Kauaʻi ist die älteste und nördlichste der grossen Hawaii-Inseln – rund fünf Millionen Jahre alt. Regen und Brandung haben sie in eine Landschaft aus Steilküsten, Schluchten und Wasserfällen verwandelt, die ihr den Namen „The Garden Isle“ eingebracht hat.
Kauaʻi im Überblick
Die Insel ist rund 1.430 Quadratkilometer gross und die viertgrösste Hawaiis. Etwa 75.000 Menschen leben hier, die meisten an der Ost- und Südküste. Eine Strasse rund um die Insel gibt es nicht: Zwischen dem Ende der Strasse im Norden bei Keʻe Beach und dem im Westen bei Polihale liegt die Nā Pali Coast, die nur zu Fuss, per Boot oder aus der Luft zugänglich ist.
Auf Kauaʻi darf per Gesetz kein Gebäude höher sein als eine Kokospalme – rund vier Stockwerke. Das prägt die Insel: Statt Hochhausketten gibt es kleine Orte, Felder und viel Grün. Der Tourismus ist inzwischen die wichtigste Einnahmequelle, aber die Insel wirkt deutlich ruhiger als Oʻahu oder Maui.
Natur: Berge, Regen und Schluchten
Waiʻaleʻale und Kawaikini
Im Zentrum der Insel liegt der Gipfel Waiʻaleʻale (1.569 Meter), einer der regenreichsten Orte der Erde. Im langjährigen Mittel fallen dort über 10.000 Millimeter Regen pro Jahr – an den meisten Tagen des Jahres regnet es. Der höchste Gipfel ist der benachbarte Kawaikini mit rund 1.598 Metern. Beide liegen meist in den Wolken. Unterhalb des Gipfels liegt der „Weeping Wall“, eine Felswand, über die bei Regen Dutzende Wasserfälle stürzen; zu sehen ist sie fast nur bei Hubschrauberflügen.
Wailua River und Fern Grotto
Der Wailua River an der Ostküste gilt als einziger schiffbarer Fluss Hawaiis. Ausflugsboote und Kajaks fahren flussaufwärts zur Fern Grotto, einer Felsgrotte mit herabhängenden Farnen, in der früher viele Hochzeiten stattfanden. Das Mündungsgebiet war einst ein königliches Zentrum mit Tempeln, deren Reste noch zu sehen sind. Oberhalb stürzen die Wailua Falls rund 25 Meter tief; sie sind von der Strasse aus zu sehen und aus dem Vorspann der Serie „Fantasy Island“ bekannt.
Nā Pali Coast
Die Nā Pali Coast im Nordwesten ist die bekannteste Landschaft der Insel: rund 27 Kilometer senkrecht ins Meer abfallende Klippen, bis über 1.000 Meter hoch, mit schmalen Tälern und abgelegenen Stränden. Der Kalalau Trail führt rund 18 Kilometer (einfach) von Keʻe Beach bis zum Kalalau Beach. Die ersten 3 Kilometer bis zum Strand von Hanakāpīʻai sind als Tageswanderung beliebt; wer weitergehen will, braucht eine Genehmigung für Übernachtung und Camping. Wichtig: Bei Hanakāpīʻai nicht schwimmen – die Strömung ist lebensgefährlich, und bei Regen schwellen die Bäche schnell an.
Zum Ausgangspunkt im Hāʻena State Park kommt man nur mit einer vorab gebuchten Reservierung für Parken oder Shuttle. Bequemer erlebt man die Küste bei Bootstouren ab Port Allen im Süden (im Sommer bei ruhiger See) oder bei einem Rundflug mit dem Hubschrauber.
Waimea Canyon und Kōkeʻe
Der Waimea Canyon wird „Grand Canyon of the Pacific“ genannt: rund 16 Kilometer lang, etwa 1,6 Kilometer breit und rund 900 Meter tief. Die Wände zeigen rote, braune und grüne Schichten aus Lava und Erde. Eine Strasse führt am Westrand entlang zu mehreren Aussichtspunkten, der Waimea Canyon Lookout ist der bekannteste. Weiter oben schliesst der Kōkeʻe State Park an. Am Ende der Strasse blicken die Aussichtspunkte Kalalau und Puʻu O Kila von über 1.200 Metern hinab ins Kalalau-Tal an der Nā Pali Coast – bei klarem Wetter einer der spektakulärsten Ausblicke Hawaiis. Am besten fährt man morgens, bevor Wolken aufziehen.
Filmkulisse
Kauaʻis Landschaft war Drehort zahlreicher Filme, darunter „Jurassic Park“. Die im Film gezeigten Manawaiopuna Falls liegen auf Privatgelände und sind nur bei bestimmten Hubschrauberflügen mit Landung zu sehen.
Die Regionen von Kauaʻi
Süden: Poʻipū
Die Südküste um Poʻipū ist die sonnigste Region und das touristische Zentrum mit Hotels, Ferienwohnungen und Restaurants. Am Poʻipū Beach ruhen oft Hawaii-Mönchsrobben am Sand; freiwillige Helfer sperren dann einen Bereich ab. Westlich davon liegt das Spouting Horn: Bei Wellengang presst das Meer Wasser durch eine Lavaröhre und schleudert eine Fontäne in die Luft, begleitet von einem zischenden Geräusch. Im Tal Lāwaʻi liegen zwei Gärten des National Tropical Botanical Garden: der gestaltete Allerton Garden und der naturnähere McBryde Garden, beide mit geführten Touren.
Westen: Waimea und Polihale
Im Januar 1778 ging James Cook in Waimea als erster Europäer auf Hawaii an Land; eine Statue erinnert daran. Der Ort ist Ausgangspunkt für den Waimea Canyon. Ganz im Westen liegt Polihale, Teil eines über 20 Kilometer langen Sandstrands, der sich bis zum Militärgelände Barking Sands zieht. Hier enden die Nā Pali-Klippen, der Sonnenuntergang ist spektakulär. Die Zufahrt führt über eine lange, holprige Schotterpiste, Schwimmen ist wegen starker Brandung und Strömung gefährlich. Der Legende nach verlassen von hier die Seelen der Verstorbenen die Insel.
Osten: Coconut Coast
An der Ostküste liegen Lihue, der Hauptort mit dem Flughafen der Insel, und die Orte Wailua und Kapaʻa. Die Region heisst Coconut Coast nach den Palmenhainen an der Küste. Kapaʻa hat kleine Läden, Foodtrucks und einen Rad- und Fussweg direkt an der Küste. Die Ostseite ist bequem gelegen, um alle Teile der Insel zu erreichen.
Norden: Princeville und Hanalei
Die Nordküste ist die grünste und regenreichste Region. Princeville ist eine Resort-Siedlung auf einem Plateau über der Hanalei Bay, mit Golfplätzen und Ferienwohnungen. Unten liegt der kleine Ort Hanalei an einer weiten, halbkreisförmigen Bucht mit historischem Pier. Im Hanalei Valley bauen Farmer auf nassen Feldern Taro (kalo) an, die Grundlage des traditionellen Gerichts Poi. Weiter westlich folgen einspurige Brücken und Strände wie Tunnels Beach (Makua) mit einem grossen Riff zum Schnorcheln bei ruhiger See. Im Osten der Nordküste steht auf einer Landspitze der Leuchtturm von Kīlauea; das Schutzgebiet dort ist Brutplatz für Albatrosse, Tölpel und Tropikvögel.
Im April 2018 fielen an der Nordküste binnen 24 Stunden über 1.200 Millimeter Regen – ein US-Rekord. Erdrutsche zerstörten die Strasse nach Hāʻena, die mehr als ein Jahr gesperrt blieb. Seitdem ist der Zugang zum Hāʻena State Park reservierungspflichtig.
Hühner überall
Wer auf Kauaʻi ankommt, bemerkt sofort die vielen freilaufenden Hühner und Hähne. Sie stammen zum Teil von Hühnern ab, die 1992 beim Hurrikan Iniki aus zerstörten Ställen entkamen. Weil es auf Kauaʻi keine Mungos gibt, die auf anderen Inseln Eier fressen, vermehrten sie sich ungestört.
Reisepraxis
- Anreise: über den Flughafen Lihue, meist mit Umstieg in Honolulu oder direkt von der US-Westküste.
- Mietwagen: unverzichtbar; die Busse fahren selten. Von Lihue nach Hanalei oder Waimea sind es jeweils rund eine Stunde Fahrt.
- Reservierungen: Hāʻena State Park und Kalalau-Genehmigungen sind oft Wochen im Voraus ausgebucht.
- Wetter: Im Winter regnet es mehr, und an der Nordküste laufen hohe Wellen auf. Dann ist der Süden die sicherere Wahl zum Baden.
- Unterkunft: Poʻipū für Sonne, Princeville und Hanalei für Landschaft, die Ostküste für kurze Wege.
Häufige Fragen
Warum heisst Kauaʻi „Garden Isle“?
Wegen der üppigen Vegetation. Der viele Regen im Inselinneren und das hohe Alter der Insel haben dichte Wälder, fruchtbare Täler und zahlreiche Wasserfälle entstehen lassen.
Kann man die Nā Pali Coast ohne Genehmigung sehen?
Ja: vom Aussichtspunkt Kalalau im Kōkeʻe State Park, bei Bootstouren, bei einem Hubschrauberflug oder auf den ersten 3 Kilometern des Kalalau Trail. Für den Parkplatz am Trailstart ist aber eine Reservierung nötig.
Wie viele Tage braucht man für Kauaʻi?
Mindestens vier bis fünf Tage; mit Wanderungen und Bootstour eher eine Woche.
Wann ist die beste Reisezeit für Kauaʻi?
April bis Oktober ist trockener und die See an der Nordküste ruhiger. Im Winter lohnen sich Walbeobachtungen und die Südküste.