Teneriffa gilt als sicheres Reiseziel: Die Gewaltkriminalität ist niedrig, die medizinische Versorgung gut, Notrufe funktionieren auf der ganzen Insel. Die größeren Risiken für Urlauber kommen meist nicht von Menschen, sondern von der Natur – vom Atlantik, von der Sonne, von Waldbränden im Sommer und, sehr selten, vom Vulkan. Dieser Ratgeber zeigt, worauf es ankommt und wie man sich verhält.

Notrufnummern auf einen Blick

  • 112 – europaweiter Notruf für Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und Seenotrettung; die Leitstelle spricht auch Englisch und oft Deutsch.
  • 062 – Guardia Civil (ländliche Gebiete, Straßenverkehr).
  • 091 – Policía Nacional (Städte, Anzeigen gegen Diebstahl).

Vulkan Teide: aktiv, aber gut überwacht

Teneriffa ist eine aktive Vulkaninsel. Der letzte Ausbruch ereignete sich 1909 am Chinyero im Nordwesten, weitere historische Ausbrüche gab es 1704–1706 (unter anderem Garachico) und 1798 am Pico Viejo neben dem Teide. Seit 2016 registrieren die Messnetze unter der Hochebene Las Cañadas vermehrt schwache Erdbeben, teils als Schwärme mit Hunderten Mikrobeben an einem Tag, dazu erhöhte Gaswerte. Die meisten Beben sind so schwach, dass niemand sie spürt.

Überwacht wird die Insel rund um die Uhr vom Instituto Geográfico Nacional (IGN) und dem kanarischen Vulkaninstitut Involcan. Der Notfallplan der Kanaren, PEVOLCA, sieht ein Ampelsystem (Semáforo volcánico) mit den Stufen Grün, Gelb, Orange und Rot vor. Es wird erst aktiviert, wenn die Wissenschaftler Anzeichen für einen möglichen Ausbruch sehen. Ein Ausbruch kündigt sich in der Regel Tage bis Wochen vorher durch stärkere Erdbeben und Bodenhebungen an – wie 2021 auf La Palma, wo die Behörden rechtzeitig evakuieren konnten.

Was das für Urlauber bedeutet: Solange keine Warnstufe ausgerufen ist, gibt es keine Einschränkungen. Wer sich informieren möchte, findet aktuelle Mitteilungen beim Gobierno de Canarias, beim Cabildo de Tenerife und in den Erdbebenlisten des IGN. Im Ernstfall gelten die Anweisungen von Behörden und Hotels. Die Insel übt solche Lagen regelmäßig in Simulationen.

Meer und Strömungen: das größte Risiko

Ertrinken gehört zu den häufigsten Todesursachen von Urlaubern auf den Kanaren. Der Atlantik ist kein Mittelmeer: Wellen können auch bei Sonnenschein plötzlich hoch auflaufen, Rückströmungen ziehen Schwimmer schnell hinaus.

Gefährliche Küstenabschnitte

Besonders an der Nordküste treffen Wellen ungebremst auf den Strand. Landschaftlich großartige Strände wie die Playa del Socorro bei Los Realejos, El Bollullo bei La Orotava und Benijo im Anaga-Gebirge sind oft nicht zum Schwimmen geeignet. Auch Naturschwimmbecken und Felsplattformen, etwa in Garachico oder Punta del Hidalgo, werden bei Wellenwarnung gefährlich, weil einzelne Brecher über die Mauern schlagen. Viele Unfälle passieren, wenn Menschen für Fotos auf nasse Felsen steigen.

So badet man sicher

  • Auf die Flaggen achten: Grün heißt Baden erlaubt, Gelb Vorsicht, Rot Badeverbot.
  • Bevorzugt an Stränden mit Rettungsschwimmern baden, etwa in Los Cristianos, Costa Adeje oder an der Playa de las Teresitas.
  • Nicht allein und nicht nach Alkohol ins Wasser gehen.
  • Wer in eine Strömung gerät, schwimmt nicht dagegen an, sondern parallel zum Strand, bis der Zug nachlässt, und winkt um Hilfe.
  • Bei Warnungen vor Küstenphänomenen („fenómenos costeros“) Wellenkante und Felsen meiden.

Waldbrand im Sommer

Im August 2023 brannte im Nordosten Teneriffas mehr als 12.000 Hektar Wald und Buschland, von den Hängen oberhalb von Arafo und Candelaria bis ins Orotava-Tal. Tausende Menschen wurden vorübergehend evakuiert. Kiefernwälder erholen sich zwar gut, doch das Feuer zeigte, wie schnell sich Brände in Hitze und Trockenheit ausbreiten.

In den Sommermonaten rufen die Behörden bei Hitze und Wind Warnstufen für Waldbrandgefahr aus. Dann können Wanderwege, Grillplätze und Straßen in den Bergen gesperrt werden, auch im Teide-Nationalpark. Offenes Feuer ist im Wald verboten, Zigaretten gehören nie auf den Boden. Wer Rauch sieht, meldet ihn unter 112. Bei einer Evakuierung gilt: den Anweisungen folgen und nicht mit dem Auto auf Bergstraßen unterwegs sein, die Rettungskräfte brauchen.

Kriminalität

Schwere Gewaltverbrechen sind auf Teneriffa selten, einzelne Taten sorgen deshalb für große Schlagzeilen. Für Urlauber sind Alltagsdelikte das eigentliche Thema:

  • Taschendiebstahl kommt in Menschenmengen vor – auf Märkten, beim Karneval in Santa Cruz, in Bussen und an belebten Promenaden in Playa de las Américas und Los Cristianos.
  • Autoaufbrüche sind das häufigste Problem an Aussichtspunkten, Stränden und Wanderparkplätzen, etwa im Teide-Nationalpark oder in Anaga. Im Mietwagen nichts sichtbar liegen lassen, auch nicht im Kofferraum beim Parken umpacken.
  • Straßenwerber für Timeshare-Verkaufsveranstaltungen, Gewinnspiele und Rubbellose sprechen Urlauber in den Ferienorten an. Freundlich ablehnen und weitergehen.
  • Im Nachtleben: Getränke nicht unbeaufsichtigt lassen, nur lizenzierte Taxis nutzen.

Wer bestohlen wurde, erstattet Anzeige (Denuncia) bei der Policía Nacional oder der Guardia Civil. Die Bescheinigung braucht man für die Versicherung und zum Beantragen neuer Papiere. Einige Anzeigen lassen sich vorab online vorbereiten und dann auf der Wache unterschreiben.

Gesundheit

Sonne: Teneriffa liegt auf der Höhe der Sahara. Der UV-Index ist fast ganzjährig hoch, auch bei Wolken und Wind, der die Hitze nicht spüren lässt. Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor, Kopfbedeckung und Trinken sind Pflicht, besonders bei Wanderungen.

Calima: Einige Tage im Jahr bringt Wind aus der Sahara Staub und Hitze. Menschen mit Asthma oder Herzproblemen sollten sich dann wenig anstrengen und die Hinweise der Gesundheitsbehörden beachten.

Höhe: Die Seilbahn bringt Besucher in wenigen Minuten auf 3.555 Meter. Kopfschmerzen, Schwindel oder Atemnot sind Warnzeichen für Höhenkrankheit; dann sofort wieder hinunterfahren. Schwangeren, Kleinkindern und Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankungen wird von der Fahrt abgeraten.

Versorgung: Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte werden EU-Bürger in den staatlichen Gesundheitszentren (Centros de Salud) und Krankenhäusern behandelt, etwa im Hospital Universitario de Canarias in La Laguna oder im Hospital del Sur. Private Kliniken in den Ferienorten verlangen oft Barzahlung oder Kreditkarte; eine Auslandsreisekrankenversicherung mit Rücktransport ist sinnvoll.

Wasser: Leitungswasser stammt vielerorts aus Entsalzungsanlagen und ist aufbereitet. Viele Einheimische trinken trotzdem Flaschenwasser, weil der Geschmack ungewohnt ist.

Wandern und Straßen

Die meisten Bergunfälle entstehen durch Unterschätzung: Wanderwege sind steil und steinig, das Wetter wechselt schnell, im Teide-Nationalpark fällt im Winter Schnee. Vor einer Tour die Warnungen des spanischen Wetterdienstes AEMET prüfen, genug Wasser mitnehmen und nicht allein in abgelegene Schluchten gehen. Gesperrte Wege sind gesperrt – oft wegen Steinschlag. Die Masca-Schlucht darf nur mit Online-Reservierung und nur bergab begangen werden.

Bergstraßen wie die Zufahrten nach Masca, Anaga oder zum Teide sind eng und kurvig, dazu kommen Radfahrer und Busse. Langsam fahren, in unübersichtlichen Kurven weit rechts bleiben und bei Nebel das Licht einschalten.

Häufige Fragen

Ist Teneriffa für Alleinreisende sicher?

Ja. Mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen – Wertsachen im Blick, nachts belebte Wege, lizenzierte Taxis – ist die Insel für Alleinreisende unproblematisch.

Kann der Teide bald ausbrechen?

Der Vulkan ist aktiv und wird dauerhaft überwacht. Ein Ausbruch würde sich nach allen Erfahrungen vorher durch deutliche Signale ankündigen, die Behörden würden rechtzeitig warnen.

Welche Strände sind zum Baden am sichersten?

Die geschützten, bewachten Strände im Süden, etwa in Los Cristianos und Costa Adeje, sowie die Playa de las Teresitas bei Santa Cruz.

Was tun bei Diebstahl?

Karten sperren, Anzeige bei der Policía Nacional oder Guardia Civil erstatten und bei Verlust des Ausweises das zuständige Konsulat kontaktieren.

Mehr über die Insel steht im Artikel Teneriffa.