Die Hekla im Süden Islands ist einer der aktivsten und bekanntesten Vulkane des Landes. Im Mittelalter galt sie als Tor zur Hölle, heute ist sie ein Wanderziel – und ein Vulkan, der jederzeit mit sehr kurzer Vorwarnung ausbrechen kann.

Lage und Gestalt der Hekla

Die Hekla liegt rund 110 Kilometer östlich von Reykjavík am Rand des isländischen Hochlands, nicht weit vom Gebiet Landmannalaugar. Ihr Gipfel erreicht rund 1.490 Meter. Anders als ein klassischer Kegelvulkan hat die Hekla die Form eines lang gestreckten Rückens. Er sitzt auf einer rund 5,5 Kilometer langen Spalte, der Heklugjá. Bei grossen Ausbrüchen reisst diese Spalte oft auf ganzer Länge auf, und aus mehreren Schloten gleichzeitig treten Lava und Asche aus.

Geologisch ist die Hekla ein Schichtvulkan. Sie fördert zähflüssigere, kieselsäurereichere Lava als die meisten anderen isländischen Vulkane. Das erklärt, warum ihre Ausbrüche meist mit einer heftigen explosiven Phase beginnen, bevor Lavaströme folgen. Die Asche der Hekla enthält viel Fluor – nach Ausbrüchen ist das für Weidetiere gefährlich, weil sie das belastete Gras fressen.

Die Geschichte der Ausbrüche

Seit der Besiedlung Islands im 9. Jahrhundert ist die Hekla mehr als 20-mal ausgebrochen. Ihre Ascheschichten sind so charakteristisch, dass Geologen sie nutzen, um Bodenschichten in ganz Island zu datieren.

1104: der verschüttete Hof Stöng

Der erste Ausbruch in historischer Zeit im Jahr 1104 war einer der grössten. Eine dicke Schicht aus Bimsstein und Asche begrub die Höfe im Tal Þjórsárdalur nordwestlich des Vulkans. Die Bewohner verliessen das Tal. Der Hof Stöng wurde 1939 ausgegraben, eine Rekonstruktion eines Wikingerzeit-Hofs (Þjóðveldisbærinn) steht heute nicht weit davon entfernt und kann besichtigt werden.

Das Tor zur Hölle

Im Mittelalter verbreitete sich in Europa die Vorstellung, in der Hekla liege der Eingang zur Hölle. Der Zisterziensermönch Herbert von Clairvaux schrieb um 1180, dass dort die Seelen der Verdammten gequält würden. Noch Jahrhunderte später tauchte die Hekla in Predigten und Reiseberichten als Ort des Schreckens auf.

Die Ausbrüche im 20. Jahrhundert

Der Ausbruch vom 29. März 1947 begann nach mehr als 100 Jahren Ruhe mit einer gewaltigen Explosion. Die Aschesäule stieg rund 30 Kilometer hoch, Asche fiel bis nach Finnland. Der Ausbruch dauerte 13 Monate. Danach wurde die Hekla deutlich regelmässiger aktiv:

  • 1970: Ausbruch von Mai bis Juli, Fluorvergiftung bei Schafen in der Umgebung
  • 1980–1981: zwei Phasen im August 1980 und im April 1981
  • 1991: Ausbruch von Januar bis März
  • 2000: Ausbruch am 26. Februar, rund zwei Wochen lang

Die Abstände von etwa zehn Jahren liessen viele Fachleute um 2010 einen neuen Ausbruch erwarten. Er ist bis heute ausgeblieben.

Warum die Hekla so schwer vorherzusagen ist

Viele Vulkane kündigen einen Ausbruch Tage oder Wochen vorher durch zunehmende Erdbeben an. Bei der Hekla ist das anders: Das Magma steigt aus rund 10 bis 15 Kilometern Tiefe auf und erreicht die Oberfläche sehr schnell. Zwischen den ersten eindeutigen Erdbeben und dem Ausbruch lagen 1991 und 2000 jeweils weniger als eine Stunde.

Messungen zeigen, dass sich der Untergrund der Hekla seit dem Ausbruch von 2000 stärker aufgewölbt hat als vor diesem Ausbruch. Magma sammelt sich also weiter an. Das isländische Wetteramt Veðurstofa Íslands stuft die Hekla deshalb als ausbruchsbereit ein.

So wird der Vulkan überwacht

  • Seismometer rund um den Vulkan registrieren schon schwache Erdbeben und vulkanisches Zittern.
  • GPS-Stationen messen, wie sich der Boden hebt oder verschiebt, oft auf Millimeter genau.
  • Dehnungsmesser in Bohrlöchern erfassen kleinste Verformungen des Gesteins. Sie lieferten 2000 das entscheidende Signal für die Warnung.

Deutet sich ein Ausbruch an, verschicken die Behörden Warnungen per SMS an alle Mobiltelefone, die in Funkzellen rund um die Hekla eingebucht sind. Auch der Luftverkehr ist betroffen: Wegen der kurzen Vorwarnzeit könnte ein Flugzeug in eine plötzlich aufsteigende Aschesäule geraten. Bei Anzeichen von Unruhe richtet die Flugsicherung deshalb schnell Sperrzonen über dem Vulkan ein.

Wanderung auf die Hekla

Trotz ihrer Unberechenbarkeit ist die Hekla ein beliebtes Ziel für Bergwanderer. Der übliche Aufstieg beginnt an der Nordflanke. Man erreicht den Ausgangspunkt über die Hochlandpiste F225 (Landmannaleið) und eine anschliessende Schotterspur. Beide sind nur mit Allradfahrzeug befahrbar und in der Regel nur im Sommer geöffnet.

  • Strecke: je nach Ausgangspunkt rund 7 bis 8 Kilometer bis zum Gipfel
  • Dauer: etwa 3 bis 4 Stunden Aufstieg, insgesamt 6 bis 8 Stunden
  • Gelände: Lavafelder, loses Vulkangestein und im oberen Teil oft Schnee – auch im Hochsommer
  • Am Gipfel: an manchen Stellen ist der Boden spürbar warm, Dampf steigt aus Ritzen

Bei klarem Wetter reicht der Blick vom Gipfel bis zu den Gletschern Mýrdalsjökull, Eyjafjallajökull und Vatnajökull sowie über das Hochland bis Landmannalaugar.

Sicherheitsregeln

  • Vor dem Start Wetterbericht und Warnungen des Wetteramts (vedur.is) prüfen.
  • Den Reiseplan auf safetravel.is hinterlegen.
  • Ein Mobiltelefon mitnehmen, damit SMS-Warnungen ankommen.
  • Bei Erdbeben oder einer Warnung sofort absteigen, am besten quer zur Windrichtung, damit keine Asche heranzieht.
  • Warme, wasserdichte Kleidung, Wanderstiefel und genug Proviant einpacken; Nebel kann die Orientierung rasch erschweren.

Hekla-Zentrum in Leirubakki

Am Hof Leirubakki an der Strasse 26 zeigt das Hekla-Zentrum (Heklusetur) eine Ausstellung über den Vulkan, seine Ausbrüche und das Leben der Menschen in seiner Nähe. Wer die Hekla nicht besteigen will, sieht den Vulkan von dort oder von der Strasse 26 aus in voller Länge.

Sehenswertes rund um die Hekla

Die Gegend um den Vulkan lässt sich gut zu einem Tagesausflug verbinden. Alle Ziele zeigen, wie stark die Hekla die Landschaft geprägt hat.

  • Þjórsárdalur: das Tal, das 1104 unter der Asche verschwand. Hier liegen die Ausgrabung des Hofs Stöng und die kleine Schlucht Gjáin mit Wasserfällen, Basalt und grünem Moos.
  • Þjóðveldisbærinn: ein nachgebauter Langhof aus der Zeit um 1100, errichtet nach dem Grundriss von Stöng.
  • Háifoss: mit rund 120 Metern einer der höchsten Wasserfälle Islands, am Rand des Þjórsárdalur. Die Zufahrt ist eine holprige Schotterpiste.
  • Landmannalaugar: das Gebiet mit bunten Rhyolithbergen und einer natürlichen heissen Quelle liegt nordöstlich der Hekla und ist im Sommer über die Hochlandpisten F225 und F208 erreichbar.

Häufige Fragen

Wann ist die Hekla zuletzt ausgebrochen?

Am 26. Februar 2000. Der Ausbruch dauerte rund zwei Wochen.

Ist es gefährlich, die Hekla zu besteigen?

Ein Restrisiko bleibt, weil ein Ausbruch mit weniger als einer Stunde Vorwarnung beginnen kann. Wer Warnungen prüft, ein Handy dabeihat und bei Anzeichen von Unruhe sofort umkehrt, hält das Risiko gering.

Wie komme ich zur Hekla?

Von Reykjavík über die Ringstrasse bis kurz hinter Hella, dann auf der Strasse 26 nach Norden. Für die letzte Etappe zum Wanderstart braucht man ein Allradfahrzeug.

Würde ein Hekla-Ausbruch den Flugverkehr in Europa stören?

Möglich, aber nicht zwingend. Die Ausbrüche von 1991 und 2000 blieben ohne grosse Folgen für Europa. Entscheidend sind Stärke des Ausbruchs, Windrichtung und Feinheit der Asche.