Island ist aus Vulkanen entstanden und wächst bis heute weiter. Rund 30 aktive Vulkansysteme ziehen sich quer über die Insel – von der Halbinsel Reykjanes bei Reykjavík bis ins Hochland unter dem Vatnajökull.

Warum Island so viele Vulkane hat

Auf der Naht zwischen zwei Kontinenten

Island liegt auf dem Mittelatlantischen Rücken, einem Gebirge am Meeresboden, das den Atlantik von Nord nach Süd durchzieht. Hier driften die Nordamerikanische und die Eurasische Platte um rund 2 Zentimeter pro Jahr auseinander. In die entstehenden Risse steigt heisses Gestein aus dem Erdmantel auf, schmilzt teilweise und dringt als Magma an die Oberfläche. Nirgendwo sonst liegt dieser Rücken so deutlich über dem Meeresspiegel. Im Nationalpark Þingvellir und auf der Halbinsel Reykjanes kann man die Spalten zwischen den Platten zu Fuss erkunden.

Der Hotspot unter dem Vatnajökull

Dazu kommt ein Mantelplume: eine Säule besonders heissen Gesteins, die aus grosser Tiefe aufsteigt. Ihr Zentrum liegt etwa unter dem Vatnajökull im Südosten. Der Plume liefert zusätzliche Schmelze. Deshalb bildet sich hier so viel Kruste, dass Island überhaupt aus dem Meer ragt – und deshalb sind die Vulkane unter dem Vatnajökull, etwa Grímsvötn und Bárðarbunga, besonders aktiv.

Im Durchschnitt bricht in Island alle drei bis fünf Jahre ein Vulkan aus. Die Aktivität verläuft in Phasen: Auf Jahrzehnte mit vielen Ausbrüchen in einer Region folgen oft Jahrhunderte der Ruhe.

Die Vulkantypen Islands

  • Spaltenvulkane: Lava tritt entlang kilometerlanger Risse aus. Der folgenreichste Ausbruch dieser Art war die Laki-Spalte 1783: Aus einer rund 25 Kilometer langen Kraterreihe flossen acht Monate lang Lava und giftige Gase. Vieh verendete, es folgte eine Hungersnot, die Móðuharðindin. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung Islands starb. Die Gaswolke trübte den Himmel bis nach Mitteleuropa.
  • Schichtvulkane: steile Kegel aus abwechselnden Schichten von Lava und Asche, etwa die Hekla oder der Snæfellsjökull. Ihre Ausbrüche sind oft explosiv.
  • Schildvulkane: flach gewölbte Berge aus dünnflüssiger Lava. Das Musterbeispiel ist der Skjaldbreiður nördlich von Þingvellir, dessen Name „breiter Schild“ bedeutet und der dem ganzen Vulkantyp den Namen gab.
  • Subglaziale Vulkane: Vulkane unter Gletschern wie Grímsvötn und Katla. Bei einem Ausbruch schmilzt Eis, und plötzliche Gletscherläufe (jökulhlaup) wälzen sich mit Wasser, Eis und Geröll zum Meer.
  • Tafelberge: Sie entstanden in der Eiszeit, als Vulkane unter einem dicken Eisschild ausbrachen. Die Herðubreið im Nordosten gilt wegen ihrer Form als „Königin der isländischen Berge“.

Wie schnell Vulkane neues Land schaffen, zeigte Surtsey: Die Insel südlich der Westmännerinseln entstand von 1963 bis 1967 durch einen Ausbruch am Meeresboden. Seit 2008 ist sie UNESCO-Welterbe. Nur Forscher dürfen sie betreten, um zu beobachten, wie Pflanzen und Tiere neues Land besiedeln.

Die bekanntesten Vulkane im Porträt

Hekla

Rund 1.490 Meter hoch, im Süden gelegen, mehr als 20 Ausbrüche seit der Besiedlung, zuletzt im Jahr 2000. Im Mittelalter galt sie als Tor zur Hölle. Ihre Ausbrüche kündigen sich oft weniger als eine Stunde vorher an. Mehr dazu im Artikel über den Vulkan Hekla.

Katla

Die Katla liegt unter dem Gletscher Mýrdalsjökull. Ihr letzter grosser Ausbruch 1918 löste einen gewaltigen Gletscherlauf aus, der die Küstenlinie um mehrere Kilometer nach Süden verschob. Weil ein neuer Ausbruch den Ort Vík und die Ringstrasse gefährden würde, wird die Katla besonders genau überwacht; für Vík gibt es eingeübte Evakuierungspläne.

Eyjafjallajökull

Der vergletscherte Vulkan im Süden wurde 2010 weltbekannt, als seine feine Asche den Flugverkehr über Europa sechs Tage lang weitgehend stoppte. Hintergründe im Artikel über die Aschewolke über Europa.

Grímsvötn

Der Vulkan mit den häufigsten Ausbrüchen Islands liegt mitten im Vatnajökull. Er brach unter anderem 1996, 1998, 2004 und 2011 aus. Der Ausbruch von 2011 schleuderte Asche rund 20 Kilometer hoch.

Bárðarbunga und Holuhraun

Von August 2014 bis Februar 2015 floss nördlich des Vatnajökull aus einer Spalte bei Holuhraun so viel Lava wie seit der Laki-Spalte nicht mehr. Das neue Lavafeld bedeckt rund 85 Quadratkilometer. Gleichzeitig sank die Caldera der Bárðarbunga um rund 60 Meter ein.

Askja

Die Askja im Hochland nördlich des Vatnajökull ist eine riesige Caldera. Nach dem Ausbruch von 1875 entstand der Kratersee Öskjuvatn, einer der tiefsten Seen Islands. Direkt daneben liegt der kleine Krater Víti mit milchig blauem, warmem Wasser. Der Aschefall von 1875 verwüstete Höfe im Osten und trug zur Auswanderungswelle nach Nordamerika bei. Zuletzt brach die Askja 1961 aus.

Krafla

Das Vulkansystem nordöstlich des Mývatn war zwischen 1975 und 1984 aktiv: Bei den sogenannten Krafla-Feuern kam es zu neun Ausbrüchen. Heute nutzt ein Geothermiekraftwerk die Hitze im Untergrund. Besucher sehen den Explosionskrater Víti (ein zweiter Víti, nicht der an der Askja) und das Lavafeld Leirhnjúkur, das noch an manchen Stellen dampft.

Snæfellsjökull

Der 1.446 Meter hohe, vergletscherte Vulkan an der Spitze der Halbinsel Snæfellsnes ist bei klarem Wetter von Reykjavík aus zu sehen. Jules Verne liess in seinem Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ die Expedition hier in den Krater hinabsteigen. Der letzte Ausbruch liegt rund 1.800 Jahre zurück.

Öræfajökull

Der grösste aktive Vulkan Islands trägt den höchsten Gipfel des Landes, den Hvannadalshnúkur mit rund 2.110 Metern. Sein Ausbruch 1362 war der stärkste explosive Ausbruch Islands in historischer Zeit und verwüstete die damalige Siedlung am Fuss des Bergs vollständig.

Die Ausbrüche auf Reykjanes seit 2021

Die Halbinsel Reykjanes südwestlich von Reykjavík war rund 800 Jahre lang ruhig. Im März 2021 begann dort eine neue Phase vulkanischer Aktivität, die Fachleute über Jahrzehnte andauern sehen.

  • Fagradalsfjall (März bis September 2021): Im Tal Geldingadalir öffnete sich eine Spalte. Weil keine Siedlung bedroht war, wurde der Ausbruch zum Ausflugsziel für Hunderttausende.
  • Meradalir (August 2022) und Litli-Hrútur (Juli 2023): zwei weitere Ausbrüche im selben Gebiet, ebenfalls fernab von Orten.
  • Grindavík (November 2023): Nach heftigen Erdbeben und einem Magmagang direkt unter dem Ort wurde die Hafenstadt mit rund 3.700 Einwohnern am 10. November 2023 evakuiert. Risse durchzogen Strassen und Häuser.
  • Sundhnúkur-Kraterreihe (Dezember 2023 bis August 2025): Neun Ausbrüche folgten nördlich von Grindavík. Im Januar 2024 erreichte Lava den Ortsrand und zerstörte mehrere Häuser.

Um Grindavík, das Geothermiekraftwerk Svartsengi und die Blaue Lagune wurden Schutzwälle aufgeschüttet, die mehrere Lavaströme erfolgreich umgeleitet haben. Unter Svartsengi sammelt sich weiterhin Magma an, der Boden hebt sich langsam. Weitere Ausbrüche in der Sundhnúkur-Kraterreihe gelten daher als wahrscheinlich.

Ausbruchsgebiete sicher besuchen

  • Nur Gebiete betreten, die die Behörden freigegeben haben; Sperrungen gelten auch für Wanderer.
  • Gefahrenkarten und Warnungen des Wetteramts auf vedur.is sowie Hinweise auf safetravel.is prüfen.
  • Vulkangase wie Schwefeldioxid sammeln sich in Senken und bei Windstille. Den Wind im Rücken halten und Mulden meiden.
  • Frische Lava nie betreten: Unter einer dünnen, erstarrten Kruste kann sie noch flüssig und über 1.000 °C heiss sein.

Häufige Fragen

Wie viele Vulkane gibt es auf Island?

Island hat rund 30 aktive Vulkansysteme. Jedes System besteht oft aus einem Zentralvulkan und zahlreichen Spalten und Kratern, sodass die Zahl einzelner Vulkanberge weit höher liegt.

Welcher Vulkan in Island ist am aktivsten?

Der Grímsvötn unter dem Vatnajökull bricht am häufigsten aus. Die Halbinsel Reykjanes ist seit 2021 die Region mit den meisten Ausbrüchen.

Kann man in Island einen Vulkan von innen sehen?

Ja. In den erloschenen Krater Þríhnúkagígur bei Reykjavík fährt im Sommer ein offener Aufzug rund 120 Meter tief in die leere Magmakammer hinab.

Ist eine Reise nach Island wegen der Vulkane gefährlich?

Für Reisende ist das Risiko gering. Die Vulkane werden dicht überwacht, gefährdete Gebiete werden rechtzeitig gesperrt, und die meisten Ausbrüche der letzten Jahre fanden fernab bewohnter Orte statt.