rund 30 Kilometer vorbei an Kratern und Lavafeldern hinab zur Küste bis zum Felsbogen Hōlei Sea Arch.

Strassen und Wege können wegen vulkanischer Aktivität oder Gasen jederzeit gesperrt werden. Der aktuelle Stand steht auf den Seiten des National Park Service und des USGS.

Die Regionen von Big Island

Kona-Küste im Westen

Die Westküste ist trocken und sonnig, hier liegen die meisten Hotels. Kailua-Kona ist der touristische Hauptort mit Restaurants, Geschäften und dem historischen Hulihee-Palast. Weltbekannt wurde der Ort durch die Ironman-Weltmeisterschaft, die seit 1981 hier ausgetragen wird. An den Hängen von Hualālai und Mauna Loa wächst Kona-Kaffee; viele Farmen bieten Führungen und Verkostungen an.

In der Kealakekua Bay starb 1779 James Cook, ein weisser Obelisk erinnert an ihn. Die Bucht ist Meeresschutzgebiet und einer der besten Schnorchelplätze Hawaiis, oft mit Delfinen. Südlich davon liegt Puʻuhonua o Hōnaunau, ein alter Zufluchtsort: Wer ein Kapu gebrochen hatte, konnte hier Schutz und Vergebung finden. Holzfiguren, Tempelplattform und eine mächtige Steinmauer sind erhalten. Ein besonderes Erlebnis ist das Nachtschnorcheln mit Mantarochen vor der Küste bei Kona: Lampen locken Plankton an, die Rochen gleiten mit offenem Maul nur Zentimeter unter den Schnorchlern vorbei.

Kohala-Küste

Nördlich von Kona reihen sich grosse Resorts und Golfplätze an der Küste. Der Hapuna Beach gilt als einer der schönsten Strände der Insel, mit feinem hellem Sand und im Sommer ruhigem Wasser.

Nordspitze: Hawi und Pololū

Das ehemalige Zuckerdorf Hawi hat sich zu einem kleinen Künstlerort mit Galerien und Cafés entwickelt. Am Ende der Strasse liegt der Aussichtspunkt über dem Pololū-Tal; ein steiler Pfad führt in rund 20 Minuten hinab zu einem Strand aus schwarzen Steinen.

Hāmākua-Küste

Die Nordostküste ist regenreich und grün. Im ʻAkaka Falls State Park führt ein kurzer Rundweg durch Bambus und Farne zu den ʻAkaka Falls, die rund 135 Meter tief fallen. Das Waipiʻo-Tal war einst Sitz hawaiischer Könige, auf seinem Boden werden bis heute Taro-Felder bewirtschaftet. Die extrem steile Strasse ins Tal ist für Besucher nur eingeschränkt freigegeben; den besten Blick hat man vom Aussichtspunkt am Talrand.

Hilo im Osten

Hilo ist der Hauptort der Insel und eine der regenreichsten Städte der USA. Die Innenstadt mit Holzfassaden aus dem frühen 20. Jahrhundert wirkt entspannt und wenig touristisch. Sehenswert sind die Rainbow Falls, über denen morgens oft ein Regenbogen steht, die japanisch inspirierten Liliʻuokalani Gardens am Hafen und der Hilo Farmers Market mit tropischen Früchten. Hilo ist der beste Standort für Ausflüge in den Vulkan-Nationalpark.

Der Süden

Am Punaluʻu Black Sand Beach liegen oft grüne Meeresschildkröten am schwarzen Strand; Abstand halten ist Pflicht. Der Papakōlea Green Sand Beach verdankt seine Farbe dem Mineral Olivin; er ist nur zu Fuss über rund 4 Kilometer pro Strecke erreichbar. Ka Lae (South Point) ist der südlichste Punkt der 50 US-Bundesstaaten.

Quer über die Insel

Die Saddle Road (Daniel K. Inouye Highway, Route 200) verbindet Hilo und Kona zwischen Mauna Kea und Mauna Loa in knapp zwei Stunden. Auf der Fahrt durchquert man Regenwald, Lavawüste und Hochweiden. Big Island hat so viele Klimazonen wie kaum ein anderer Ort vergleichbarer Grösse: tropische Küsten, Wüsten, Nebelwälder und im Winter Schnee auf den Gipfeln.

Reisepraxis

  • Flughäfen: Kona (Westen) und Hilo (Osten), beide mit Verbindungen zu den anderen Inseln und teils zum US-Festland.
  • Mietwagen: unverzichtbar; eine Inselumrundung sind rund 360 Kilometer.
  • Aufenthalt: mindestens fünf bis sieben Tage, am besten aufgeteilt auf Kona und Hilo oder Volcano Village.
  • Ausrüstung: warme Kleidung für den Mauna Kea und die Abende im Nationalpark auf rund 1.200 Metern Höhe.

Häufige Fragen

Warum heisst die Insel Hawaiʻi „Big Island“?

Um sie vom gleichnamigen Bundesstaat zu unterscheiden – und weil sie deutlich grösser ist als alle anderen Hawaii-Inseln zusammen.

Kann man auf Big Island Lava sehen?

Wenn der Kīlauea aktiv ist, lassen sich Lavafontänen und das Leuchten im Krater von den Aussichtspunkten im Nationalpark beobachten, besonders eindrucksvoll nach Einbruch der Dunkelheit. Wann und wo das möglich ist, ändert sich laufend.

Wo übernachtet man auf Big Island am besten?

Für Strand und Sonne an der Kona- oder Kohala-Küste, für Vulkane und Regenwald in Hilo oder Volcano Village. Viele Reisende teilen ihren Aufenthalt auf beide Seiten auf.

Wie lange braucht man von Kona nach Hilo?

Über die Saddle Road knapp zwei Stunden, über die Nordroute entlang der Küste etwa zweieinhalb, über den Süden rund drei Stunden.